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9 Des Hocherleuchteten

Sel. Johann Arndts,

General· Superintendentens des Fuͤrſtenthums uͤneburg,

—* Fuͤnff Geiſtreiche Buͤche, Vom

yahirn

LOhriſtulhum Welche handeln

Von heilſamer Buſſe, hertzlicher Reue

und Leid uͤber die Suͤnde, und wahrem Glauben, auch heiligem Leben und Wandel der wahren Chriſten, auch wie ein wahrer Chriſt Suͤnde, Tod, Teufel, Hölle, Welt, Ereuß - und alle Trübfal, durch den Glauben, Gebet, Gedult, GOttes Wort und himmlifchen Troft übermwins

den fol; | Und daflelbe alles in CArifto eff:

Anietzo aufs neue zumfunffzehenden malaufgeleget, und diefer ietzige Druck, uber alle vorige Editiones, mit neuen 7 Anmerchungen aug dem ſel. Herrn Luthero, Dorfcheo und Varenio, von

einem Hocherleuchteten Theologo unferer Kirchen mit Fleiß zufammen getragen, und mit vielen Marginalibus vermehret, auch alle Loca Scri. prurz von neuen nachgefchlagen, und felbige niit groben Littern gedruckt, wobey ein doppeltes nügliches Bibel-Negifter, da man ſowol die Haupt⸗ Sprüche ale auch andere Sprüche, welche in dieſem Buch etwas erflärer werden, nachfchlagen fan, nebent einem nötbigen Negifter, fowol über alle denckwuͤrdige Sachen, fo in diefem Buch enthalten, als auch über die Sonn: und Feſt⸗Tags Evangelia und gantzen Catechifmum, ſamt vielen fehenen SinnsBildern und derfelben doppelten müglichen Erfläs gung, wie auch mit geiftreichen Geberen, darinnen der gange Innhalt eineg ieden Capitels enthalten, und deren⸗ felben Negifter, Meiftentheils aus Magdeburgifcher und Riegiſcher Edition genommen, wozu auch noch des feligen Autoris merckwuͤrdiger Lebens⸗Lauff fommens - Melchen

Welchen noch beygefuͤget

Deey andere kleine Buͤcher,

welche

| zu | Des tel, Sodann Arndts

Ehriicnlbin

gchorig:

1 Die Wiederholung J Verantwortung der | Lehre vom wahren Chriſtenthum.

1 Zwey Sendſchreiben an gute Freunde, die Bits | her des wahren Chriftenthums betreffend, 11. Bedencken über Tauleri Teutſche Theologie, wie

hoc) ſolche zu halten,

Allen Chriſten zu ihrer Seelen Heil

und Seligkeit, infonderheit Lehrern un d predigern, wie auch allen Chriſtlichen Haus⸗Vaͤtern und Müttern, (es hen fonderlich zum ‘Beten fowol die Bibliſchen Allesara, als auch anderes Lateinifches, ſo darinnen vorkommt, verteut⸗ ſchet worden,) zu ihrer Haus⸗Andacht nuͤtzlich und hoͤchſt⸗ nie thig zu lehren und zu gebrauchen, weil naͤchſt der Bibel wenig N RAR Bücher

Mir Boͤnigl. Pohln. und wie auch Bönigl, Preußiſchen und Chur⸗ Brandenb. PRIVILEGIIS.

Leipzig Verlegts Johann Sams Heinfius, Im Jahr EHrifi 1749,

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wuͤnſchte fich zu feinem

Glaubens⸗KGchilde Das

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Voeidben Vide.

Die Tugend kam, und ſprach:

ee | Kimm das Vildniß hin, Wir fahens an,

| fo wars Wnſre Koͤnigin.

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| eo | Fllerdurchlauchtigſten, Groß: maͤchtigſten Fuͤrſtin und Frauen,

Frauen Vhriſtianen Sherhardinen, Foͤnigin inBolen,Stoß-

Hergogin in Biethauen, Hertzogin in Reuſſen, Preuſſen, Ma: ſovien, Samogitien, Kyovien, Volhinien, Podolien, Podlachien, Livonien, Smo⸗ lenskien, Severien, Scherni⸗ kovien, ꝛc. Hertzogin zu Sachſen, Juͤlich, Kleve und Berg, Engern und WBeltphalen,

Des Heil, Kom. Reichs Thur- Fuͤrſtin, ENGE Land:

Land - Gräfin in Thuͤringen, Marg⸗ Grafin zu Meiffen, auch Ober: und - Nieder s Laufiß,

Burg⸗Graͤfin zu Magdeburg, Gefuͤr⸗ fteten Gräfin zu Nenneberg,

- Gräfin zu der Mard, Ravensberg und

Barby, Sranen zum Navenftein,

Meiner Allergnaͤdigſten Foͤ⸗ nigin, Chur» Fuͤrſin und Frauen.

Aller⸗

Flerdurchlauchtigſte Groß—⸗ maͤchtigſte Königin und Chu Fuͤrſtin

FFlergnaͤdigſte Frau.

dor E, Koͤnigl. Majeſtaͤt allergnaͤdigſten Augen erſchei⸗ y) net ein Bud), das von dem 7 wahren Chriſtenthum den Namen führet, und es hat ſich unteritanden, E. Koͤnigl. Mai, Bildniß und Namen voran zu ſetzen. Denn es will die Hoheit, ſo

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die Göttliche Majeftät Dero geheiligten Perſon von oben herab gegeben, in allerun terthaͤnigſter Demuth verehren,unddenbimm:

liſchen Glang, womit der Geift GOttes Dero allertheureſte Seele fo herrlich ge: ſchmuͤcket hat, allen GOtt⸗ ergebenen Gemuͤ⸗ thern zur Verwunderung vorſtellen.

Es præeſentiret ſich dieſes GOtt⸗geheiligte Buch in einer neuen Geſtalt, und hoffet in dem Cabinet E. Koͤnigl. Maj. einer gnaͤdi⸗ gen Aufnahme gewuͤrdiget zu werden, nad) dem es bisher fo vielmal zu Dero Seelen: Wergnügunggedienethat. Es ifteine Schrifft, welche fd lange Zeit in der wahren Kirche EHrifti beruͤhmt und angenehm geweſen, drum nahet fich dieſelbe zudem Thron einer Welt⸗ geprieſenen Königin, welche mit: Grunde der Wahrheit ein Troſt des Saͤchſiſchen Zions,

and eine Augen⸗Luſt der gantzen Evangeli- ſchen Kirche muß genennet werden. Aus dem

geoffenbarten Worte GOttes iſt gegenwaͤrti⸗ ges Buch zuſammen getragen, drum will es daſelbſt aufgehoben ſeyn, wo man das Wort des Allerhoͤchſten hoͤher als Gold und Perlen ſchaͤtzet. Aus dem Garten des HErrn ſind dieſe gottſeligen Gedancken, als ſchoͤne und

wohl⸗

wohlriechende Blumen zufammen gelefen, und aus denenfelben find diefe Glaubens⸗ und Tugend⸗Kraͤntze gemwunden; Drum fuchen fie den Ort im Saͤchſiſchen Luft- Gefilde, wo eine Hocherhabene Braut CHriſti mit folchen Blumen erquicet, und mit Aepf- feln der himmliſchen Güter gelabet wird. Das wahre Chriſtenthum wird auf diefen Dlättern abgebildet, und die lebendige Krafft will in einem auserlefenen Erempel erfennet ſeyn: Alſo beziehet es ſich auf eine groſſe Koͤnigin, deren wahres Chriſtenthum dem gantzen Lande, ſo viel tauſend Untertha⸗ nen, ſo viel tauſend andern Chriſten in die Au⸗ gen und in das Hertze leuchtet. Eben dieſes Chriſtenthum nennet den Namen einer von Gott auserwehlten Chriſtianen, weil Sie CHriſti Sinn hat, und den Namen mit der That vortrefflich beweiſt. Wir finden Ihr Bild in dieſem Buche, und das Buch ſelbſt in Ihrem Bilde. Der Kuͤnſtler hat die Aehnlichkeit im Portrait kaum fo wohl treffen koͤnnen, als dieſes Bud) Sie ſelbſt, ohne Ihren Namen zu nennen, ſtillſchweigend vorftellet. Das Original aber übertrifft mit [einer Schönheit das un 5 un

und in der Tugend wird eine lebendige Probe

des wahren Ehriftentbums abgeleget. Die

Pflicht und die gute Meynungdes Berleners

ift zwar bemuͤhet geweſen, zu denen erleuchtes ten Gedancken des vorfrefflichen Aucoris auch ein lichtes Papier, und zu dem fchönen Inhalt des Buches reine Buchftaben zu verfchaffen: Allein die vornehmfte Schönheit berubef in dem Bilde einer unvergleichlichen Köni- Hin, Deren Angeficht ift wie eines Engels Angeficht, weil das Englifche Wefen auch) in der Auflerlichen Mine und Geftalt ausbre- hen will.

So iſt auch E. Majeſtaͤt holder Rame denen Unterthanen im Lande, und den Voͤl⸗ ckern auſſer dem Lande gar zu angenehm. Wenn Fremde Dero hohen Ramen nennen, ſo haben ſie einen Begriff von einer Koͤnigin, deren Tugend- Ruhm durch gang

Europa fidy ausgebreitet hat, und fie denden, an eine Kürftin, die fich mit ihrer Trefflichkeit über allen Preiß geſchwungen hat. Wennaber

die getreuen Unterthanen dieſen Namen ausfprechen, oder auch Denſelben nur nen: nen hören, fo ift ihnen dag eine£ofung, welche ‚macht, daß alle Hergen vor Veneration und Liebe zerſchmeltzen. Ja die Hergen, welche

mit

mit dem Himmel verbunden find, hören einen Namen, vondem fie wiſſen, daß er im Himmel angefchrieben ift, und es wird vielleicht ohne‘ Bewegung nicht abgehen, wenn einem Buche, das die Kinder GOttes allezeit geliebet haben, fo ein auserfvehlter Name gleich an der Stirne gefchrieben ſtehet.

E. Koͤnigl. Majeftät erlauben dannen- hero allergnädigft, daß Dero Bild und Namen , dem groſſen GOtt zu Ehren, den getreueſten Unterthanen zu Liebe, den From⸗ men zur Erbauung, denen Unbekehrten zur Beſſerung, diefem werthen und beliebten Bu⸗ che eine neue Zierde geben darff.

Das wahre Ehriftenthum wird von allen erfodert, und die Richtſchnur ift fo vollkom⸗ men, daß mir auffer derfelben meiter nichts verlangen dürffen. Allein die menfchliche Schwachheit verlanget offt etwas, fo Die aͤuß ferlichen Sinne zugleich vergnügen Fan, und fie wuͤnſchet eine augenfcheinliche Probe, wodurch das Gemuͤthe foll gewonnen werden. Wo der

urpur den Thron bedecket, da wird die aröfte

lugheit gefucyet; mo die Majeſtaͤt aus dem Gefichte ftrabiet, da wollen die Menfchen aud) einen Verſtand von tieffern Einfehen ange: troffen haben; und mas der Königliche Hu! su

su thun gewohnet ift, das wird gemeiniglich von dem Volcke nachgethan. Dmas vor ein hoher Gottesdienft Fan in Königlichen Pallaͤ⸗ fien verrichtet werden! menn dag gegebene ' Erempel nicht ſowol in einer elenden Eitelkeit, als vielmehr in der edlen Sottfeligfeitbeftehet. Nun die Göttliche Fürfehung bat das werthe Sachſen⸗Land fo glückielig gemachet, daß e8 ſich einer Königin rühmen fan, welche nicht nur an irdifcher Herrlichkeit einen Uberfluß hat, ſondern auch das unfchägbare Kleinod der ‚rechten Klugheit befiget, und aller Welt ein vollfommenes Ebenbild der wahren Got: fesfurcht zu erkennen giebet. Wer unfere allerdurchlauchtigſte Königin ſiehet, der ſiehet lauter Ehre GOttes und lauter wah— res Chriſtenthum. Ihr Glaube uͤberwindet die Welt, und machet Sie zu einer Königin des Himmels. Ihre Liebe und Leutſeligkeit be— muͤhet ſich demſelben aͤhnlich zu ſeyn, der die Liebe ſelber iſt. Ihre Hoffnung ift ſeliger, als alle Gluͤckſeligkeit auf Erden, groͤſſer, als alles Creutz, womit auch die Geſalbten des HErrn nicht verfchonet werden. Ihr inbrünftiges Gebet ift eine unübermindliche Seftung. Ihre unübermindliche Gottesfurcht unfer König: ſtein. Und wenn Sie das Land der Göttli- chen Gnade befichlet, fo Eönnen Ihre Seuffzer mehr

mehr ausrichten, als die formidableften Armeen. Sie betrachtet fi) als cine Maje⸗ ftät, und doch) als eine Linterthanin, welche die Majeſtaͤt im Himmel anzubeten verbun- den iſt; Sie ermeifet fich als eine groſſe Köni- gin, und zugleich als eine liebreiche Mutter im Bande, Großmaͤchtigſte Königin, alfo wird von E. Majeſtaͤt der Göttliche Name ger ehret, das Volck geliebet, und alle werden zur ſchoͤnſten Rachfolge angelocket. Je höher, als E. Majeſtaͤt von GOtt gefeget find, ie mehr muß das Göttliche Leben, das Sie führen, in die Augen fallen, gleichwie eine Stadt,die auf einen hohen Berg gebauet ift. Alſo leuchtet Dero Licht vor den Leuten, daß fie die guten Wercke fehen, und den Vater im Himmel preis fen. Da fehen die Unterthanen, daß nichts ‚in der. Welt das höchfte Gut ift, wenn die Königin ſelbſt was hoͤhers verlanget, die doch in der Welt den hoͤchſten Grad der zeitli⸗ chen Gluͤckſeligkeit erreichet hat. Und wie viel tauſend fromme Seelen werden durch dieſes Koͤnigliche Beyſpiel ermuntert, auf dem Him⸗ mels⸗Wege beſtaͤndig fortzugehen, weil ihnen auf demſelben ihre Koͤnigin vorgehet. Hin⸗ gegen werden diejenigen beſchaͤmet, welche das * Chri⸗

Chriſtenihum nur dem geringen Poͤbel⸗Volck überlaffen wollen, da doc) die Hohen in.der Melt nirgendsmwo, als nur in Ehrifto die wah⸗ re Ruhe vor ihre Seele findenfönnen. Ja,ſo muͤſſen die Welt-gefinnten Leute mit Schan⸗ den beftehen, welche ſich aliegeit mit der Lin: moͤglichkeit entſchuldigen, wenn fieden grofien GoOtt von ganzem Hergen und von gantzer Seelelieben follen. Unſere Großmaͤchtigſte Königin machet fiezufchanden, unſere Ko- Nigin,dieeine Fuͤrſtin nach dem Hergen GOt⸗ tes iſt. Was ein hocherleuchteter Theologus mit grofem Nachdruck vom wahren Ehriften- thum allbie gefchrieben bat, da8 wird von einer allerdurchlauchtigſten Koͤnigin im ſchoͤn⸗ ſten Grade der Vollkommenheit ausgeuͤbet. Das Bild und der Name des Verfaſſers er: oͤffnet uns den Namen und den Inhalt des Buches. Das Bild aber und der Name E.Koͤnigl. Majeſtaͤt, führer ung gleichſam in das innerſte Heiligthum deſſelben. Wir ſte⸗ hen bey uns an, ob die Schrifft des Mannes GOttes, oder das Leben einer jo himmliſch⸗

geſinneten Königin am meiften zur Buſſe bewegen Fan; ob die fchönfte Glaubens und Tugend Lehre von der Eangel oder von dem Königlichen Thron gegeben wird, ö

d

So viel ift gewiß, daß dieſes Bud) eine Königliche Prorektion ſich verfpricht, ja eine Königliche Protection wider den eiffrigen Mißverſtand, der bey unterfchiedenen Ne: dens- Arten bat entftehen wollen, damit ein allzu hartes Verfahren in Sanfftmuth und Gelindigfeit möchte verwandelt, und die gute Meynung nicht allenthalben nach den Wor⸗ en, jondern die Worte nach einer gufen Miey- nung möchten ausgeleget werden.

Und in diefen allergnädigften Schuß perlanget auch der allerunterrbänigfte Verle⸗

ger Die RE Buchs genommen zu werden, er bit⸗ tet um E. Majeftät Königliche Huld und Gnade in demuthigfter Submiffion, und wuͤn⸗ ſchet, Daß der HErr, der arofle Beichüger aller Königeihen Häupter, E, Majeſtaͤt Schi und fehr groffer Lohn ſeyn möge. Der HErr er⸗ höre Dero geheitigte Perfon, wenn Sie Dero eigene und des Eandes Wohlfahrt dem Himmel vortragen, daß Guͤte und Treue einan« der begegnen, Gerechtigkeit und Friede ſich kuͤſ⸗

fen. Er ſetze E. Koͤnigl. Majeſtaͤt zum Se- gen ewiglich und erfreue Sie mitFreuden feines

Antlitzes. Das Gluͤck Dero hohen Hauſes

muͤſſe ſeyn, wie die Sonne aufgehet in ihrer

Macht,

. Macht, und die Zufriedenheit ihrer Seelen, |

fie der Thau aus der Morgenröthe. |

Gott, der einem Könige langes Leben giebt, | der gebe es auch unferer allergnädigiten

Königin, zum Troft der Unterthanen, zur Freude der Frommen. Ja ergebe Ihr langes geben a Dergnügen vieler Hertzen, welche niemals glüclicher leben Eönnen, als wenn fie unter einer ſo gottſeligen Königin fterben füllen. Und in diefer Zahl wird mit unver wandter Treue und kieffiter Devorion Lebens lang verharren |

Fllerdurchlauchtigſte, Groß—⸗

maͤchtigſte Königin und Chur—

Fuͤrſtin, Fllergnaͤdigſte Grau, E. Koͤnigl. Majeſtaͤt

allerunterthaͤnigſt⸗gehorſamſter Knecht,

Dir Derleger,

BE) ol ER

Erklaͤrung des Haupt⸗ und Titel⸗Kupffers. |

er ift aufder erſten Geiter, zu fehen das Bildniß des fel. Arnds. 2. Wird über praͤſentiret die ewige Himmels⸗ Freude, welche in dem ſel. er ng gobe desdreyeinigen GOttes beftchet, und von den heil. Engeln, ſamt allen andern iligen und Gläubigen, feliglich genoffeu wird. 3. Auf der rechten Geite wird abge: bildet, wie glaͤubige Chriſten durch ein rechtfchaffenes aläubiges Ehriktenthununter vielem Creutz den Himmels⸗Berg hinan Elettern und ſteigen 4. Aufder lincken Sei⸗ ten aber wird vorgeſtellet, wie der Teufel und ſeine Engel von dem Ertz⸗ Engel Nichael aus dem Himmel geſtoſſen und verworffen werden, Offenb. Joh. 12. v. 8.9. Und wie die Teufel die Gottloſen mit ſich in den Abgrund der ale ſtuͤrzen 5. Wird unten deutlich gezeiget die Belohnung ſowol der gläubigen Ehriften, als auch der Heuchler und Unchriften, denn diejenigen,welche ein rechtfchaffenesChriftenthum im&lauben geführet, werden zur Rechten von einem Engel mit derCrone des Lebens oder derße- sehtigkeit gecrönet,und indenDimmel eingeführet ; Dielnchrüten aber und Heuch- jer welche ein fleifchliches wollufiges Leben in dieſer Welt geführet,dergleichen find ° Hurer, Ungüchtige, Säuffer, Spieler, Zäneker, Geitzige 2e. die werden von dem Teuz Imit dem feurigen Schwefel⸗Krantz gerronet, und dem ewigen Feuer zugeführet = Auf derandern Seite ift zu finden die Gefihicht, welche im 1.3. Sam, 17. be: ſchrieben wird, wie nemlich der Eleine David mit dem groſſen Niefen Goliath ae- fteitten, und ihr mit einer Schleuder überwunden und getodtet. Damit wird ab: gebildet, daß das falſche Chriſtent hum in der Weit nur auſſerlich znsar ein groffeg Anfehen hat, nicht anders als ein groffer Niefe, dennoch aber von dem wahren Ehriftenthum, fo in und vor der Welt klein und verächtlich iſt, nie ein Kleiner Knabe, mit der Schleuder der Soͤttlichen Wahrheit, des Glaubens und der Liehe überwunden und über den Hauffen geſchmiſſen wird.

1. Corinth. T. v. 20.

- Wo find Die Alugen? Wo find Die Schrifftgelehreen? Wo find die Weltweifen? Ast nicht GOtt Die Weisheit diefer Welt zur Thorheit gemacht?

| 1. Corinth. 10. v. 4. 5.

Die Waffen unferer Ritterſchafft find nicht fletfehlich, fondern ——— nn gen. Damit wir verſtoͤren Die Anfchläge und alle Aöhe, die ſich erhebet wider des Erkaͤnntniß GOttes. Sm taljebe

His Volck an Hertz und Ohren unbefchnitten Sitzt mitten in der Chriſtenheit, Und lieget wider Ffrael, Dem fein GOtt feine Sitten Und Rechte Sonnenchell Ins Herge ſchrieb, zu Felde iederzeit. Das falſche Chriſtenthum, drauf dieſer Hauffe ſich a Gantz troßiglich Verläft und fieurt, gleich einem Riefen, Wird mit Verwunderung von iedermann Angefehn und hoch geprieſen, Und was e8 thut, ift wohl gethan. Es Breiter fich, führe Schwerdt und Spieß, und tritt bereit Mir Centner⸗ſchweren Schrirten 4

Pr

Und

E)ol

Und uͤbermachtem Pracht und Schein, Es haucher Blut und Brand; Und wenn die mörderifche Hand Nicht zureicht, würgt es mit der Zungen, Und ſchaͤumet Spott und Hohn, und bittre Lälterungen, Hingegen hat das wahre Chriftenehum Gar fchlechted Anfehn, fhlechten Ruhm Bey der verfehrten Welt, Dienur auf das, was hoch und praͤchtig hält, Es ift in fein und fremden Augen Plein, Gleich einem zarten Anaben, Zu Schwerdt und Harnifch ungefchickt, Eutbloͤſt von äufferlichen Gaben, Bon Freund und Feind verachtet und gedruͤckt Es kaͤmpfft auch nicht aus eigenen Gerriche, - Beſondern durch des Geiftes Kraft; Daß ſchlechte Wort, und Glaub und Liebe, Das find die Waffen feiner Nitterichafft. Darum, obgleich dag übertüncte Weſen Zu diefer Gnadenzleeren Zeit Das Haupt empor trägt, fchnarcht und pocht, Und der geringen Schaar, die GOtt von Ewigkeit Zu feinem Erbtheil auserlefen, Beſchaͤmung und Verderben fucht: So mag es ihm doch nicht gelingen. Die Wahrheit muß beftchn, Ohn allen Fleiſches⸗ Arm den Sieg erringen, Gekrönet von dem KampffsPlag gehn. O fichre Welt, wenn wilt du diß erkennen Und legen den verdammten Srrfal ab? Du ſieheſt ja dag Licht der Gnaden brennen: Wie lange foll dag faule Suͤnden⸗Grab Dir Leben und Gefühl entwenden ? Wie lange dich die Finfterniß verblenden ? Steh auf! die Fackel träger Dir Der theure Arndt aus GOttes Worte für, Der theure Arndt, der auch die fcharff geftälten Pfeil Des Lafterers genug empfinden, Und dennoch ainverletzt in Chriſto, feinem Heil, Durch eben diefe Schmach und Leiden überivunden. Dem folge nach, fo wirft auch du - Den Weg zur wahren Ruh Und Seligkeit, von EOtt geleitet, finden, Und endlich fiegreich überwinden.

a )ol Chriſt⸗

SITZ ITGEERN I LUZZOR Y)))

1Asder meifte Hauffe der heutigen Chri⸗ ſtenheit, die aus GOttes Worte weiß, daß nach dem Tode,öchlen Stunde un- gewiß it, a) ein Bericht vorhanden, | vor weiches fie werde geftellet werden, | und empfaben b) nachdem fie ge- handelt habe bey Keibes 2 eben, es fey gut oder böfe; doch wandelrwie die HGeyden c) vormalenge- wandelt in der Eitelkeit ihres Sinnesbey verfin- ſtertem Verſtande entfremdet von dem Leben, Das aus GOtt iſt/ in Unwiſſenheit und Blind⸗ beit des Hertzens iſt ruchlos, ergiebet fich Der Unzucht, treibet allerley Unreinigkeit ſamt dem Bag; anderer Gerechtigkeit d) aber nicht beſſer iſt als der Schrifftgelehrten und Pharifäer, welche wie die uͤbertůnchte e) Graͤber auswendig huͤbſch fheinen, aber inwendig voller dencheley und Untugend find; deffen ift nicht eine geringe Mit- Urſach daß fie Chriſtum ſo gelernet, f)als in dem Fein rechtfchaffen Weſen iſt, der ihnen wird dag Himmelreich geben, wenn fienur Herr HErr Dfa- gen ob fie gleich nicht thun den Willen des Vaters im Himmel. Die Heil. Schrifft, das ungezweifelte az | ort a) Hebr. 9,27. b) 2.Cor.5, ro. c) Eph. 4,17.18.19. d) Matth. 5,20,

e) Matıh.23,27.28. { ) Epb. 4, 20, 2. g) Masıh. 7, 28.

Vorrede.

Wort GOttes, Ichret uns EHriftum fo, daßer ger | macht babe die Reinigung 3) unferer Sünden |

durch ſich ſelbſt und eineewige b) Erloͤſung er⸗ funden durch welche c) wir gerecht werden ohn unſer Verdienſt, und ohne die Wercke des Geſetzes; ſintemal GOtt den. d) der von keiner Sůnde wu⸗ Re, für uns zur Suͤnde gemacht, auf Daß wir wuͤrden in Ihm dießerechtigkeit, dievor@®trt gilt. Sie giebt aber durch dieſe heilige und troſtliche LTehre dem Fleiſche ©) nicht Raum, nach eigenem Willen zuleben, ſondern Paulus, der eiferige Glau⸗

bens⸗Lehrer / lehret uns EHriftumfo,daßunferalter

Menſch ) ſamt ihme gecreugigerfey,aufdaßder ak eh anfböre, daß 53133 Sun⸗ den nicht dienen. Er lehret ung, fo iemand in Coriſto ift, o) ſo ſey er eine neue Creatur, (der h) nicht mehr nach dem Fleiſch, ſondern in CHriſto neu leben folle) der nernenert ı) wird zu der Erkaͤnnt⸗ niß / nach dem Ebenbilde deflen der ihn geſchaf⸗ fen bat 9 in CHriſto IEſu zu guten Wercken,

daß er darinn wandeln ſolle und hinfort nicht ih⸗

me ſelbſt leben, fondern Demme, |) der für ihn ge⸗ ſtorben und auferſtanden iſt. Er lehret uns CHri⸗ ſtum ſo, der ſich m) ſelbſt fuͤrunſere Suͤnde dahin gegeben, daß er uns errette von dieſer gegen⸗ wärtigenargen!Delt,dag iſt von Augen⸗ Luſt, Fleiſches⸗Luſt und hoffaͤrtigem Leben; und werden wirtheitbafftig dieſer Erloſung, oder geſchicht (mie Lutherus 0) uͤber Dielen Tert ſchreibet) die Erlo⸗

fung, wenn die Seele flirbet und geereutziget wird der

Welt, a) Hebr. q. b) Hebr. % 12) c) Rom. 3, 24. d) 2.Cor. 5; 21. e) Gal.5,13. f) Rom.6, 6. g) 2. Cor.5, ı7. h) Zub: T. 3. Ali.p 827. i) Col. 3,10. k)Eph. 2, 10. 1)2.Cer,5, 15.

m) Gal, 1,4. n)ı. Job.2,16. 0) T.r. Alt. p. 156. 137.

%

Vorrede. -

Melt das ift, denen boͤſen Wolluͤſten und Begierden, die denn ſeyn imFleiſche aller Menſchen. So dich denn nun CHriſtus erloͤſet von der argen Welt, ſo hat er dich von dir ſelbſt erloſet, als von deinem allerargſten Feinde, (Denn die CAriftum angehören, a) die creutzigen ihr Sleifch famt den Lüften und Be⸗ - gierden, verleugnen b)fich ſelbſt und folgen ihme nah.) Erichrer unse Hritum fd, der fich ſelbſt füruns gegeben auf daß er ung erlöfete c) von aller Ungerechtigkeit, und reinigte ihm felbee ein Dold zum Kigenthum, das fleißig wäre zu guten Werden. d) Denn die Stınde thut zwern Schaden: den erflen, daß fie ung gefangen nimmet, daß wir nichts Gutes thım, noch erken⸗ nen, noch wollen, nod mögen, beraubet uns alfo der Freyheit des Lichts und Der Krafft. Dar- aus folgst fo bald der andere, dag wir, pom Gu⸗ ten alſo verlaſſen, nichts denn eitel Sünde und Unreinesmüffen würden, und den hoͤlliſchen Pha⸗ rao fein Land zu Egypten bauen, mit faurer ſchwe⸗ rer Arbeit, Wenn nun EHrifus kommet durch den Glauben, fo erlöfer er ung von den Gefüng- niß Eghpti, machet uns frey, giebt Arafft Gu⸗ tee zu thun; das iſt der erſte Gewinn. Darnach iſt die ganse Ubung unſers Lebens, dag wir die Un⸗ gerechtigkeit des gnadloſen weltlichen Weſens ausfe- a Leib und Seel daß diß gantze Leben big in den od ſey nichts anders denn eine Reinigung. Denn der Glaube, ob er uns wol erloͤſet auf einmalvon aller Schuld des Geſetzes, und machet uns frey; ſo bleiben dennoch irbrig boſe Neigungen im Leib und Seele, gleichwie der Stanck md Kranckheit vom Gefaͤ nr | 0 niß; 2)Gal.5,24. b) Matth.6, 24. ©) Vit. 2,14. d) Lach. Kirchen: Poſtill. pag: zu. |

Vorrede.

RER UNO nr niß; damit arbeitet fid) der Glaube , alles gang zu reinigen, gleichwie im Evangelio ob, 1. v. 43. 44. azarus ward miteiner Stimme vom Tode erwe⸗ efet, aber das Todten⸗Tuch und Bindel muſte man darnach auch abthun. Lind der halb todte Menſch/ den der Samaxitan verband und heimbrachte, muſte im Stall eine Weile liegen und gang geſund werden. Erschretunse Hriftum fo, o der die Gerechtigkeit vom Geſetz erfordert inungerfüller, das ift, deſſen Gerechtigkeit b) uns zugerechnet wird, daß wir Dadurch fo gerecht werden für GOtt, als haͤtten wir alles, was das Sefegerfodert, vollkommlich geleifter ; aber zeiger auch darneben, daß ſich dieſes Troſtes nur anzumaffen haben, die nun nicht nach dem Fleiſch wandeln fondernnach dem Geiſt / das ift, dieſeni⸗ gen, die zwar noch Steifh und Blur an fic fragen, und deffen Neigungen fühlen, aber nicht geborfam find dee Sünden in ihren Lüften, H nadıdeni fie abgewafchen:. d) gebeiliget und gerecht wor- Den Durch den Llamıen des HErrn JEſu und durch Den Geiſt ıbres GOttes. Sumima, die gantze Heil. Schrifft weiß nichts von ſolchem EHrifto, der unter dem Purpur- Mantel feines Verdienſts unbußfertige Sünder bidecke, und ung Freyheit gebe, nach eigenem Willen zu leben: Sie lehret aber EHriftum einhellig fo, Der dazu erſchienen daß er e) die Wercke des Teufels in uns zerſtoͤre, deſſen Blue) unfere Gewiſſen reinige von den todten Werden, zu Dienen dem lebendigen GOtt, welchen wer da bat, der babe 2) das Le⸗ ben und bleibe nicht mehr todt h) durch Ubertre⸗ sung u. Suůůnde ſondern werde ſamt ihm ig

a) Rom. $, 4. b) Rom. 4,6. €) Rom.6, 12, ) 1.Gor. 6,11. e)r.Job.

318. f) Hebr. 9,14. g)r. Joh.5,ı2. h) Epb.2,1.5.6.

| Vorrede.

dig gemacht , und ſamt ihm auferwecket von den Todtena) im neuen Leben zu wandeln in Ari ſio IEſu. Wenn denn der groſſeſte Hauffe derer, die ſich Chriſten nennen, dienet der Suͤnden, nicht begehret erneuert zu werden im Geiſt b) des Ge⸗ muthes/ und den neuen Menſchen anzuziehen, der nach GOtt geſchaffen ift in rechtſchaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, fondern bleibet bey dem vorigen Wandel nach dem alten Menſchen/ der durch Luͤſte in Irrthumſich verderbet iſt c) fleiſchlich gefinner,<) lieber die Welt/ und laͤſſet in inn herrſchen Augen⸗ Luſt/ Fleiſches⸗Luſt und hoffaͤrtiges Leben, ©) wandelt in allen Stuͤcken nad) dem X auff dieſer Welt, obgleich nicht in allen groben Laftern, doch in einem fleiſchlichen Sinn und entfremdet vondem Leben/ das aus GOtt iſt; dabey aber ſich ohne Buſſe, die aus ihren rechtſchaffe⸗ nen Fruͤchten f)erkanne wird, der Bergebung der Suͤnden Gnade GOttes und deg ewigen Lebens ge⸗ troͤſtet, weil CHriſtus geſtorben iſt, und fie diß Wort des Evangelii hoͤren, auch der Sacramenten ſich be⸗ dienen: So kan es ja nicht anders ſeyn, die meiſten in der Chriſtenheit machen ihnen einen falſchen, hal⸗ ben, getheilten CHriſtum, welches auch eine falſche Seligkeit ſetzen wird, wo ſie nicht in der Gnaden⸗Zeit

nüchtern werden aus ſolchem Stricke des Satans, Aus diefem falfhen Grunde entſtehet denn fer- ner, daß man die Lehrevon der Nachfolge CHri⸗ ſti, und erneuert g) zu werden nach deffen Hilde, wie auch die Lehre, daß der h) innerliche Menſch von Tagezu Tage muß erneuert werden, theils als uͤbernuͤßig und unnoͤthig / theils ——

* thei a) Rom. 6,24.b) Eph. 4, 22. j. 24. c) Rom. 8,7. d)1. Job.2,15.

e) Epb. 2. 1. f) Matth. 3,8. g) Col. 3,10. h) 2. Cor. 4,16.

Vorrede.

TE RE ET Du Fl theils als irrig ausſchreyet; da doch, was die Noth⸗ wendigkeit betrifft, unſer Heyland ausdruͤcklich ausſaget, es konnea)nicht fein Jünger ſeyn der ibm nicht nachfolget und Petrus es habeCHriſtus der HErr uns ein Fuͤrbild gelaſſen daß wir ſollen b) nachfolgen nen Fußſtapffen. EHrili Bild muß inunsanfangen aufgerichtet zu werden, c) und muͤſſen wir verElsret werden in daſſelbe Bilde wo wir Kinder GOttes ſeyn und bleiben wollen, Davon d) Lutherus fein fihreiber uber die Wortes _e) Wie wir getragen haben Das Bild des er fo werden wit auchtragendas Bild des Himmli- fchen: Das himmliſche Bid iſt EHriftus, der war ein Menſch voll Liebe, Barmhertzigkeit und Gnade, Demuch, Gedult, Weisheit, Licht und alles Gutes, alſo, daß all fein Weſen dahin gerichtet war, daß er iederman dienete und niemand ſchaͤdlich wäre. DE Bilde müffen wir aud tragen, und ihme gleich⸗ foͤrmig werden. In das Bilde gehoͤret auch, wieer geſtorben iſt und re hat, und alles, was an ihme iſt, ſeine Auferſtehung, Reben, Gnade, Tugend, iſt al⸗ les dahin gerichtet, daß wir daſſelbe Bild auch anzie⸗ hen. Der Art ſind nun alle himmliſche Menſchen, das iſt, alle Glaͤubigen. Was aber die Moͤglichkeit anlanget, koͤmmt dieſelbe nicht von ung. fondern von CHriſto/welcher geprediget wird ) Goͤttl Area, Dderdie Glaͤubigen maͤchtig machet / daß ſie in me alles vermoͤgen, welcher auf glaͤubiges Anhal⸗ ten Krafft giebet d) ſtarck zu werden durch feinen Geiſt an dem inwendigen Menſchen: Welches dennoch nicht die Meynung hat, als ob wir ChHriſto nachfolgen ſolten in Wunder thun; i) denn, wi te a) Zue.14,27.b) 1. Per.2, 21.c) 2.Cor.3,18:.d)T.4.Alt:p.13. ©) 1.Cor, 4349. f)1.Cor. 1,24. g) Phil. 4,13. h) Epb.3, 16. i) Job. 5, 36.

Porrede,

diefelben folten zengemdaB ihn der Dater geſandt babe, werden ſie von uns nicht erheiſchet, gleichwie wir aud in folder Bollfommenheit ihme, der mit dem a) Bel der Freuden gefalbet if, mehr denn ſeme Geſellen nicht konnen nadhfolgen, wie er vorge⸗ angen iſt, ob wol zwiſchen ihme und uns eine Aehn⸗ lichkeit ſeyn muß,und ſolte ſie auch nur ſeyn, wie unter er Sonnen, und einem angezuͤndeten Strohhalm, welche uͤbereinkommen daß fie beyde Licht und Waͤr⸗ 18, iedes nach feiner Maaß, geben. Denen Gottes⸗ J—— die die Lehre des Geiſtes vom inn⸗ wendigen Menſchen wenn dieſelbe in dem Verſtande der H. Schrifft getrieben wird, daß nemlich der nicht einEhriftfey,b)der auswendig ein Chriſt ift, und die Handlungen mit begeber,diewahre Chriſten nach GOttes Wort auch thin, fondern der ſey ein Chriſt, der innwendig verborgen if, CHriſtum und dag Reich GOttes/ Gerechtigkeit, Friede und Freude in dem %. Beift, d) inwendig in ihme e) wohnend und herrfihend habe, ꝛc. Tältern, Dem Fr Geift feine Nedens- Arten reformiren, dariiber oͤtteln, und wohlgar mit Paulo zuͤrnen, daß er des innwendigen Menſchen etliche mahl gedencket, denen ſolte billig der Hencker antworten, und die verfluchte Laͤſter⸗Zunge zuͤchtigen. Wahre Kinder EOttes wiſſen aus der Lehre ihres Herrn, ) daß der nicht rein ſey, Der auswendig rein iſt und daß Die Erneuerung / die der Heil. Geiſt in denen Glaubi- n wuͤrcket, nicht fen LIbertünchung eines Todten⸗ -abes, da der im Hersen verborgene Suͤnden— uff unter einem feinen Schein bedecket werde, ſondern daß fie geſchehe DO im Geiſt unfers Ge⸗ . 6 muͤthes, a) Pfi 45, 8..b) Rom. 2, 28.29. c) Rom. 14, 17. d) Eph. 3, i7. e) Luc, 17, 21, f) Luc. 11, 40. g) Eph. 4 233.

Vorrede.

můthes, und Daß der alte Menſch nicht mit einer feinen ſaubern Larve gezieret, fondern a)abgeleget, gecreutziget/ getödtet, begraben werden muͤſſe; daß der Heil, Geiſt die Hergen zu vor reinige durch den Glauben, b) welder iſt dee Sieg der die Melt überwindet, hernach fortfahre in der c) Gei⸗ ligung und heilige die Gläubigen d) durch und dũrch daß ihr Beift ganız ſamt der Seele und Leib behalten werden unjträfflich auf Die Zu- kunfft unſers HErrn IEſu Coriſti.

Aus obgedachtem Grunde, daß man lernet einen CHriſtum, in dem fein rechtſchaffen Weſen iſt, ent⸗ ſpringet ferner, daß man die Lehre von der Gottſelig⸗ keit achtet zu ſeyn eine ldeam eines Dinges, das nicht practicabel; wie menſchliche Gemuͤther viele Sachen fpeculiren, die nie zum Efſect kommen, oder kommen koͤnnen; Alſo ſey auch e)die Lehre vonder Gott⸗ ſeligkeit eine Idea und Speculation zwar wohlmey⸗ nender Gemuͤther, die aber dabey ſo ſchwachen Ver⸗ ſtandes ſind, daß ſie nicht erkennen, weil wir doch mit einem Heil. Leben die Seligkeit nicht verdienen kon⸗ nen, Chriſtus auch das Geſetze fuͤr ung erfuͤllet, da⸗ zu die Ubung der Gottſeligkeit, wie ſelbige der Heil. Geiſt erheiſchet, unmöglich ſey ſo muͤſſe man die Men- ſchen nicht berruben mit Auflegung einer unnoͤthi⸗ gen,uberflüßigen unmöglicen Bürde, ſondern ſo zu⸗ frieden feyn, wenn ſie aufs hoͤchſte nad) Arikorelis Ethica leben, und dabey die Hiftoriam von CHriſto wiffen, auch in dem Wahn ſtehen, es habe nun ferner feine Noth mit ihnen, Diß iſt die feine Erfindun etlicher, die hierdurch den alten Adam in ihnen ſelb und andern bey Leben und Krafft erhalten, von jpg |

| er, |

a) Rom. 6, 4. 6..b) Apoft. Geſch. 15.0.5. Du. Pas.u4 |

d) 2. The]: x. V. 23. ©) 1. Tim. 6, 9.7. >

Porrede,

her, weil fie den Grunddes gangen Ehriftenthums übern Hauffen wirfft, wir billig fagen, daß fir aus einem im Grunde Atheiſtiſchen und teuffeliſchen Her⸗ gen herkomme. Diefelbigenunabzufertiaen, willic) nicht wiederholen, was kurtz ae von Nothwen⸗ digkeit der Nachrolge E-Hrifli, welches auch auf die- kn Punet zu applieiren iſt, gehandelt worden, fon- dern nur beweiſen, daß die Lehre von einem aus dem wahrenlebendigen Glauben flieffenden heiligen e- ben nicht eine bloffe Idea oder muͤßige unnuͤtze Specu- lationfey. Denn l. ſind die Principia oder Grund⸗ Leh⸗ ren, auf welche ein heilig Leben gegruͤndet iſt, nicht ſpeculativa, ſondern practica principia, das ift, ſolche ruͤnde, die nicht alleine im Gehirne zu betrachten, nderndieinder That befindlich find. Diefe Principia find: 1.Daß ein GOttſey, Jund denen, die ihn ſu⸗ den, ein Bergelter ſeyn werde. 2. Daß er feyein b) geiftliches, reines, heiliges Wefen, c) dem Eein gottlos Weſen gefalle, und erfordere, d) wir füllen heilig ſeyn, wie er heilig iſt; ©) maſſen ohne Heiligung ihn nie⸗ mand ſehen wird.zʒ. Daß Sunde ſey; Der Menſch durch dieſelbe aus Betrug des Teuffels und ſeines ei⸗ genen böfen Willen verderbet; auch die Stunde dag geöffefte bel, und alles Straff⸗Ubels Urſach ſey. Daß eine Erloͤſung fen aus denen Sünden, ge- eben £) Durch den Tod des eingebohrnen Sohnes Ottes, und felbige Erloͤſung nicht fruchtlos fin. 5. Daß ein Blaube fen, Krafft deffen die Glaͤubigen dieferErlöfung wuͤrcklich theilhafftig werden, 6. Zaß eine Einwohnung / Regierung /Heiligung Er⸗ neuerung Des Heil. Weifier fey, welche den a. 2 en

2) Hebr. 1.0.6. b) Joh.4.9.24. c) Pf.5s.v.5. d) 3.9. Mof 11.0,45, €) Hebr. 12.0.14. f) Efa. 53. ».1, 12.

Vorrede,

fen wahrhaftig andere und beſſert. 7. Daß ein Funfftiges Bericht, und darauf folgendes 3.ewi- geo Leben oder ewige Verdammuiß fin. Wer iefe und dergleichen Dinge für bloffe Speculationes und Meynungen halt, der ift ein offenbarer Atheiſt; Sind fie aber inder That alfo, fo Fan die Lehre vom heiligen Leben nicht als eine bloſſe gute Meynung angeſehen und verachtet werden. Denn iſt em GOtt und derſelbe ein geiftlich und heilig Weſen/ fo muß ihm im Beiftundin der Wahrheit, nicht mit dem Leibe allein, fondern auch mit dem Geiſte gedie⸗ net und geprieſen ſeyn. Iſt Suͤnde, und iſt dieſelbe das groͤſte Ubel, wie wahre Bußfertige MR gnug em⸗ pfinden, fo ſoll ja die natuͤrliche Eigenliebe in uns er⸗ wecken eine ernſtliche und hertzliche Furcht, und Be⸗ gierde, von dem groͤſſeſten Ubel los zu werden. Iſt eine Erloͤſung/ und dieſelbe durch den Glauben unter, ſo find die Jläubigen nicht mehr Änechte der Sůn⸗ den, davon fie losgemacht ſind; maſſen es ja mit ein⸗ ander ſtreitet, erloſet; und im Gefaͤngniß und Scla⸗ verey zu ſeyn; Denn b) die der Sohn frey machet/ die ſind recht frey. Iſt eine Erneuerung, Begie⸗ rung des 9. Beiftes, fo muͤſſen ja etliche Menſchen in der That im Geiſt ihres Gemuͤths erneuert und ſo⸗ thane Erneuerung nicht eine Wuͤrckung Fleiſches und Blutes, ſondern des 9. Geiſtes ſeyn; ſo muß ja der Geiſt GOttes etliche (nemlich die Knder GOttes treiben: Denn ſonſten ware keine Erneuerung, feine Heiligung, deren doch die Schrifft ſo offt gedencket. Daß auch das juͤngſte Gericht und die darauf fol⸗ gende Verdammniß etwas thaͤtliches, und nicht bloſſe Meynung oder Speculation ſey, Werden die

Berächter zu feiner Zeit mit Angſt ccſahten P ‚Ein

a) Rom. 6». 2. 14. b) Jeb. 8. ». 34. 38.

Vorrede.

Ein Ding daß in bloſſer Speculation beſtehet, kan nicht zu Wercke gerichtet werden; die Lehre aber von der Gottſeligkeit wird deßwegen gelehret, daß, die da worden find, im Stande guter Wer⸗ de erfunden werden, ») damit fie nicht un⸗ fruchtbar find. Darum kan dieſelbe in die Ubung gebracht werden. Welches fo viel weniger zulaugnen ift, als offenbar find die herrlichen Yalffs-AMfıtrel, die hierinnen unferer Schwachheit auf heiffen. Wel⸗ che ſind: b) Chriſtus in uns der nie zu feinemTem- pel kommt, ) er reinige ihn denn. Der, wie Lu⸗ therusredet, in unfer Ders nicht blog und arm kommt, fondern mit ſich bringet fein Xeben, Geift und alles, was er ift und vermag. Derfeine Braurberrlich machet d) inwendig.e) Der uns von GOtt ge machtiftzur Heiligung. Der Geiſt EArifti der in f) denen Gläubigen, als in feinem Tempelwob- net,und denfelben heiliget. Der himmliſche Vater ſelbſt, der @) einen ieglichen Reben in CHriſto reini- get, dag er mehr Frucht bringe, . Die hochgelobte Dreyeinigkeit, h) dieda kommt zu denen glaubigen Licbbabern IEſu, und Wohnung bey ihnen machet. Hat nun das wenige Licht der Natur, das nach dem Fall im Menſchen übrig geblieben, oder gar Ehr⸗ ſucht, die Heyden koͤnnen zu einem tugendhafften Leben bewegen, mit welchem ſie viele ſogenannte Chriſten an i) jenem Tage beſchaͤmen werden, ſo waͤre ja eine Gotteslaͤſterung und eine k) Schms-

ung des Beiftes der Bnade, zufagen: 1) EHri- us habe ſich zwar dahin gegeben, dag er feine Glaͤu⸗ 3 bigen @) Tit,3.9.8.14: .b) Col.1.v.27. c) Mal.3.v.1.2. d) Pfal. 45. | V. 14. €) 1. Cor.1.0.30. f) 1.Cor.3. v.16. 17. g) Joh. 15. v. 2. h) Job, 14.v.23. i) Matth.ı2. 9.41.42. k) Hebr.ıo.

v. 29. |) Eph.5.». 26.

Vorrede.

——, na bigen heilige, konne aber feine wahre Aeiligung in’ ihnen anfangen hie in dieſem Leben. Es ſey zwar a) des Heil. Geiſtes Amt, daß er (nicht allein auſſer⸗ lid) firefam mache, fondern) heilige, aber der Teu⸗ fel und die Suͤnde ſey ihm zu liſtig und mächtig, er Fonne in dieſem Leben nicht dazu gelangen, fein Amt zu thun und fen deswegen nicht ſein Ruhm, wic fein Nameift. Es waͤre zwar die hochgelobte Dreyeinig⸗ keit in uns, aber alles, was ſie wuͤrcke, ſey, daß wir kaum erbare Heyden werden, die etliche grobe Laſter dann und wann unterlaſſen, und einige uns ruͤhm⸗ liche oder nuͤtzliche Tugenden blicken laſſen.

‚11. Daß die Lehre von der Gottſeligkeit nicht eine bloſſe Idea oder Entwurf eines unthunliden Dinges fin, iſt auch daher klar, weilnicht zu laugnen, daß etliche Slaubigen in der That und Wahrheit der Heiligung hie in diefem Leben feyn tbeilbafftig worden. b) Paulus betäuber feinen Leibund zaͤhmet ihn, daß er nicht andern predige, und ſelbſt verwerfflich werde. Sein c) Wandel iſt im Himmel, und darum iſt ihme die d) Welt ge- creutziget. Dasift, er achtet ſich mit aller ihrer Ehr und Luſt, wie man ſonſten einen aufgehenckten Dieb achtet, e) Er dienet GOtt im Geift, und erweiſet ſich in allen Stücken als ein f) Diener EHrifti, daher er auch s) fih und feines gleichen zum Fuͤrbilde vorftel- let, deſſen Nachfolger andere ſeyn tollen, h) wie er EHrifti. Es iftaber nicht ) Paulus und die Apo⸗ ftel alleine, fondern auch die durch ihr Wort zum le⸗ bendigen Glauben an Chriſtum gebracht worden, Krafft der Vorbitte CHriſti/ geheiliget, nicht etwan dem Schein nad), ſondern) inder Wahrheit.

e

a) Rom.ı.v.4.b) 1. Cor.g, 27.c) Pbil.3, 20.d) Gal. 6,14. €) Pbil.z,3. f)2.Cor. 6,4. g) Pbil.3,r7. h)ı.Cor.ır, 1. i) Job. 17, 20.

| 1 |

J

ches, wenn es nicht fo ware, würde GOtt kein Volck haben in der Welt. Es hat aber GOtt ein Volck inder Welt, deſſen GOtt eriff, in deren Hertz er fein Geſetz giebet.») Er hat Kinder,deren Barer er if, die er felig machet Durch Das dad der Wieder⸗ geburrb, 6) und Erneuerung des 9, Geiftes. c) welchen er ausgegoflen bat über fie reichlich, oucch JEfum Cyriſtum unfeen YEren De-

zu aber, dab man fo weit kommt, als mer Phari⸗

fäer, d) der es Doch fchon weiter gebracht als andere, Fein Räuber, Ehebrecher, Ungerechter, Zoͤllner war, der inden Tempel gebet, Denen Ge- fegen der Kirchen fich unterwirfft, feinen Leib bißwei⸗ len cafteyet, denen Armen Gursrhut,i. ware nicht nörbig gemwefen, daß GOtt feinen Geift fülte aus⸗

ieffen, und zwar reichlich, Weil nun derfelbe aus⸗ gegoſſen ift, und daß er ausgegoſſen werden fünte, das Blut des ewigen Sohnes GOttes zuvor ver⸗ offen werden mufte, fo iſt diß ja ohne Zweiffelmit

darum geſchehen, e) daß er unsleiten, f) ung weiter

bringen, als alle Philofophia und natürliche Kräffte thun Fonten, und wir img) Geiſt wandeln folten, damit wir die Lüfte des Fleiſches nicht voll- brachten. 2) Wo nicht eine wahre innere Heili⸗ gung des Hergens in dieſem Leben anftenge, fo ware BHO unwahrhafftig in feinen Derbeiffungen, verſpricht den Heil. Geiſt zu geben allen, Die hn darum bitten, ſolche Leute aus denen Glaͤubigen au machen, i) die in feinen Gebothen wandeln, feine

Rechte halten und darnach thun. Kan aber die

Wahrheit ſelber etwasreden, und nicht thun? Oder 9 ba | fan 2) Jerem,31.v.33. b) Epb.g. v.ı5. c) Vit. J. v. x. d) Luc. 18 v.ı1.12. €) Joh. i0. v. 13. f) Pf.143. 9.18. g) Gal. 5. v. 16

h) Zuc. ıı. v. 13. i) Ezech. 26, v. 27.

Dorrede.

Hergen, zu der Ehre GOttes gefchehen) zeuger, a) daß ſie find entfremdet von dem Leben das aus GOtt if, obne GOtt und Hoffnung bleiben, ja dag auch die Weiſeſten unter ihnen in ihrer <) Weisheit zu Narren geworden! Sondern biß unfere Berechtigkeit befjer Br als der Schrifft- gelehrten und Pharifäer. Zuder volllommenen Heiligkeit werden wir gelangen, wenn wir in jenes Leben verſetzet, d) den Engeln gleich feyn wer; den, bey e) denen Beiftern der vollkommenen Berechten. Indeſſen geherder Weg zudem Aller: heitigften durch dag Heilige, wieder Tempel zu Jeru⸗ falem ſolches vorbildet, und muß hie anarfangen, was dorten ſoll vollkommen gemacht werden. Wahr iſts auch, daß fleißige Vorſorge muß getragen wer⸗ den, daß wir unſere Heiligkeit nicht für GOtt brin⸗ gen, ſondern den Artickel vonder Rechtfertigung, welche ohne unfer Berdienft aus Gnaden allein um EHrifti willen denen Gläubigen wicderfährer, von deme von der Erneuerung und Heiligung wohl unterfheiden. Aberder Borwand, daß der Articul von der Rechtfertigung nicht Noth leide, muB den Articulvonder Heiligung nicht aufheben, ja es muß eben fo groſſe Sorgfalt gebraucher werden, diefen als jenen unverfaͤlſcht beyzubehalten. ) Wovon Lutherus gegen die Antinomer fleißig lehrer, welche Unterweifung ihrer Würde halben anbero zu legen nicht unterlaſſen kan. So ſchreibet aber Lutherus: Der Luther ſchilt die Papiſten, ſie lehren den Chriſtlichen Glauben nicht, auch keine gute Werck: Sofeyernfieauchnicht, *— wie⸗ erum

a) Epb.4. v.ı8. b)Epb.2.v.ı2. c) Rom. ı.v.23. d) Matth.22. ».30. €) Hebr. i2. . 23. f) Luth. T. Alt.7.p. 271. 272-

Dorrede.

derum den Luther viel befftiger, er lehre den Enriftlichen Glauben nicht recht, und ver: bietegute Werde. Woran ftößtfichs denn, daß ſie nicht eins find, fo fieeinerley bekennen? Das will ic) dir fagen: Es ift ein Neltorius über den Idiomaten irr worden. DerLuther ill die guten Wercke haben, aber fie follen nicht Die herrlichen Goͤttlichen Idiomata tra⸗ gen, daß fie gnug thun für die Suͤnde, GOt⸗ tes Zorn verfühnen, und die Sünder gerecht machen; denn folche Idiomara gehören einem andern zu, der heiſt GOttes Lamm, das der Welt Suͤndetraͤgt. Ja freylich dem Blut und Sterben ENrifti ſoll man ſolche Idiomata laſſen, gute Wercke follen andere Idiomara, andere Berdienft und Lohn haben, Solches wollen die Papiften nicht, fondern geben den guten Werden, daß fie für Die Stunde genug fhun, und die Leute frommma- chen. Darum fchreyen fie, der Luther lehre nicht gute Werck, fondern verbiete fie, fie aber fehen die Folge oder Confequens nicht, Daß wo man folche gute Werde lehret, diegnugthun für die Sünde, daß eben fo viel ift als Feine gute Werck lehren. Denn ſolche gute Werck find nihil inrerum natura, nichts und nirgend, und fönnen auch nicht fenn. : Darum eben in dem, daß fie feſt und faft gute Wercke ia un

Vorrede.

und bekennen, lehren ſie gar keine gute Wercke.

Lind bald darnach: Alſo thun ietzt meine Anti⸗ nomer auch, die predigen ſehr fein, und (wie ich nicht anders dencken kan) mit rechtem Ernſt, von der Gnade CHriſti, von Verge— bung der Sünden, und mag mehr vom Arti⸗ cul der Erloͤſung zu reden iſt. Aber, diß Con- ſequens fliehen ſie wie der Teufel, daß ſie den Leuten ſagen ſolten vom dritten Articul der Heiligung, das ift, vom neuen Leben in CHriſto. Denn fie meynen, man folle die Leute nicht erfchredien noch betrüben, ſon— dern immer tröftlid) predigenvon der Gnade und Bergebungder Sündenin CHriſto, und bey Leibe ja meiden diefe oder dergleichen- Wort: Höreft du eg, du wilt ein Ehrift ſeyn, und gleichtvol ein Ehebrecher, Huren- Jäger, volle Sau, hoffartig, geitzig, Wucherer, neiz diſch, rachgierig, boshafftig bleibenzc. Son⸗ dernfofagenfie: Hoͤreſt dus, biſt du ein Ehe: brecher, ein Hurer, ein Geitzhalß oder ſonſt ein Sünder, glaͤubeſt du nur, fo biſt du felig, darffft Dich. für dem Gefeg nicht fürdyten, EHriftushatsalleserfüllet. Lieber fage mir, heiſt das nicht Antecedens concedirt,und Con-

' fequens negirf? Ja esheifteben in demſelben

CHriſtum wegnehmen und zunichte SEEN UT TESEEN 911 4 UOUOEELIEEND

....Vörrede, | machen, wenn er am höchften geprediget wird. Und iſt alles eitel ja und nein in einer⸗ ley Sachen. Denn ſolcher Chriſtus iſt nichts und nirgend, der fuͤr ſolche Suͤnder geſtorben ſey, die nicht nach Vergebung der Stunden von den Suͤnden laſſen und ein neues Leben führen. Alſo predigen ſie fein auf Ne⸗ ſtoriſch und Eutychiſche Dialectica CHriſtum alfo, daß CHriſtus ſey, und ſey es doch nicht, und find wohl feine Oſter⸗Prediger, aber ſchaͤndliche Pfingſt Prediger. Dennfie predigen nichts de Sanctificatione & vivifica- ‚tione Spiritus$. vonder Heiligung und geben: digmachung des Heil, Geiftes, fondern allein don der Erlöfung EHrifti, ſo doch CHriſtus (den fie hoch predigen, wie billig) Darum CHriſtus ift, oder Erlöfung von Sünden und Tod ertvorben hat, daß unsder Heil, Geift fol zu neuen Menfchen machen, aus dem alten Adam, daß wir der Sünden todt / undder Gerchtigkeit leben, wie S. Pau⸗ lus lehret; hie auf Erden anfahen und zu⸗ nehmen, und dort vollbringen. Denn CHri⸗ ſtus hat uns nicht allein Gratiam, die Gnade, ſondern auch Donum,die Gabedes H. Geiſtes gar ver⸗

Vorrede. ar 4 verdienet, daß wir nicht allein Vergebung der Sünden, fondern auch aufhören - von den Sünden, haften. Wer nun nicht aufhöret von den Sünden, fondern bleibt im vorigen böfen Weſen, der muß eis nen andern EHriftum von den Antinomern haben, Der rechte EHriftus ift nicht da, und wenn alle Engel fchrepen, eitel Chriſtus, Chriſtus, und muß mit ſeinem neuen Chriſto verdammt werden. Nunfie he, wie böfe Dialedtici wir find in hohen Sa: chen, fo über uns; oder ungeübt, daß wir zugleich ein Ding halten und nicht halten. ber in niedrigen Sachen, da find wir übers aus fcharffe Dialectici. Dennein Bauer, wie grob er ift, hat er das bald verftanden und gerechnet: Wer mir einen Grofchen giebt, der giebt mir Feinen Gulden, denn es folgef von ihm felber, und er fichet die Folge fein, Aber unfere Antinomi fehen nicht, Daß fie predigen ohn und wider den Heiligen Geiſt, weil fie Die Leute wollen laſſen in ihrem alten Wefen bleiben, und gleichwol

felig. ſprechen, ſo doc) die Confequenz dag will, daß cin Ehrift foll den Heil. Geift ha⸗ ben, und ein neu Leben führen, oder av

Vorrede, daß er feinen CHriftumhabe; a) Chriftliche Giiligfei oder gemeiner Ehriftenheit Heilig: feit ift Die, wenn der Heil. Geift den Zeuten Glauben giebt an ENrifto, und fie dadurch heiliget, Ads. Das ift, er mache neu Hertz, Seel, Leid, Werd und Velen, und fchreibet die Gebot GOttes, nicht in ſtei⸗ nerne Tafeln, fondern in fleifcherne Hergen, 2.Cor.3. Solches thutder Heil. Geift, der heiliget und erwecket auch den Leib zu foldyem neuen Leben, biß er vollbrachtiwerdein jenem geben. Und das heift die Ehriftliche Hei— ligkeit, und folche Leute müflen immer auf Erden feyn, und fülten gleich nur zween oder Dren, oder allein die Kinder feyn. Der Alten find leider! wenig, und welche es nicht find, die ſollen ſich nicht für Ehriften rechnen, man foll fie aud) nicht tröften, als feyn fie Ehriften, durdy viel Geplauder von der Vergebung der Sünden und Gnaden EHrifti, wie die Antinomer thun. Denndiefelben, nachdeme ‚fie die gehen Gebot verwerffen, und nicht ver⸗ fiehen, predigen ſie dieweil von der Gnade CHriſti viel,ftardenaber undtröften diejeni⸗ gen, fo in Sünden bleiben, daß fie ſich nicht fürchten noch erfchrecken follen für den Suͤn⸗ den, denn fie alle weg find Durch re ; N

a) Pag. 285.

Vorrede.

Und ſehen und lafiengleichtvolgehen die£eute in öffenflichen Suͤnden, ohne alle Neuerung oder Beflerung ihres Lebens, daraus man wohl mercket, daß ſie warlich auch den Glau⸗ ben und ENriftum nicht recht verftehen, und eben damit aufheben, da fie ihn predigen, Denn wie kan derrecht von den Wercken des Heil, Geiftes in der erften Tafel, vom Troft, Gnade, Vergebung der Stunden reden, der die Wercke des Neil. Geiftes in der andern Tafel nichts achtet noch treibet, welche er ver⸗ ſtehen kan und erfahren, jene aber nie verſucht noch erfahren hat. Darum iſts gewiß, daß fie weder CHriſtum noch den Heil. Geiſt ha⸗ ben oder verſtehen, und ihr Geſchwaͤtz ein lauter Schaum auf der Zungen iſt, und, wie geſagt, rechte Neſtorii und Eutyches find, die EHriftum befennen oder lehren in antece- denti, inder Subftang, und Doch leugnen in confequenti, oder Idiomaten, das iſt ſie lehren EHriftum, und vertilgen CHriſtum, indem fieihnlehren. Bis hicher Lutherus, welcher aud) approbiret den Unterricht derer Viftacorum an die Pfarrherren in Sadfen, da fie alofihreiben: Diel ſchreyen einhin ohne Vernunft: a) Gute Werd vberdienen nichts: Viel beſſer ware, man triebe die Leute gute Wercke zu thun, und lieſſe die ſcharffen Hiſputationes fallen, Denn wahr iſts, daß GOTT Guͤts giebt um ſeiner Verheiſſung, nicht um er

a) Tom. 7. Alt. p. 6.

Vorrede.

Werck willen: Aber doch muͤſſen gute Wercke, die

ED gebothen hat, geſchehen.

Unter denen Lehrern der Kirchen GOttes, die FHriftum nad Apoſtoliſcher Art ſo gelehret, daB in ihn ein rechtfchaffen Weſen fey, 9 und daherin Denen Gläubigen die Gabe der Heiligung mit Ernff getrachtet haben zu erwecken, iſt billig zu rechnen der in GOtt ruhende Herr Johann Arndtius wie da-

Bon feine unterſchiedliche geiſtreiche Schriften, infon- derheit die Bücher vom Wahren Chriftenthum,

zeugen. Weil aber derfelbe wicht allein der groben,

oder aud) der ſcheinheiligen Welt ihre Bosheit und Heuchelen entdecker,(d hat rauch von dem Gott und Kindern diefer Welt den Lohn bekommen, den EeHriftus und alle feine gerreue Nachfolger iederzeit gehabthaben Die Welt hat ibn gebaffer; b) weil er. nicht von det Weltiwar, und die den Haus-Da- ter hatte Beelzebub gebeiffen, c) machte auch aus dieſem Haus genoſſen Hriffieinenbeiligen Ten- fel: Denn kaum kamen die Buͤcher vom Wahren Chriſtenthum ans Tages⸗Licht, da war die Hölle und deren Benoffen auf mit Luͤgen und Laͤſtern (des nen gewöhnlichen Waffen des Reiche der Finſterniß) da war fein aͤrger Ketzer als der arme Hendt, und das am meiften zu beklagen, fuͤhreten die, d) die Amts wegen, Leiter der Blinden ſeyn und diefelben aus

‚der Finfterniß zum Licht bringen folcen, den armen unwiſſenden Hauffen an, den Heil. Geift in diefem Werckzeuge ChHriſti zu läftern, e) Welcher Hauffe um ſo viel lieber annahm, daß die Lehre von wahrer gruͤndlicher Reinigung des Hertzens, und neuem J

| | c 3 en

a) Bph. 4. v.21. b) Joh. 17. %. 14.6) Matt 16 9.55. 9 d) Rom: 8, v. 19, €) is Petr, 4%, 14.

Vorrede.

ben in EHrifto, Enchufiafterey und alfo zu meiden wäre, als gewünfchte Polſter und Küffen ihnen fel- biges war, darauf fie fein ruhen, bey ihrem rohen Weſen bleiben, oder mit einem Heuchelſchein und etlichen Eeremonien es beftellen fonten. Der An- fang diefer Lügen - Befhuldigung gegen den feligen Mann erhub fid) in Braunfhweig, wohin er von Quedlinburg berufen war. Denn als er dafelbft anfiengmitdem von GOtt ihm verlichenen Pfund zum Dienfte feines HErrn zu wuchern, auıd der HErr die Arbeit, fegnete, daB das Wort GOttes fiine Kraft erwiefe, erbitterten: darüber einige Prediger des Orts, welhen ihr Gewiſſen fagte, wo Johann Arndt den Weg EOttes recht Ichrete, fo waren fie zu befihuldigen, daß fie bisher ihrem Amte nicht Genuͤge gethan. Damit aber ihre Heu⸗ cheley nicht entdecket wuͤrde, achteten ſie den ſicher⸗ ſten Weg, Arndt zum Ketzer zu machen, fo wuͤrde ih⸗ me niemand glauben und folgen, und ſie ihren Credit beybehalten; allerdings nach der Mechode, die die Phariſaͤer mit Chriſto geuͤbet. Dannenhero brach⸗ ten ſie in dem Beichtſtuhl, und bey andern Gelegen⸗ heiten, ihren Beicht⸗Kindern dieſen Wahn bey er⸗ mahneten, als getreue Seelſorger, dieſelben, vor Arndts Lehr und Gifft ſich zu huͤten: Welche getreue Warnung auch die, ſo um ihre Seele ſich nicht groß bekuͤmmerten, zu Dancke annahmen, weil fie ohne⸗ dem keine groſſe Luſt hatten Arndti Lehre zu folgen. Nachdem dieſe Vorbereitung geſchehen, wolten ſie auch auf der Cantzel nicht ſtumme Hunde ſeyn, ſon⸗ dern kuͤhleten daſelbſt, als Waͤchter uͤber die reine Leh⸗ re, ihr Muͤthlein wider Arndtium: Wie er deſſen ges dencket in dein Abdanckungs⸗Schreiben anden Herrn Buͤrgermeiſter in Braunſchweig mit a

ebe

Vorrede.

Gehe E.E. W. freundlich zu betrachten, was das ſey, einen öffentlich fuͤr der gantzen Gemei⸗ ne zu verketzern, zu verſchwaͤrmen, alle ſein Thun und Predigten Jokeley fuͤr Hudeley zu ſchelten, einen nicht allein als den groͤbſten un⸗ gelehrteſten Eſel, als der die Theologiam nicht gelernet, auch nicht verſtehet, zu beſchreyen, ſondern auch der Lehre halber verdaͤchtig zu machen, und die Leute füreinen zu warnen; da id) Doc) die reine £ehrein öffentlichen Verfol⸗ gungen, ungefpartes£eibes und Gutes, ohne unziemlichen Ruhm,befannt und verthädiget habe: Und muß fuͤr GOtt und E. E. W.beken⸗ nen daß mir niemals meine harte Verfolgung und Verſtoſſung aus meinem liebẽ Vaterlan⸗ de, dem Fuͤrſtenthum Anhalt, ſo wehe gethan, als dieſe; und wenn mich nicht mein gut Ge⸗ wiſſen, und das Exempel meines HErrn JEſu CHriſtiund feiner werthen Apoſtel getroͤſtet, ſo waͤre ich des Todes geweſen. Habe auch damals meinen lieben GOtt mit Thraͤnen ge⸗ bethen, mir ein ander Oertlein, es ſey ſo gerin⸗ ge als es wolle, zu zeigen, und haͤtte ichs da⸗ mals gewuſt, ich waͤre auf Haͤnden und Fuͤſ⸗ ſen hinaus gekrochen. Welcher Geiſt dieſe Geiſt⸗ lichen getrieben und angefeuret, wird ein ieglicher aus denen Fruͤchten leicht erkennen. Der Vorwand ih⸗ res Eiffers war, daß Joh. Arndt durch fein embſiges Treiben DIESEN Ernensrung des Geis 2

ſtes,

Vorrede.

fies, der ihre vonder Rechtfertigung, Die aus Gna⸗ den gefchicht, zu nahe Fame; wie auch, daß er einige Redens ⸗Arten gebrauchere,die ihnen unbekannt, und alſo verdaͤchtig waͤren. Wiewol er ſich nun offt erklaͤ⸗ ret, daß er die Wercke nicht als Urſachen, ſondern Früchte der durch den Glauben erhaltenen Recht⸗ fercigung achtete, auchdie Redens⸗Arten, welche fei- ne Widerfacher, weil fie von der Wuͤrckung des Gei⸗ ſtes GOttes in denen Gläubigen wenigerfahren,nicht verftunden, aus GOttes Wort, Luthero und andern bewieſe/ ſich darneben erklarete, daß er feine Schriff- ten nicht anders, als nach denen Symboliſchen Buͤ⸗ chern der Evangeliſchen Kirchen wolte verſtanden haben, ſo mochte doch diß bey feinen Widerwaͤrti⸗ gen die ihn nicht unſchuldig haben wolten nichts verfangen, ſondern ſie thaten mit ihm nach ihrem Willen. Dazu kam daß, nachdem fein erſtes Bud) vom wahren Chriſtenthum heraus fam, einige Ro⸗ ſencreutzer, Schwenckfelder, Weigelianer und der⸗ gleichen Fanatici, des Arndts Arbeit lobeten, und daß er mit ihnen eshielte, vorgaben: Welches Lob aber, wie es von ihme ſo wenig geſuchet oder geachtet, als wenig er ihre fanatiſche Irrthuͤmer gebilliget, alſo ſolte es ihme auch nicht zugerechnet worden ſeyn: Geſtalten Lutherus ») ebener maſſen klaget, daß die Antinomer ſich auf ihn berieffen, ob waͤre er mit ih⸗ nen eins: Ich ſorge, ſpricht er wo ich zu Schmalz kalden im Tode blieben waͤre, hätte ich muͤſſen erpiglich ſolcher Geifter Patron heiflen, weil ſie ſich auf meine Bücherberuffen, und folches alles hinter mir her, ohne Wiſſen und wider meinen Willengefpielef?c. Nachdemobgeſagte Widerſacher den Anfang des unbiligen Argwohns. 3) T.7.Alt.p.30. aus

a Vorrede;

aus Neid wider Arndtium gemacht, wurde derfelbe von andern, ſowol durch Predigten als Schriften vermehret. Es hat aber der getreue GOtt, 9 der feinen Gläubigen allezeit den Sieg giebet in CHriſto, Weil der fel. Arndt dem Teufel fo viel nicht zu willen ſeyn noch feine Zeit, die er zu GOttes Ehre beffer anlegen Fonte, mir Beſtreitung feiner Widerſacher, verderben wolte) erwecket den Geiſt gottfeliger und gelehrter Männer, als der Hochlödlichen Theologi- fehen Facultät zu Wittenberg , und, infonderbeit Herrn D. Franzi, D. Gerhardi, D. Dorſchæi, Henrici "Varenii, M. Dilgert, Pauli Egardi, und anderer, Die der Unſchuld dieſes redlichen Mannes fi ernſtlich ange- nommen, und mir Briefen, auch gantzen Tradätfein dieſelbe gerettet. Wie dann auch nad) feinem Tode, da der Neid und Mißgunſt gegen ihn aufgehoͤret, mehr und mehr die wider ſeine Buͤcher vom Wahren Chriſtenthum ausgegoſſeneLaͤſterungen verſchwun⸗ ‘den, und dieſe Buͤcher die Gewiſſen durch die Krafft der darinn verfaſſeten Wahrheit fo uͤberzeuget ba- ben, dag der, Teufel mit allen einen Lügen daran zu - handen geworden. Dannenhero find fiezum oͤff⸗ tern an unterfchiedlichen Derrern zu. groffem Nutz und Erbauung der Gemeine Chriſti zum Druck be⸗

fördert, und dißmal allhie in Riga aufgelegt. WVon dieſer Edition kuͤrtzlich zu berichten, fo dienet zur Nachricht, daß in derfelben ı, die in der zu Franck⸗ urt und Leipzig Anno 1674. ausgegebenen Edition beygefügte Anmerkungen und Marginalien einge ruͤcket. 2. Damitder Liebhaber des Wahren Chris ſtenthums angewieſen werde, wieer Kt durch Betrachtung der in der Natur oder Kunſt vorkom⸗ menden Dinge ſein Gemuͤth zur Andacht erwecken, und daſſelbe von der Erden abgezogen zu GOtt erhe⸗ a) 2. Cor. 2. v. 14. 63 ben

Vorrede.

ben möge find hin und wieder feine Sinnbilder,neben dev, zu felbigen Zweck dienlichen, und ieglichem Bilde beygefuͤgten Erflärung binzugethan. 3. Wennaud die Pelagianifche Bermeffenheit, da man nad) em⸗ pfangener Llberzeugung im Gewiffen, und gefaffe- ten Dorfag, fid) zu beſſern, heimlich feinen Kräften vertrauet, und Die ftete glaubige Anruffung GOttes um noͤthige Snaden-Hülffezur Vollbringung einer en Ehriftlihen bung verabſaumet, in der Ehriftenheit leider! gang gemein iſt; dadurd aber der Lauffdes Chriſtenthums ſehr gehindert wird, in- dene die im guten Dorfag ftehende, wenn fie feine Krafft Haben weiter zu kommen, oft gar ermuͤden, ſich wieder auf ihre vorige Wege wenden, oder bez friedigen, das Auffere grobe abgethan zu haben, und alſo Heuchelen ihre Zuflucht zu machen, unter dem Vorgeben daß man doch weiter nicht kommen koͤnne: So iſt noͤthig erachtet, denen Anfangenden Anleitung

ugeben, wie fie dag, deſſen ſie, ihre Schuldigkeit zu

eyn,ünberzeiget, dazu fie auch willig find, ins Werck zu bringen, die Krafft und Gnade von GOtt im Glauben erbitten follen. Zu welchem Ende denn ieg⸗ lichen Eapitel ein Gebet, welches die Summam der in dem Capitel vorgeftelltenEhriften-Bebubr verfaſſet, und den HErrn zu ſolcher uns zu bereiten bittet, an⸗ gehaͤnget; deren etliche aus Herrn Johann Arndts Paradig-Gärtliin genommen find, weil in demſel⸗ ben Buch der Aucor ſich auf die Bucher des Wahren Chriſtenthums beziehet. 4. Sind diefer Edition bey⸗ gifliger drey ſchoͤne Tractätlein des Autoris: Vom wahren Blauben und heiligen Leben: Von der Ber- einigung der Gläubigen mie ChHriſto ihrem Haupte: Don der Heil. Dreyfaltigkeit, der Perfon und Amt Chriſti, und Wohlthaten dis Heil, Geiftes, welche einige

Voörrede,

einige das Fuͤnffte Buch vom wahren Ehriften-

thummennen. 5. Sinderfich hierbey zuende ein vier⸗ faches Regifter, über die Evangelia, Catehifmum, Bibliſche Sprüche, und alle darinnen enthaltene denckwuͤrdige Sachen. Wienunindiefem allen die Erbauung des zerfallenen Ehriftentbums, und da> durch die Beförderung der Ehre des fo wunder-gli= tigen GOttes geſuchet wird, fo wolle der HErr vom Himmel Gnade und Segen geben, daß folder Zweck erreicht, der Saran aber und fein unbußfertiger La- fter-Hauffe mit Schande gefleidet werde! Amen!

Gegeben in Riga, 1679, den 8. Septembr.

a iſt freundlicher lieber Leſer, was ben dama⸗ liger Ausfertigung dieſes hochwerthen Buchs in Riga vor Fleiß angewandt, und zu groſſem Nutz und Erbauung hinzu gethan worden, um ſolches der Chriſtenheit deſto beliebter zu machen. Nach welcher Rigiſchen Edition dieſe unfere erſte Leipziger verferti⸗ get, und alles dasjenige, was in gedachter Rigiſchen anzutreffen, behalten, ja noch ein mehrers beyge- bracht, auch fonften ein mercklicher Unterſcheid unter beyden gemacht worden. Denn da ſind (i) unter dem Titel des Sechſten Buchs aus der Franckfurti ſchen Edition hinzukommen I. des ſel. Joh. Arndts Wiederholung und Verantwortung der Lehre vom Wahren Chriſtenthum: II Zwey Send⸗Schreiben an gute Freunde, ſeine Buͤcher vom Wahren Chri⸗ ſtenthum betreffend: III.Sein Bedencken über Tau- leri teutſche Theologie. (2) Weil in der Rigiſchen Edition bey vielen Capiteln Feine abfonderlichen Ge⸗ bete zu finden, fondern fich felbige oftmals wegen‘ Gleichheit der Mareris entweder auf N

| c4 oder

Vorrede.

oder nachfolgende nur heziehet, und den Chriſtli⸗ chen Leſer dahin verweiſet: Als ſind ſolche von neuen hinzu gethan worden, () Weil man ſich auch da⸗ hin bemuͤhet eine correcie Edition an Tag zu brin⸗ gen, find mit niche geringer Mühe alle angezogene und erklärte Sprüche H. Schrift von neuem nach⸗ geſchlagen, darneben auch, wo ſich fonft einiges du- bium ereignet, mit der Franckfurtiſchen Edition fleiſ⸗ fig conferiget worden, Uher dieſes find auch (4) die Sprüce Börtliher Schrifft mit andern etwas grö- bern Littern unterfbieden worden, welches bishero ben feiner Edition anzutreffen geweien. Und letzlich find auch €) gan neue und hequemere Regiſter ver⸗ fertiget worden, |

I HRS iſt es nun, was hey unſerer vorigen Edition 8 zu ihrer Verbeſſerung geſchehen. Ben dieſer iegigen und andern Edition aber ift noch fernerweit nachſolgendes gethan und verbeffert worden: Sind dem gemeinen Mann zum Beſten die Lateiniſchen Allegara aus der Bibel, wie auch alles Lateiniſche, fo in diekm Buch ſonſten vorfömme, verteutſchet worden, 2. Sind oben uͤber den Columnen die Büs

cher und Capitel angemercket worden, damit man im Aufſchlagen alsbald ſehen kan, was vor ein Buch und Capitel man vor ſich habe. Denn dieſes bey vo⸗ riger Edition nicht mit geweſen. 3. Weil in der vori⸗ gen Edition bey manchen Gebeten keine Schrifftſtel⸗ len waren, fo ſind ſie ietzo vollends dazu gethan wor⸗ den, Damit man ben einem ieglichen Gebet erkennen fan, wie und woher es aus der Schrifftgenommen. 4. Weil im Sunfften Buch) fonft Feine Gebete gewe⸗ fen, fo hat man bey denen Capiteln Anweiſung ge> than, welche Gebet ausden vorigen Büchern, die ſich zur

Vorrede,

zur Materia ſchicken, koͤnnen gebrauchet werden. Dergleihen auch Fürglich bey dem erften Theil des Sechſten Buchs gefchehen. Denn andere und neue Gebere hatten diß Bud) allzugroß gemacht. 5. Dat man die. Gebete alle mit einander nicht nur unter gewifle Titel, fondern auch nach der Ordnung der Bücher und Capitel in ein Regifter gebradıt, und dabey zugleich mit angemerdet, welche aus des ſel. Arndts Paradig-Gartlein genommen. 6. Hat man nicht nur hin und wieder die Marginalia ver⸗ mehret, fondern auch meiſtens nur diefe Spruͤche auf den Rand geſetzet, weiche entweder etwas er⸗ klaͤret werden, oder bey derer Anfuͤhrung etwas merckwuͤrdiges erinnert wird, damit ſie im Auf⸗ ſchlagen dem Leſer alsbald in die Augen fallen. 7. Denn bisweilen Spruͤche nur mit den Anfangs⸗ Worten ſonſt angeführer waren, bat man fie bey Diefer iegigen Edition, ſo viel nöthig geweſen, zu defto beſſerm Berftandeder Sache, völlig gefeget. 8. Ob- wor bey ieglichem Sinn⸗ Bild an ſtatt der Erklaͤ⸗ rung gewiſſe Verſe ſtehen, ſo gar fein ſind; Den⸗ noch weil viele tiber die eine und andere Undeutlich⸗ feit derfelben geflager, und daß manche, zumal Un- gelehrte, gar nicht einmal wuͤſten, was in diefem oder jenem Sinn⸗Bilde abgebildet fen, fo hat man ietzo noch eine andere und deutlidere Erflarung aller Sinn Bilder hinzu thun wollen, alfo, daß man Cı) gezeiget, was im Sinn-Bild ftehe, und denn (2) alebald die Application fürrslich dazu ge— than, was nemlich durch ein iedes im Geiſtlichen angedeutet werde, 9. Weil der merckwuͤrdige Le—⸗ bens⸗Lauff des feligen Arndts fonft in den alten kleinern Editionibusjzu finden gewefen, als har man denſelben auch bey dieſer neuen Edition 5 azu

Voörrede.

dazu bringen wollen. 10. Sind die Regifter, ſo⸗ wol der Biblifhen Sprüche, als aud der denck⸗ würdigen Sachen, ordentlicher, deutlicher und zum Gebraud in vielen Stuͤcken beffer eingerichtet wor⸗ den. Aus diefem allen wird ein ieder erkennen, daß eine dergleichen Edition dieſes herrlichen Buchs, als diefe ietzige ft, no) nie heraus kommen, in⸗ dem wir dabey nichts unterlaffen, was man zu ih⸗ rer Verbeſſerung nuͤtzlich zu ſeyn erkennet. Der Chriſtliche Leſer laſſe ſich ſolches gefallen, und lebe der Gnade GOTTES empfohlen. Datum Leipzig, den 29. Sept. Anno 1696.

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Vorrede

IE EEE EEE ET EL-EEESEELSELEELEE

EREEFFEFFELELFEFF EEE Ei Vorrede Des Autoris | In den Chriſtlichen Lefer.

As für ein grofer und ſchaͤndlicher Migbraud des Heil. Evangelii in diefer Testen Welt fen, Ehrifflicher lieber Leſer, bezeuget gnugfam das gottloſe unbußfertige Leben derer, die ſich EHrifti und feines Worts mit vollem Munde ruͤhmen, und doch ein gang unchriſtliches Leben füh- ren, gleich als wenn fie nicht im Chriſtenthum, fon- dernim Heydenthum lebeten. Solch gottlos Weſen hat mir zu dieſem Buͤchlein Urſach geben, damit die Einfaͤltigen ſehen moͤchten, worinn das wahre Chriſtenthum ſtehe, nemlich, in Erweiſung des wah⸗ ren, lebendigen, thaͤtigen Glaubens, durch recht⸗ ſchaffene Gottſeligkeit, durch Fruͤchte der Gerechtig⸗ keit; wie wir darum nach ChHriſti Namen genennet ſeyn, daß wir nicht allein an EHriftum glauben, ſon⸗ dern auch in Chriſto leben ſollen, und Chriſtus in uns; wie die wahre Buſſe aus dem innerſten Grunde des Hertzens geben muͤſſe; wie Hertz, Sinn und Muth muͤſſe geaͤndert werden, daß wir Chriſto und feinem Heiligen Evangelio gleichformig wer— den; wie wir durchs Wort GOttes muͤſſen taͤglich erneuert werden zu neuen Creaturen. Denn gleich⸗ wie ein ieder Saame ſeines gleichen bringet, alſo muß das Wort GOttes in uns taͤglich neue geiſtliche Fruͤchte bringen; und ſo wir durch den Glauben neue Creaturen worden ſeyn, ſo muͤſſen wir RR

gr

Vorrede

der neuen Geburt leben. Summa, wie Adam in uns ſterben, und Chriſtus in uns leben ſoll: Es iſt nicht genug GOttes Wort wiſſen, ſondern man muß auch daſſelbige in die lebendige thatige Übung bringen.

Viel meynen, die Theologia ſey nur eine bloſſe Wiſſenſchafft und Wort⸗Kunſt da ſie doch eine le⸗ bendige Erfahrung und Ubungiſt. Jederman ſtu⸗ dieret ietzo, wie er hoch und berühmt in der Welt werden möge, aber fromm ſeyn will niemandlernen. Jederman ſucht ietzo hochgelehrte Leute, von denen er Kunſt, Sprachen und Weisheit lernen moͤge, aber won unſerm einigen Dodtore und Lehrer JEſu CHriſto will niemand lernen Sanfftmuth und hertzliche Demuth, da doch fein beiliges, lebendiges Exempel die rechte Regel und Richtſchnur unfers Lebens iſt, ja die hoͤhſte Weisheit und Kunſt, daß wir ja billig fagen koͤnnen:

Omnia nos Chrifti vita docere poteft.

» Das iff:

Das Leben Ceyriſti ſolluns alleslebren. Jederman wolte gerne E.Hriftt Diener ſeyn aber Chriſti Nachfolger will niemand ſeyn. Er ſpricht aber Johannis am 12. Cap. v. 26. Wer mie die: nen will der folge mir nach: Darum muß ein rechter Diener und Liebhaber EHrifft andy ein Nachfolger CHriſtiſeyn. Wer EHriftum lieb bat, der hat auch lieb Das Exempel ſeines heil. Lebens, ſeine Demuth, Sanfftmuth, Gedult, Creutz, Schmach, Verachtung, obs gleich dem Fleiſche wehe thut. Und ob wir gleich die Nachfolge des heiligen und edlen Lebens Chriſti in dieſer Schwachheit nicht vollkommlich erreichen Fonnen, (dahin auch mein Buͤchlein nicht gemeynet) fo ſollen wirs doch lieb Haben, und darnach ſeuffzen: denn alſo leben wir

in

des Autoris.

in Chriſto/ und Chriſtus in ung,wieSt, Johannes in der 1. Epift, am 2. Cap. v. 6, ſpricht: Wer da faget, daß er in ihm bleibet, der follauch wan- deln, gleichwieer gewandelt hat. Jetzo iſt die Welt alfo geſinnet, dag fie gerne alles wiſſen wolte, aber dasjenige, das beſſer ff, denn alles Wiſſen, nemlich CHriſtum lieb haben, will niemand ler⸗ nen, Es kan aber EHriftum niemand lieb haben, er folge denn auch nad) dem Exempel feines Heil, ‚Lebens, Viel find, ja die meiften in diefer Welt, die fic) des Heil, Exempels CHriſti ſchaͤmen, nem⸗ lid) feiner Demuth und: Niedrigkeit; das heiſſet fih des Herrn Chriſti geſchaͤmet/ davon der Herr fagt: Marci am 8,0.38, Wer fich. meiner febs- met in diefer ehebrecherifchen Welt, deß wırd fich auch des Menſchen Sohn ſchaͤmen wenn er Eommen wird. Die Chriften wollen ietzo einen ſtattlichen, pradırigen, reihen, weltförmigen Chri⸗ ftum haben; aber den armen, ſanfftmuͤthigen, de muͤthigen, verachteren, niedrigen EHriftum will . niemand haben, noch befennen, noch demfelben fol- gen. Darum wird er einmal fagen: Ich Fenne euer nicht; ihr habt mich nicht wollen kennen in meiner Demurh, darum Fenne ich euer nicht in

eurer Hoffart. ' | | Micht allein aber it das gottlofe Leben und Wefen EHriko und dem wahren Chriſtenthum gang zu- wider, fondern «8 haͤuffet täglich GOttes Zorn und Strafe, alfo daß GOtt alle Erearuren wider uns ruͤ⸗ ften muß zur Rache,/ dag Himmel und Erde, Feuer und Waſſer wider uns ſtreiten müffen, ja die. gange Natur angfterfihdarüber, und will brechen. Daher mußelende Zeit kommen, Krieg. Hunger und Peſti⸗ lentz; Ja die letzten Plagendringenfo beffrig Ani walk

Vorrede

Gewalt herein, daß man faft für. feiner Ercarur wird fiher ſeyn koynen. Denn gleichwie die greu⸗ lichſten Plagen die Egypter überfielenvorder Erlo⸗ fungund Ausgangder Rinder Iſrael aus Egypten: Alfo werden für der endlichen Erlöfung der Kinder GoOttes ſchreckliche, greulihe, unerhorte Plagen die Gottloſen und Unbußfertigenüberfalfen. Dar- um ift hohe Zeit Buſſe zu thun, ein anderXeben an- zufahen, ſich von der Weltzu Chriſto zu bekehren, an ihn recht glauben, und in ihm Chriſtlich leben, auf dag wir unter dem Schirm des Hoͤchſten und Schatten des Allmaͤchtigen ſicher feyn mögen, Pſalm gu verſ. . Darzu ung auch der HErr vermahnet Luc. 21, verf 36. So ſeyd num wacker allezeit, und betet, daß ihr —5 werden moͤget zu entfliehen dieſem allen. Solches bezeuget auch der 2. Pſaln.

Darzu werden dir, lieber Chrift, diefe Buͤchlein Anleitung geben, wiedunicht alleindurd) den Glau⸗ ben an Chriſtum Vergebung deiner Suͤnden erlan= gen ſolt, fondern auch wiedude 5nae GOTTES recht folr gebrauchen zu einem heiligen Reben, und dei⸗ nen Glauben mit einem Chriſtlichen Wandel zieren und beweiſen. Denndas wahre Chriſtenthum fies het nicht in Worten, oder in aufferlihem Schein, ſon⸗ dern im lebendigen Glauben, aus welchem rechtſchaf⸗ fene * und allerley Chriſtliche Tugenden ent⸗ ſprieſſen, als aus CHriſto ſelbſt. Denn weil der Glaube menſchlichen Augen verborgen und unſicht⸗ barift, ſo muß er durch die Fruͤchte erwieſen werden: GSintemal der Glaube aus Chriſto ſchoͤpffet alles Gutes, Gerechtigkeit und Seligkeit.

Wenn er nun beffändig erwartet der verheiſſe⸗ nen Guͤter/ die dem Glauben verſprochen ROM, Ken

2 prieſſe

des Autoris.

| nn

forieffer aus dem Blaubendie Hoffnung. Denn was iſt die Hoffnung anders,denn ein beftändiges,beharr- liches Erwartenderwerheiffenen Güter im Glauben? Wenn aber der Glaube dem Naͤchſten die empfan⸗ gene Guͤter mittheilet, ietzo entſpringet aus dem Glauben die Liebe, und thut dem Naͤchſten wieder alſo, wie ihm GOtt gethan hat: Wenn aber der Glaube in der Probe des Creutzes beſtehet, und ſich dem Willen GOttes ergiebt, ietzo waͤchſet die Gedult aus dem Glauben: Wenn er aber im Creutze ſeuff⸗ zet, oder GOtt fuͤr empfangene Wohlthaten dan⸗ cket, ietzo wird das Gebeth gebohren; Wenn es GOt⸗ tes Gewalt und des Menſchen Elend zuſammen faſſet, und ſich unter GOtt ſchmieget und bieget, ietzo wird die Demuth gebohren: Wenn er ſorget, daß er nicht moͤge GOttes Gnade verliehren, oder, wieSt. Paulus ſpricht: mit Furcht und Zittern fchaffer, daß er felig werde /ietzo ift die Gottes⸗ furcht gebohren. | Alfo ficheft du, wie alle Chriftliche Tugenden des - Glaubens Kinder feyn, und aus dem Glauben wach⸗ fen und entſprieſſen, und Fonnen nicht vom Blanben, als von ihrem Urfprung, getrennet werden, füllens anderswahrhafftige, lebendige, Chriftliche Tugenden ſeyn, aus GOtt, aus EHrifto, und aus den H.Geifte entfprofien. Darum kan fein GOtt⸗wohlgefaͤllig Werck ohne dem Glauben an E Hritumfeyn. Denn wie kan wahre Hoffnung, rechte Xicbe,beftändige Ge⸗ dult, herslich Geber, Ehriftlihe Demuth, kindliche Bene ohneGlauben ſeyn? Es muß alles aus Hriſto dem Heyl⸗Brunnen durch den Glauben ge⸗ ſchoͤpffet werden beydes Gerechtigkeit / und alle Fruͤch⸗ te der Gerechtigkeit. Du muſt dich aber wohl fürfehen, daß du ja beyleibe deine Werck und anſahendeTugen⸗ 4 en,

Vorreove.

den, oder Gaben des neuen Lebens, nicht mengeft in deine Rechtfertigung fir GOtt; denn da gilt feines Menſchen Werck, Berdienft, Gaben oder Tugend, wie fhon auch diefelben feyn, fondern das hohe volf- kommene Berdienft JEefu Chriſti durch den Glau⸗ benergriffen, wie ſolches im 5, 19,34. Und 41. Cap. die- ſes Buchs, undindendreyen erſten Capiteln des an- dern Buchs gnugſam angefuͤhret il. Darum ſiehe dich wohl für, daß du die Gerechtigkeit des Blau- bens, und die Berechtigkeit des Ehrifil. Lebens nicht in einander mengeſt, fondern wohl unterſchei⸗ deſt; denn diß iſt das gantze Fundament unſer Chriſtl. Religion. Nichts deſtoweniger aber muſt du dir deine Buſſe laſſen einen rechtſchaffenen Ernſt ſeyn, oder du haſt keinen rechtſchaffenen Glauben, welcher taͤglich das Hertz reiniget, andert und beſſert: Solt auch wiſ⸗ fen, daß der Troſt des Evangelii nicht hafften kan, wo nicht vechrfchaffene wahre Neu und Goͤttliche Traurigfeit vorhergebet, dadurch das Her zubro- chen. und zufhlagen wird; denn es heiſſet: Den Armen wird das Evangelium geprediget. Lind wie kan der Glaube das Hertz lebendig machen / wenns nicht zuvor getoͤdtet wird durch ernſtliche Reu und Leid, und wahre Erkaͤnntniß der Suͤnden: Darum fole du nicht gedenken, daß die Buſſe ſo ſchlecht und leicht zugehe, Bedencke, wie ernfte und ſcharffe Worte der Apoſtel Paulus brauchet, da er gebeut das Fleiſch zu toͤdten und zu creutzigen ſamt den! ü- ſten und Begierden / feinen Teib aufzuopffern, der Sündenabzufterben,deridelr gecreutziget werden. Warlich diß geſchicht nicht mit Zartelung des Fleiſches. Die Heil, Propheten mahlen auch die Buſſe nicht lieblich abe, wenn fie ein zubrochen zu⸗ ſchlagen Hertz und einen zerknirſchten vege

*

des Autoris..

derm und ſagen: Zureiftt enre Hergen, beuler, Elager und weinet. Wo finder man ietzo ſolche Bulk? Der Herr Chriſtus nennets ſich ſelbſt verleugnen, abfagen alle Dem, das man bat, will man anders fein Junger feyn. Solches gehet warlic nicht mit lachendem Mundezu, Def fen. allen haſt du ein lebendig Exempel und Contrefaic in den 7. Buß⸗Pſalmen. Die Schrift ift voll des Goͤttlichen Eifer, dadurch die Buffe neben ihren Früchten erfordert wird, bey Verluſt der ewigen eligkeit; darauf kan der Troſt des Evangelii feine rechte natürliche Kraft erzeigen: Beydes aber muß GOttes Beift durchs Wort in ung würden. Bon ſolcher ernten, wahrhafften,innerlihen Her⸗ geng- Buffe, und von derſelben Fruͤchten handelt dig mein Büchlein, und von der Praxi und Libung deg wahren Glaubens auch wie ein Chriſt alles in der Liebe thun ſoll: Denn was aus Chriſtlicher Liebe geſchicht, das gehet auch aus dem Glauben. Es ſind aber in demſelben, ſonderlich in dem Franckfurtiſchen Druck, etliche Reden nach Art der alten Scribenten, Tauleri, Kempiſii, und anderer mit eingemiſcht, die das Anfehen haben, als wenn fie menſchlichem Ven mögen und Werden zu vieltibuiren: (Dartoider doch mein gang Büchlein ſtreitet.) Darum foll der Chriſtliche Lefer freundlich erinnert ſeyn, daß er fleißig ſehe nach dem Scopo und 2“ des gantzen Buͤchleins, fo wird er befinden, daß es vornemlich dahin gerichtet ift, daß wir den verborgenen ange bohrnen Greuel der Erbfiinde erkennen, unfer ‚Elend und Nichtigkeit betrachten lernen, an ung ſelbſt und all unſerm Vermoͤgen verzagen, uns ſelbſt alles nehmen, und EHrifto alles geben, auf daß er alles allein in uns fen, Rn in ung wuͤrcke / allein | un

Vorrede des Autoris.

uns lebe alles in uns ſchaffe, weil er unſrer nt | rung und Seligkeit Anfang, Mittel und Ende iſt; wie ſolches deutlich und uͤberfluͤßig an vielen Dertern diefes Buͤchleins erklaret iſt; dadurch der Papiften, Syner giſten, Majſoriſten Lehr ausdruͤcklich refutirt und verworffen wird. Auch iſt der Artickel von der Rechtfertigung des Glaubens in dieſem, ſonderlich aber im andern Buch alſo geſchaͤrffet und ſo hoch ge⸗ trieben, als es immer moͤglich. Doch damit aller Mißverſtand aufgehoben ‚fo habe ich dieſelben in die⸗ ſem ietzigen Druck corrigiret und bitte den treuher⸗ tzigen Leſer, er wolle den Mompelgardiſchen und aͤllen vorigen Druck, und Luͤneburgiſche, Braun⸗ ſchweigiſche Exemplar, nach dieſer corrigirten Magde- burgiſchen Edition verſtehen und judiciren. Prote- ſüre auch hiermit, daß ich diß Buͤchlein, gleichwie in allen andern Artickuln und Puncten, alſo auch in Articulo de libero Arbitrio, Jufüficatione peccatoris coram Deo, nicht anders, denn nach dem Verſtande Librorum Symbolicorum Eccleſiarum Auguſtanæ Con- feſſionis, als da ſeyn, die erſt unveraͤnderte Augſpur⸗ giſche Conſeſſion, Apologia, Schmalkaldiſche Artickel, veyde Catechiſmi Lutheri, und Formula Concordiz, will verſtanden haben. GOTT erleuchte uns alle mit ſeinem Heil. Geiſte, daB wie lauter und unanftößig feynim Glauben und Leben, bis auf den Cag unfers Hren JEſu CAnıfti, welcher nabe vor der Thür ıft) erfüller mit Fruͤchten der Gerechtigkeit, zu Lob und Preife GOttes! Amen!;

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a. Kurtzer Bericht Bon Ankunft, Leben und feligem Abfterben

Serrn Johann Arndts.

rn Fe Ankunft dieſes Geiſtreichen und beruͤhm⸗ S:% ten Mannes betreffend, iſt derſelbe Anno Ey 1555. den 27. Decembr. zu Ballenſtaͤdt im Fuͤrſtenthum Anhalt gebohren. Sein Va⸗ ter ift gewefen der Ehrwürdige und Wohlgelahrte Herr Jacobus Arndt, welcher Anno 1553 zum Pre⸗ digt- Amt beruffen, und des Durchlauchtigen und Hochgebohrnen Sürken und Herrn, Herrn Wolf gangi, Fuͤrſten zu Anhalt, Hof⸗Prediger an gende. derem Orte geworden, Seine Mutter ift geivefen. Anna Schörtinge. Don diefen feinen Chriſtlichen Eltern ift er alfobald zur heiligen Tauffe befordert, folgends Ehriftlich erzogen , und ſonderlich, weil fie an ihm ein ſchoͤn Ingenium befunden, fleißig zur Schulengebaltenworden. Der Vater aber iſt ihm eitlich mit Tode abgegangen, nemlich Anno 1565. da⸗ er. er denn zwar an andere Derter ſich zu begeben. genothiget worden, dennod aber gleichwol auch da⸗ felbfien GOttes gnaͤdige Vorſorge wunderlich ges ſpuret, indem von feiner goͤttlichen Allmacht gute Leute erwecker, die fich feiner väterlich angenommen, und durch deren Beförderung er in Particular - Schu fen zu Afchersleben, Halbertiadt und Magdeburg eine Zeitlang fich aufgehalten, und in feinem Studi- ven fleißig geiibet hat. Anno 1576. iff er ferner auf hohe Schulen geſchicket werden und hat von A eit

an. Johann Acndts Lebens» Lauff.

Sn derfelben vier nach einander mit fonderbarem Rus ud Ruhm beſuchet, als Helmſtaͤdt, Witten-

‚berg, Bafel und Straßburg: Und ſich fonderlich auf den beyden legten eine geraume Zeit aufgehalten, auch andern Studiofis privatim Philofophica und Phi- lologica mit ruͤhmlichen Fleiß und Nutzen geleſen. Und was inſonderheit Baſel betrifft, iſt er daſelbſt einem Polniſchen Freyherrn vorgeſetzt, allda ihm auch eine ſonderbare Gefaͤhrlichkeit zu handen ge⸗ ſtoſſen, indem er unverſehens in den Rhein gekom⸗ men, darinn er auch geblieben waͤre, wenn er nicht aus GOttes gnaͤdiger Schickung, durch denſelben ſeinen Untergebenen, als der zu ihm hinein geſprun⸗ gen, ihn bey den Haaren erwiſcht / und wiederum her⸗ aus gezogen, waͤre errettet worden. Weil er nun von Jugend auf, durch des Heiligen Geiſtes Gnade ‚eine 38 Zuneigung, Luſt und Liebe zu der Heil. Schrift und Predigtamt gehabt, auch neben dem lie⸗ ben Gebete, und inſtaͤndigem möglichen Fleiß, alle fein Studiren zu dem einigen Zweck, wie er nemlich GOTT IM Hinmmeh und deſſen Kirche hie auf Erden am Worte fruchtbarlid dienen möchte, gerichtet, als hat cr auch in ſolchen feinen Scudiis, vermittelſt Goͤttlicher Hülffe,dermaffen zugenommen, daß ers andern weit zuvor gethan, wie das Werck ſelber aus⸗ weiſet, und ſeine in offenen Druck ausgegangene Geiſt⸗Lehr⸗und Troſtreiche Schriften klaͤrlich bezeu⸗ gen. Nachdem er ſich nun ſolchermaſſen zum hei⸗ ligen Wercke des HErrn bereitet, hat ihm derſelbe auch eine Thür geöffnet; welches geſchehen Anno 1583. im 28. Jahre feines Alters, da er von Herrn Joachim Ernſten, Sürften zu Anhalt, zum heiligen Predigt⸗ amt beruffen, und den 30.Odtobr. deffelben Jahres zu Bernburg, im Fuͤrſtenthum iin + n ud)

an. Johann Arndts Cebens Lauff.

Auch im ſelbigen Fahre mit Jungfer AnnaWagnerin in heiligen Eheſtand getreten. Und als er zu Bal⸗ lenſtaͤdt in feinem Vaterlande und zu Baderborn,7. Jahr GOttes Wort nad) H. Schrift, auch ungean⸗ derter Augſpurgiſchen Confeflion und Formula Con- cordie, lauter und rein gelehrer, iffer von den Calvi⸗ niften deren Meynung er weder beppflichten Fönnen noch wollen, von dannen vertrieben joorden. Indem er nun das Fuͤrſtenthum alfo bey Sonnenſchein raͤu⸗ men muͤſſen, hat es GOTTder HErr gar fuͤglich ge⸗ ſchickt, daß ihm eben zwey Vocationes die eine nad) Mannsfeld, die andere nad) Quedlinburg vorgefal- len unter welchen die Quedlinburgiſche vor ſich gegan- gen, allda er zu St. Nicolai in der Menftadto, Jahr gewelen, Von dannen iſt er Anno 1599. nach Braun⸗ ſchweig in die alte Stadt, an St Marting- Kirche vo-

. .eiret worden, und daſelbſt zehendehalb Jahr gelch- ret. Undweil es zu der Zeit, ſonderlich in dem letzten Jahr, ſehr unruhig da geſtanden, ja auch noch groͤſ⸗ ſere Unruhe und Bedraͤngniß zu befahren geweſen, und ihm eben darauf Anno ı608 die Vocation zum Pa- ſtorat nach Eißleben, ohne allen Zweifel aus ſonder⸗ barer Schickung GOttes , vorgeſtanden, hater lieber in Friede als Unfriede leben wollen, und derowegen dieſelbe angenommen, und ſich im Mamen GOttes nad Eißleben begeben, allda er drittehalb Jahr Pa- ſior und Oonſiſtorii Aſſeſſor geweſen. Er ware auch daſelbſt wohl geblieben, wenn Anno i6u. die Vocation zur General· Superintendur des Fuͤrſtenthums Luͤne⸗ burg nicht gekommen, welche er denn, als einen Goͤttlichen Beruf, nicht ausſchlagen koͤnnen, ſon⸗ dern endlich, nach gnugſam gehabtem Bedencken, angenommen hat, Sonſt hat er auch noch andere unterſchiedene Vocationes an vornehme Oerter ge⸗ d 3 habt,

an. Johann Arndts Lebens+Lauff. .

habt, als nad Nordhauſen Anno 1594, In die Graf: ſchaft Schwartzburg zum Superintendenten, Anno 1597. Nach Halberſtadt, Anna 1605. Nach Gruͤnin⸗ gen, Auno 1607. Nach Weiſſenfels gleichergeſtalt zum Superintendenten, Anno 1609. Item nach Magdeburg zum Dohm - Prediger ‚und Hamburg: Welche er aber alle mit gebuͤhrender Beſcheidenheit abgeſchla⸗ gen hat, und alſo an ben Orten, da erdero Zeiten ges wefen, gerne bleiben, und ungern fich verändern wol- len, wenn er nicht durch erhebliche und unumgaͤng⸗ liche Urſachen dazu bewogen worden. Immittelſt bey welchen Gemeinen er ſich durch goͤttliche Schi⸗ ckung beſtellen laſſen, bat er allenthalben dieſen un⸗ ſterblichen Ruhm nachgelaſſen, daß er ſein heiliges Amt mit ſonderlichem Fleiſſe, Treue, Sorgfalt, Vor⸗ ſichtigkeit, Weisheit und guter Ordnung gefuͤhret: Daß er ſowol ob der reinen und unverfalſchten Leh— re gehalten; als auch zum Vorbilde eines rechtſchaf⸗ fenen, Gott = gefalligen und erbaulichen Ehriffen- Wandels fich geſtellet. Doc iſt er nicht vergnuͤgt gewefen ‚feine anvertraneten Bemeinen nad denen von GOtt verliehenen groffen Gaben, im Dredigen aufs fleißigſte zu erbauen ſondern er bat auch andern in Schriften zu dienen ſich bemuͤhet, daher er des Pſalters Erklaͤrung, eine Poſtilla, vier Buͤcher vom wahren Chriſtenthum, das Paradießgaͤrtlein, und andere mehr ausgefertiger, welche fo erbaulich und geiftreich, daß fie bis anietzo von vielen, ſowol Gelehrten als Ungelehrten, mit Begierde und große fen Nutzen gebraucher undaelefen werden, Seine Kranckheit und Leibes⸗Schwachheit betreffend, hat er zwar denſelben gantzen Winter und Fruͤhling vor ſeinem ſeligen Ende groſſe Mattigkeit empfunden, darneben auch nicht wohl ſchlaffen konnen, aber | no

‚an. Johann Arndts Lebens + Lauf.

noch gleichwol fein Amt allezeit felser verrichtet, ctlie che wenige Tageausgenommen, Am 3. Majı aber iffer alfererft bertlägerig geworden, an welchem Tage er auch feine letzte Predigt gerhan, und zwar aus dem 126, Palm: Wenn der Alkır die Befangenen Zion erlöfen wird. fo werden wie ſeyn wie Die Traͤumende ec. Auch als er aus der Kirche gekom⸗ men, alſobald zu ſeiner Hausfrauen geſaget: ietzt ha⸗ be ich meine Leih- Predigt gethan. Was es aber vor eine Kranckheit geweſen iſt dem lieben GOtt bekannt, Nach menſchlichem Urtheil hat es ſich aufaͤnglich an⸗ gelaſſen, als wenn ihm ein hitziger Fluß im Halſe ge⸗ fallen: Und obwol ſolches hernach ſich ein wenig ge⸗ lindert, alſo daß er etwas beſſer wieder reden koͤnnen, iſt doch die Lunge dadurch verletzet geweſen, daß er daher einen ſchweren Athem bekommen, und iſt auch ſonſt ein hitziges Fieber dazu gekommen, daß er ſtete groſſe Hitze empfunden, und dadurch gar ſchleunig von Kraͤfften gekommen. Und weil er wohl gefuͤh⸗ let, wie nahe ſein Ende waͤre, hat er den 9. Maji, des Morgens um 6. Uhr, feinen Beicht⸗Vater, Herrn Wilhelm Storch, zu ſich fordern laffen,und dag hei⸗ lige Abendmahl begehret: Sich auch alſobald aufs bringen laſſen, und nicht lange darnach auf dem Scuhl ſitzend ſeine Beichte mir Andacht gethan, und die Heil. Abſolution darauf gebeten, und nachdem dieſelbe geſprochen, das hochwuͤrdige Abendmahl in Gegenwart ſeiner Herren Collegen und anderer em⸗ pfangen. Und weil er immer zu ie laͤnger ie ſchwa⸗ cher geworden, hat ihm ſein Herr Beichtvater mit den vornehmſten Troſtſpruͤchen der Schrift zugere⸗ det, die er alle mir Andacht angehoͤret und gemeini- glich ſelber beſchloſſen. Lind wie ihm fein gedachter Herr Beichtvater mena unter andern alſo * des + rider:

Zn. Johann Arndts Lebens - Bauff.

redet; Mir zweifelt nicht, gleichwie er bis daber nie einem einigen Irrthum, ſo GOttes Wort zuwider, zugethan geweſen, ſondern allezeit bey dem reinen, klaren, lautern Wort GOttes, bey den Schriften der Propheten und Apoſtel, bey der erſten ungeaͤnder⸗ ten Augſpurgiſchen Sonfeſſon und Formula concor- die (laut ſeines Teſtaments) feſt und ſtandhaft ge blieben, und alle Gegenlehren ernſtlich und hertzuch gehaffer und verworffen, alſo werde er auch ohn mein Erinnern bey derfelben Lehr und Glauben, bis an ſein Ende, gleichergefkalt, laut feines Teftas mente, bleiben; Hat er ſolches mit einem etliche mal wiederhohleten Ja beantwortet, Er bat ſich auch felber mit vielen Sprüden und Gebeten dem fiber GOtt befohlen; unter andern bat er denfel- ben Abend, als er verfhieden, aus den 143. Pfalm - alſo gebetet: ALEerr, gebe nicht ins Bericht mit deinem Knechte ec. Darauf ihm denn geantwor⸗ tet worden; es ffünde Foh.s. Wer EHrifti Wort hoͤrete, und glaubte dem, der ihn geſandt hatte, der hätte das ewige Reben „und kaͤme nicht ins Gericht, Und darauf üf er alfobald ein wenig eingefchlaffen, und alser wieder erwachet, hat er feine Augen aufge haben, und aus dem eriten Cap. Johann. allo gefa= get? Vidimus gloriam ejus, gloriam quafi unigenitia _ Patre, plenus gratia & veritate. Wir ſahen feine Herrlichkeit eine Herrlichkeit als Des einge- hohrnen Sohns vom Vater/ voller Ensde und Wahrheit, Und weil ihn feine Haus- Frau gefrager, wenn er fülhe Herrlichkeit geſehen haͤtte? bat er geantwortet: est babe ich fie gefeben, ey welch eine Herrlichkeit iſt das, die Fein Auge geſe— hen, fein Ohr gehörer,und in Feines Menſchen Herz tze kommen iſt; Dieſe Herrlichkeit habe ic schen | | Vor⸗

an. "Johann Arndts Kebenss Lauff. Woraus denn offenbar if, wie Eräfftig der Heilige Geiſt in feinem Hergen gewohnet, und lauter Troft, Friede und Freude in demfelben erwecken, Denſel⸗ ben Abend, wie. cs 8. gefihlagen, hat er gefragt, wie pielesfehlüge? Undwieesy.gefchlagen hat er aber⸗ mal gefraget. Und als ihm geantwortet worden: Es flüge Neun: Hat er bald darauf geſagt; Nun babe ih überwunden. Und das ift fein leg> es Wort geweſen, denn darauf ift er ſtill hinge—

legen bis halb zwoͤlffe, da er fanfft und felig einge⸗ ſchlaffen, den ı1. Maji, Anno 1621. als chen deffelben

Tages eine merckliche Sonnen- Finfterniß mit ein-

fiel. Seines Alters im 66. feines Predigt- Amts und Eheſtandes, welchen er mit feiner en

zwar unfruchtbar doch Chriſtlich und fehr friedlid) befeffen, im 38. Jahr, worauf er den ı5, dito zu

Zell in der. Pfarr⸗Kirchen mic Chriſtlichen und

- herrlichen Ceremonien zur Erden, welche unfer

aller Matter, beſtattet: Da denn Ihre Fuͤrſt⸗ liche Durchlauchtigkeit zu Luͤneburg mir ihrer hohen Gegenwart diefe Procefion vornemlich gezieret,

indem Sie zu Bezeugung Ihrer Fuͤrſtlichen Gnade,

damit ſie dem theuren Lehrer im Leben zuge—

than, deſſelben verblichenem Coͤrper das Geleite zu feiner Ruheſtaͤtte perſoͤnlich gegeben. Bey der⸗ —* iſt ſein Bildniß in gantzer Statur und Le—

bens -Gröffe, ihm zu Ehren und Gedaͤchtniß, in obgedachter Zellifchen Pfarr- Kirdyen aufgerichter worden. Dis if Fürglih der Bericht von der Ankunft, Ehriftlihen Leben, und ſeligem Ab- fterben dieſes hocherleuchteten Mannes , der ohn allen Zweifel nunmehro feine Seelen nad) in dem Reich der ewigen Herrlichkeit, wo die Lehrer suchten wis des Himmels Slang, und Die, 9—

e zu

An. Johann Arndts Lebens + Lauff.

zur Gerechtigkeit gevoiefen , wie die Sterne immer und ewiglih. Indeß bleiber fein Gedadhtniß bey uns im Segen, die wir wuͤnſchen, daß der Aller- höchfte feine Gebeine in der Erden bewahren, und - fanfft ruhen laffen wolle ‚bis an den Tag der groffen Erſcheinung unfers HERAN JZESU Chriſti, da er fie mit der Seelen wieder vereinigen, und zur ewigen Sreude wirdeinführen. Bebe uns BOtr, einem jeden zu feiner öeit eine ſelige Nachfahrt, auf daß wir auch alle dabın gelan- | gen, um Chriſti willen! AmeEn

J

Inhalt

Inhalt der vier Bücher: REN Das J. N | LIBER SCRIPTURZ, Wie in einem wahren Chriſten Adam täglich ſterben, Chriſtus aber in ihm leben foll: Lind wie er nach dem Bilde GOttes taͤglich erneuert

werden, und inder neuen Geburth leben müfle.

ur Das Il,

LIBER VIT#& CHRISTUS, Wie CHrifi Menſchwerdung, Liebe, Demurb, Sanftmuch, Gedult, Leiden, Sterben, Creutz, Schmach und Tod unferer Seelen Artzney und Heyl- Brunnen, Spiegek und Bud) unfers Le- bens fey: Und wie ein wahrer Chriſt Stunde, Tod, Teufel, Welt, Hole und alle Trübfal durch den Glauben, Gebet, Gedult, GOttes Wortund himm⸗

lichen Troftüberwinden fol: Und daſſelbe alles in Chriſto JEſu, durch deffelben Kraft, Stärke und Sieg in uns.

_LIBER CONSCIENTIE, Wie GOtt den höchften Schaß, fein

Reich, in des Menſchen Herg geleger hat, als einen verborgenen Schagim Acer, alsein Göttlie ches innerliches Licht der Seelen.

Das IV.

LIBER NATURE, Wie das groſſe Welt⸗Buch der Natur von GOTT zeuget, und ZU GOCT

Hier⸗

Hierbey find angefüget an ſtatt des Fuͤnſſten Buchs Drey ſchoͤne geiſtreiche Tractätlein: I Dom wahren Glauben und heifi- gen geben.

II. Bon der Vereinigung der Glaͤu— bigen mit EHrifto ihrem Haupt. III Bon der Heil, Dreyfaltigkeit, von der Derfon und Amt EHrifti, und

den Wohlthaten des Heil, Geiſtes.

"ingleichen Noch drey andere, geh zuſammen den Titul

Sechſten Buchs

fuͤhren moͤgen: Als: J. Die Wiederholung und Verant—

wortung der Lehre vom wahren er | ftenthbum.

II. Zwey Send Schreiben, die Bu⸗

cher des wahren Chriſtenthums be treffend,

Il. Bedengen uͤber Tauleri Teutſche

Theologie.

Das

IF DIT!

obald Jic an regt, mut- fe innen. Nr ai eıV, Ra ich Zu PER uC MENT er mich iften * Fol m tag hei: ih ) Tanut Crintmur fe Und, Stets mitfeurer Curd

un nreinem herbenjchwe

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Mein des Haupt · Bildes zum erſten Buch.

Jer ſi nd zwey Jungfern, da in der erften Ihrem Hertzen der Sall Adams abgebildet ift, wodurch der alte Menfeh wird angedeutet der mit * Meſſer der taͤglichen Buſſe ſoll getoͤdtet werden; der andern Jungfer Hertzen iſt zu ſehen die Aufers ı ftebung Coriſti darch deſſen Krafft der neue Menſch in ung ſoll auferſtehen. Denn in der Toͤdtung des alten Adams, und in der Lebendigwer⸗ dung und Wachsthum des neuen Menfchens beſtehet das gange Chriſtenthum.

& cu ob | wol 2: ief elbe.|

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WULTERSSIETTIDTTTBTSTTETTETSTETTTEFTTHSETIETEERT LET

Das Erſte Buch, Cap.l. pog.t

Hier iſt zu ſehen die am Morgen aufgehende Sonne, welche eben dieſelbe ift, die den vorigen Abend untergangen, womit wird angedeutet, daß ein Chrift gleich der Sonnen, dem alten

Menfchen nach, täglich muß untergehen umd doch auch täglid als J neuer Menſch durch wahre Buff aufſtehen.

2. Corinth. 4. verſ. 16. Ob unſer aͤuſſerlicher Menſch verweſet, ſo wird doch der innerliche von Tage zu Tage ver⸗ neuert.

I E rechter Chriſt muß taͤglich untergehen (Dem alten Menſchen nach) durch wahre Neu und Leid, * Und tagfid) wieder aufferftehen , Ein neuer Menfch, in Krafft des Geiſtes Thaͤtigkeit.

Erſt muß er nackt und bloß ins Grab, Und fterben feines Fleiſches Lüften ab: Erſt muß er vecht fein eigen Nichts erkennen, Vrernrwittelſt tieffjter Demuth Sic) unwerth alles GnadensTrofts ernennen Mit Zagen, Angft und Wehmuch, Eh er zum neuen Leben In voller Pracht und Ziet 31 I Sich thut berfut,

Und das Vermoͤgen hat, das Haupt empor zu heben. Wenn F er suvor in ſeinen Augen klein Geworden und der Welt verſchwunden;

So bhricht heran des Glaubens helles Schein, So hat der Menſch ſich ſelbſt gefunden.

O Wunder! die der GOtt Der Allmacht nur kan der aus der Nacht Und Finſterniß das Licht herfuͤr gebracht, Das Leben aus dem Tod:

Und deſſen Werck es iſt,

Daß du o Menſch, N doch ein andrer biſt

Erſte Buch

Vom

ſtenthum;

LIBER SCRIPTURZ, Pie ineinem wahren Ehri- fien Adam täglich ſterben, CHri⸗

ſtus aber in ihm leben fol, und wieer nach den Bilde GOrtes taͤglich erneuert werden, und in der neuen Geburtl) leben muͤſſe; Durch Herrn JoHANNEM ARNDT, foeiland General - Superintendenten des Fuͤrſtenthums Luͤneburg x. . Matth. 7. verf. 14. Die Pforte ift enge, und der Weg iſt ſchmal, der zum Leben führer, und wenig find. ihre, die ihn finden. Pf; ug. verf: 131. | Der halben, lieber GOtt, laß meinen Bang ger wiß ſeyn in deinem Wort, und laß kein Unrecht uͤber mich herrſchen.

Im Jahr CHriſti 1740.

Das ae Sud

Vom

Wahren Chriſtenthum,

heilſamer Buffe, hertzlicher Neue und Leid über die Sünde, wahren Glauben, beili- gem Leben-und Wandel der rechten wahren |

Ehriften. Das 1. Capitel.

Was das Bid GOttes im Menſchen ſey? 3

Eph.4.0.23.24. Erneuert euch im Geiſt eures Ge⸗ muͤthes, und ziebet den neuen Menfchen an, der nach GOtt gefchaffen ift, in rechtſchaffe⸗

ner Gerechtigkeit und Aeiligkeir,

As Bid GOttes im Menſchen iſt die Bildes Gleichfoͤrmigkeit der menfchlichen

Gotles. Seelen, Verſtandes, Geiſtes, Ge⸗ muͤths, Willens, und aller innerlichen und aufferlichen Leibes> und Seelen⸗ Kräffte, mit GOtt und der Heiligen Dreyfaltigkeit, und mit allen ihren Goͤttlichen Arten, 5 Tugenden, Willen und Eigenfchaff- ten. Denn alfo lautet der Rathſchlag der Heil. Drey⸗ faltigkeit, 1..B.Mof. 1.0.26, Laſſet uns Hien chen mathen; ein Bild, das uns gleic) fep, die da herr⸗ ſchen uͤber die Sifehei im Meer, uͤber die Vögel unter dem AZimmel, * alles Viehe und uͤber die gantze Erde. Daraus

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m

Das Erſte Buch, Cap. 1. - pag. 2,

Hier iſt ein heller Spienel auf einem Tifh, in welchem die Sontie fich helle ſpiegelt: Alſo wiegelt ſich auch in einer glaͤubi⸗ gen Seelen die Kiarheit des HErrn, oder das Bild GOttes mir aufgedecktem Angeſicht.

2. Corinth. 3. 18.

ſpiegelt ſichi in uns allen des HErrn Blarheit

mit aufgedecktem Angeficht, und wir wer- den verklärer in daflelbige Bild, von einer arbeit zu det: andern.

o>! ſpiegelt fich das Leben wuͤrckend Licht us In einer Lafteizfreyen Seelen, | Darin man keine Hoͤlen roch Hoͤcker fpürt, mir offnem Angeficht: De gang vollkommne Schönheits> Dlick, Gebildet ab im Willen und Verſtande, Prellt Winckel⸗recht in GOtt zuruck Und haͤngt an Ihm durch gar verborgne Bande. Der Schopffer ſtehet und beſchauet ſich, 8 Menſch, in dir mit ſolchem Wohlgefallen,

Daß ihm Gemuůth und Sinn vor heiſſer Liebe wallenz

Er zielt mit aller feiner Huld auf did), Kaft feiner Güte Strahlen ſchieſſen Bis in Dein Innerſtes, und giebt ſich div Mit fehnlicher Begier Zu ſchmecken und genieffen.

O höchites Gut! O wahre Seligkeit! O ftete Ruh! O lautre Freuden! Von welchen uns des Teuffels Neid Und uͤnſre Suͤnden ſcheiden!

Doch, CHriſtus hat es alles wiederbracht, Und/was der Feind und Sünden Fall vernichtet, Indem ihn Gtt für uns zur Sünde hat en Erneurt wieder aufgerichten,

Vom Bilde GOttes im Menſchen. 3

Daraus erſcheinet, daß ſich Die Heil. Dreyfaltigkeit Der im Menſchen abgebildet, auf Daß in feiner Seele, Ber}. and, Willen und Hersen, ja in dem gansen Leben 9. »- und Wandel des Menfchen, eitel Göttliche Heiligkeit, PM"

Gerechtigkeit, Gütigkeit erfiheinen und leuchten ſolte;

gleichwiein den H. Engeln eitel Göttliche Liebe, Kraͤffte

und Reinigkeit ft: Daran wolte GOtt feine Luſt und

Wohlgefallen haben, als an feinen Kindern. Denn, ‚gleichwie ein Vater fich felbft ſiehet und erfreuer in ſei⸗

nen Rinde; alfo hat auch GOtt am Menſchen feine

Cuſt gehabt; Spruͤchw. 8.0.31. Denn obwol GOtt

der HErr ſeinen Wohlgefallen gehabt an allen ſeinen Wercken, ſo hat er doch ſonderlich feine Luſt an dem Menſchen geſehen, weil in demfelben fein Bild in hoͤch⸗

ter Unſchuld und Klarheit geleuchtet. Darum find drey fuͤrnehme Braͤffte der menſchlichen Seele von GOtt eingeſchaffen: Der Verſtand, der Wille, und das Gedaͤchtniß. Dieſelben zeuget und bewahret heiliget und erleuchtet die H. Dreyfaltigkeit, und ſchmuͤcket und

zieret dieſelben mit ihren Gnaden⸗Wercken und Gaben.

Denn ein Bild iſt, darinn man eine gleiche Form Bild der und Geſtalt ſiehet; und kan kein Bildniß ſeyn, es muß ER ein Gleichniß haben deffen, nach dem es gebilder iſt. ver Serie. Als, in einem &piegel Fan Fein Bild erfiheinen, es em⸗

pfahe denn Die Gleichniß, oder gleiche Geſtalt von ei-

nem andern: Und ie heller der Spiegel, te reiner das

Bild erſcheinet: Alſo ie reiner und lauterer Die menſch⸗

liche Seele, ie klaͤrer GOttes Bild darinn leuchtet.

Zu dem Ende hat GOtt den Menſchen vein, lau⸗ Worinn ter, unbefleckt erſchaffen, mit allen Leibes⸗/ und Seelen⸗ e Kraͤfften, daß man GOttes Bild in ibm ſehen ſolte: ehe. Nicht zwar als einen todten Schatten im Spiegel, ſondern als ein wahrhafftiges lebendiges Contrafayt

und Gleichniß des unſichtbaren GOttes, und ſeiner überaus ſchoͤnen, innerlichen, verborgenen Geſtalt.

Das iſt: ein Bild ſeiner Goͤttlichen Weisheit im Verſtand der Menſchen; Ein Bild ſeiner Guͤtig⸗

keit, Langmuth, Sanfftmuth, Gedult in den 7

Az Gemuͤth

4 Bl.Er. - Dom Bilde GOttes

Gemuͤth des Menſchen: Cin Bild feiner Liebe und Barmbergigkeit in den Afferten Des Hertzens des tenfchen, Ein Bild feiner. Bercbeigkeit, Heilig⸗

feit, Lauterkeit und Reinigkeit indem Willen des

AREA: Ein Bild der Sreundlichkeit, Holdfelig-

Zeit, KieblichFeit und Wahrheit in allen Geberden und

Worten des Menfchen: Ein Bild der Allmacht in

der gegebenen Herrſchafft über den / gantzen Erdboden,

und in der Furcht über alle Thiere: Ein Bild der

Ewigkeit in der Unſterblichkeit des Menſchen. |

Mechter ä Daraus folte der Menſch GOtt feinen Schopffer Deo Bunes Und fich felbft erkennen. Den Schöpfer alfo, daß So GOtt alles wäre, und das einige höchfte Weſen von welchem alles ſein Weſen hat, auch daß GOtt alles weſentlich waͤre, deſſen Bild der Menſch truͤge: Denn weil der Menſch ein Bild der Guͤtigkeit GOttes iſt, ER fo muß GOtt weſentlich das hoͤchſte Gut, und alles eentiin, Gut ſeyn, er muß weſentlich die Liebe feyn , er muß _ wefentlich das Seben feyn, er muß wefentlich heilig Marım feyn. Darum auch GOtt alle Ehre, Lob, Ruhm, ee Preiß, Herrlichkeit, Stärcke, Gewalt und Krafft ger dährer. buͤhret, und Feiner Creatur, fondern allein GOtt, der diß alles wefentlich iſt. Darum als Matth. 19.0. 17. einer den HErrn fragte, der ihn für einen pur lautern Matth.19. Menfchen anfahe: Guter Meifter, was muß ich »17 thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Antwor⸗ tete der HEw: Was beiffeft du mich gut? Nie⸗ mand ift gut, denn der einige GOtt. Das iftz

GDtt ift allein wwefentlich gut, und ohne und auffer ibm

kan £ein wahres Gut feyn.

Sich ſelbſt aber folte der Menfch aus feinem

Bildniß alfo erkennen, daß ein Unterſcheid ſeyn jolte

In bem „sroifchen dem Menfchen und zwilchen GOtt. Der on Menſch folte nicht GOtt felbft ſeyn fondern GOttes nichts Bild, Gleichniß, Contrafayt und Abdruck, in welchem ns allein fich GOtt wolte fehen laffen, alfo, daß nichts anders in dem Menfchen folte leben, leuchten, wuͤrcken,

wollen, lieben, gedenifen, veden, freuen, Denn Kot:

elbſt:

im Mienfchen. 5

a N 2 9 felbit: Denn wo etwas anders in dem Menſchen folte gefpüret werden, Das nicht GOtt felbft wuͤrcket und chut, ſo Eönte der Menſch nicht GOttes Bild ſeyn, ſondern deſſen, der in ihm wuͤrcket, und ſich in ihm ſehen laͤſt. So gar ſolte der Menſch GOtt ergeben und ger 5 fol (affen feyn, welches ein bloß lauter Leiden des Goͤtt⸗ Menfgen lichen Willens, daß man GDtt alles in ihm Laft wuͤr⸗ fen. cken, und feinem eigenen Villen abfagt. Und das heift EDt: gan gelaffen feyn, nemlich, wenn der Menfc) ein bloß, lauter, veines, heiliges Werckzeug GOttes und feines. heiligen Willens ft, und aller Goͤttlichen Wercke, alfo, daß der Menfch feinen eigenen Willen nicht thue, fondern fein Wille folte GOttes Wille feyn. Daß der Menſch Eeine eigene Liebe habe; GOtt ſolte feine Liebe ſeyn: Keine eigene Ehre, GOtt ſolte feine Ehre ſeyn; Er folte Einen eigenen Reichthum har ben, GOtt folte fein Befis und Neichthum feyn, ohn alle Creatur⸗ und Welt⸗Liebe. Alſo fülte nichts in ihm ſeyn, leben und wuͤrcken, denn GOtt lauter allein. Und das ift die höchfte Unſchuld, Neinigkeit und Heiz ligEeit des Menfchen: Denn diefes ift te die hoͤchſte Unfhuld, wenn der Menſch nicht feinen eigenen Wil⸗ len vollbringet, fondern laft GOtt alles in ihm wür⸗ cken und vollbringen. Ja, das ift Die hoͤchſte Lin- Ahlen falt, wie man fichet an einem einfältigen Kinde, in Einfalt. dem Eeine eigene Ehre, Feine eigene Ktebe ft.

Alſo folte GOTT den Menfchen gar befigen von innen und auffenz vote wir Deffen ein Srempelbar ben an unferm HErrn JEſu EHrifto, welcher ein voll⸗Hrige⸗ Eommen Bild GOttes ift, indem er feinen Willen ommen gantz aufgeopffert feinem himmlifchen Vater im hoͤch⸗ Bild ftem Gehorfam, Demuth und Canfftmuth, ohn alle GO. eigene Ehre, ohn alle eigene Liebe, ohn allen eigenen Mus und Beſitz, ohne alle eigene Luft und Freude, Sondern er hat &Dtt alles in ihm und durch ihn laſſen wircken, was cr gedacht, geredt und gerthan. Summa, fein Wille iſt GOttes Wille und Wohlgefallen; Darum GHDtt vom Himmel geruffen; Dis ift mein

A 3 lieber

6 B.J. C. ꝛ. Vom Bilde GOttes

Matth. 3. lieber Sohn, an dein ich Wohlgefallen babe. Alſo mM iſt er das rechte Bild, GOttes, aus welchem nichts anz Ders leuchtet, denn allein das, was GOtt ſelbſt iſt; nem⸗ lich) eitel Xiebe und Barmhertzigkeit, Langmuth, Gedult, Sanfftmuth, en Heiligkeit, Troſt, Leben 8Htt in und Geligkeit. Alſo wolte der unfichtbare GOtt in of EHriſto fichtbar und offenbar werden, und fich im ihm | dem Menfchen zu erkennen geben; wiewol er auf eine viel hohere Weiſe GOttes Bild ift nach feiner Gott heit, nemlich, GOtt felbjt, und GOttes wefentlicyes Hebr. . vz. Ebenbilde, und der Glanz feiner Aerrlichkeit: Davon wir auf dismal nicht reden, fondern allein, wie er in feiner H. M enſchheit gewandelt und gelebet hat. en SGot. ine foiche heilige Unſchuld it das Bild GOttes ER Adam auch geweſen; und daffelbe folte er in wah⸗ bewahret. rer Demuth) und Gehorſam bewahret und erkannt haben, daß er nicht ſelbſt das hoͤchſte Gut wäre, ſon⸗ dern daß er nur des hoͤchſten Gutes Bild waͤre, das ſich in ihm haͤtte abgebildet: Da ers aber ſelbſt ſeyn wolte, das iſt, GOtt ſelbſt, da fiel er in die greulichſte und ſchrecklichſte Suͤnde.

Fuͤrs andere, folte der Menſch ſich alſo ſelbſt er- kennen, daß er durch dis Bildniß GOttes faͤhig waͤre worden der Goͤttlichen, lieblichen, holdſeligen Liebe, Freude, Friede, Lebens, Ruhe, Staͤrcke, Krafft, Lichts, auf das GOtt alles allein im Menſchen ware, allein in ihm lebete und wirckete: Und alſo in dem Menfchen nicht ware Eigen Wille, Eigen⸗Liebe, eigene Ehre und Nuhm, jondern daß GDtt allein des Menfchen Ruhm und Ehre waͤre, und allein den Preiß behielte. Denn ein Gleiches iſt feines Gleichen fübig, und Feines Wi⸗ derwartigen: Ein Gleiches freuet fich ie feines Öleichen, und hatfeine Luft in demſelbigen: Alſo woltefih GOtt gang ausgieffen in den Menſchen mit aller feiner Guͤ⸗ tigkeit, So ein gang mittheilendes Gut iſt GOtt.

In der Und letztlich ſolte der Menſch aus dem Bilde Feige GOTTES ſich alfo erkennen, daß er dadurch mit SH die GOTT vereiniger waͤre, und Daß in dieſer Vereini⸗

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. Das Erſte Buh Cap. II. pag.7

h Hier wird abgebildet die fo genannte Camera obfeura, welche

ift, wenn die Stube bis auf ein Shößgen gang verfinftert,

und ein gewiſſes Glaß vor das Schöfigen gehalten wird, ba gez ſchicht eg, daß die Leute, die auf der Gaffen vorüber gehen, in der Stuben gefehen werden aberdoch alfo, daß fie gantz verkehrt aufden Köpffengehen. Hiemit wird angedeutet daß der Menfch durch den Häglichen Sünven-Fal in feinem Hertzen und Ver⸗

ſtand leider! gang verfinftert, ja ein verfehrtes Bild worden,

nemlich aug dem Bild GOttes ein Dild des Satans. | Epheſ. a,.verhrg. 7 Ihr Derftand iſt verfinfterr, und find entfrem- det von dem Leben, das aus GOtt iſt, durch) die Unwiſſenheit, ſo in ihnen ift, durch die Blindheit ihres Hertzens. Wer dur, o Menſch, von Hoffart aufgeſchwollen, "SHDrt felbft willſt fen, und weigerſt dich zu zollen Was du dem hoͤchſten Weſen ſchuldig biſt, Drum iſt das Bild, das vor fo ſchoͤn gefunckelt, Aunietzo fo verdundkelt, - - . Daß es ihm felbft nicht aͤhnlich iſt

Der Will iſt gantz verkehrt, verfinftert der Verſtand,

Die Neigungen zerſtreut und abgewichen: An ftatt du GOtt und dich erkannt, Iſt Finſterniß und Blindheit eingefchlichen, O Menfeh, wie biſt bu zugericht! Du biſt getreten in der Teufel Drden, Ein Greul vor GOttes Angeſicht Und Satans Ebenbild geworden, Du waͤrſt ein ſolcher auch geblieben, Und koͤnteſt der Verdammniß nicht entgehn, Kenn GHDtt, durch Lieb und Beyleid angetrieben, Dich nicht m CHriſto angefehn. In ibm iſt dir ein neues Licht geſchencket: ie felig iſt der ernftlich diß bedencker,

Und nimme dig Licht Gebuͤhrlich auf mit herslichem Vertrauen ! Ein folcher Menſch wird GOtt don Angeficht

Dort in der Herrlichkeit ohn Ende fehauen!

im Menſchen. 7

gung des Menfihen höchfte Ruhe, Friede, Freude, Le⸗ hoͤchſte Rus ben und Seligkeit finde: bie im Gegentheil des ’* Menſchen höchite Unruhe und Unſeligkeit nirgend an- ders ber entitehen kan, denn wenn er wider GOttes Bild handelt, fich von GOtt abwendet, und des höch- ſten ewigen &uts verluftig wird.

Gebet,”

Eiliger ewiger GOtt und Vater, ich preife dich für beine Roͤm. 4. groffe Güte, daß du dem Menſchen, da ev nicht war, gezv. 17. ruffen, daß erfey; Ja, daß er deinem Gsttlichen Bilde aͤhn⸗.BMoſ.r. lich ſey. O wie groß war die Herrlichkeit und Seligfeit deg '?9-?7: Menfchen, da er in volfommener Erfänniniß deiner und der Natur in dir allein feine Luft, nach dir fein einig Verlangen, mir dir einen Willen hatte, nichts wuſte von Sünde und darz aus fommender Roth, Elend und Tode: Da er, als ein Kind in feines Vaters Haufe, alles, was er bedurffte, ohne Sorge von dir, und alles, was auf Erden lebet, zu feinem Gebote ı. Cor, 2, batte! Hingegen, wie groß ift nun dag Elend und Unfeliafeit v. 24. des natürlichen Menfchen, der fein Vergnuͤgen in der Richtig⸗ feit, fein Heil im Verderben, fein Leben im Tode fuchet! Ach mein GOtt! laß nicht zu, daß Satan dein Werck gar vernichte. Nichte du in mir wieder auf dein verlohrnes Ebenbild; ers leuchte meinen Verftand, daß ich dich rech£erfenne: Der Er den, darüber du mich zum Herrn gefeßet haft, nicht als ein Knecht diene, fondern in der Freyheit der Kinder GOttes der Roͤm. 8. Greaturen Dienft dazu gebrauche, daß fie mich zu dir führen :v.21u Nicht wehle, was ich, oder mein Sleifch und Blut will, fondern was du wilt: Meine Luft und Freude andir und deinen Gebo: ten habe, unter deiner gnädigen Regierung nicht forge, fondern alles Anliegen auf dich merffe. Laß mich hie in diefer Zeit Bfal. 17. anfangen zu tragendag Bild deg himmlifchen Adams, big ich d. 15. dich endlich) fchauen werde, wenn ic) erwache nach deinem Bilde, durch IEſum EHriftum unfern HEren, Amen,

Das II. Copitel, Mas der Fall Adams ſey? Nöm.s.0.19. Wie durch einesMenfchenlingebor- fam viel Sunder worden ſeyn; Al find durch eines Menſchen Gehorſam viel gerecht worden.

Fr Fall Adams ift der Ungehorſam wider GOtt, Fr

dadurch fih der Menfch von GOtt abge⸗ zaus AR .- wendet Adanıs,

N

8 B.J. C.2. Vom Fall Adams.

——— nn ___ wendet hat zu ihm felbit, und GOtt die Ehre geraubet, indem er ſelbſt GOTT feyn wollen: Dadurch er des heiligen Bildes GOttes beraubet, nemlich der voll kommenen Erb + Gerechtigkeit und Heiligkeit: Im Derftande verblendet, im Willen ungehorfam, und GOtt widerfpenfiig, in allen Aräfften des Hertzens verfehret, und GOktes Feind worden: ABelcher Greuel auf alle Menfchen durch fleifchliche Geburt fortgepflanget und geerbet wird; Dadurch der Menſch geiftlich todt und geftorben, ein Kind des Zorns und Verdammniß ift, wo er nicht, durch CHriſtum erlöfet wird. Darum folt du, einfaltiger Chriſt, den Fall | Adams für Feine fehlechte und geringe Sünde achten, als ware derſelbe nur ein bloſſer Apffel⸗/Biß; ſondern lihfleSiin, das iſt fein Fall geweſen, daß er GOtt ſelbſt hat ſeyn be. wollen : Und das war aud) des Satans Fall. Das

iſt aber die fehrecklichfte und abfeheulichite Stunde.

Diefer Fall ift erftlich in feinem Hertzen gefcheben, hernach durch den Apffel⸗Biß herausgebrochen und of fenbar worden. Das kan man etlicher maffen abneh⸗ men in dem Fall und Sünde Abfalons. Denn (r) 5 SM 14 war derfelbige eines Koniges Sohn; (2) der ſchoͤnſte Menſch, an welchem vom Haupt bis auf die Fuß⸗ foblen kein Schlwar; (3) war er feinem Dater ein ſehr lieber Sohn, wie man am den Thränen Davids fiehet. 2. Cam. 18.0.33. An diefer Herrlichkeit wolte fid) Abfalon nicht begnugen laffen, fondern wolte felbft König feyn, und raubete ihm die Konigliche Ehre. Da er nun das in fein Herg nahm, da ward er feines Va⸗ » ters abgefagter Feind, und trachtete ihm nach dem Keben. Luc.3. v. 38. 2 Cam. ıs. Alſo war Adam (1) GOttes Sobn, - (2)der Schönfte unter allen Cresturen, alfo, daß Fein Kehl an ihm war an Leib-und Seele? und war auch fürs (3) GOtt ein liebes Kind: Alser ſich nun an diefer Herrlichkeit nicht wwolte begnügen laflen, ſon⸗ dern GOtt felbft feyn, da ward er ein Feind GOttes,

und wenn es möglich geweſen, hätte er GOtt vertilger. ie Eunte nun eine greulichere und ie unde

Dom Sall Adams. 9

sunde feyn? Daraus diefer Greuel erfolger: Erſt—⸗ giide 1, daß der Menfeh dem Satan gleich worden in ſei⸗ Ahanıs und m Hertzen; denn fie haben beyde gleiche Stunde ber des Sa— angen: und ift demnach der Menfeh aus GOttes ans. Bilde,des Satans Bild, und fein Werckzeug worden,

fähig aller Bosheit des Satans. Darnach iſt der

MNenſch aus einem Gottlichen, geiftlichen, himmliſchen

Bilde gar irdifch, Heifchlich, viehiſch und thierifch worz

L

den: Denn erftlich, damit der Satan fein teufelifih

Bildniß im Menfchen pflangete, fo hat er durch feine Bild des

4 N

SE

fiftige, gifftige, verführifehe Worte und Betrug feinen Satans. Schlangen⸗Saamen in den Menfchen gefaet, welcher heijt eigene Liebe, eigener Wille, und GOtt ſelbſt ſeyn.

- Daher die Schrifft alle die, fo in eigener Liebe erfoffen

feyn, nennet Ottern⸗Gezuͤchte, Matt. 3. v. 7. und Schlangen-Saamen, die des Teufels Art an fich has ben. 2. B. Mof. 3.0. 15. Ich will Seindfchafft ſetzen zwifchen der Schlangen Saamen und des Weibes Saamen. |

Aus diefem Schlangen⸗Saamen Fan nun nichts anders wachfen, denn eine folche greuliche Frucht, die da heift des Satans Bid, Kinder Belial, des Teu- fels Binder, Joh. 8. v. 44. Denn gleichrote ein na⸗ Gleichnis. tuͤrlicher Saame verborgener Weiſe in ſich begreiffet des gantzen Gewaͤchſes Art und Eigenſchafft, ſeine Groͤſſe, Dicke, Laͤnge und Breite, ſeine Zweige, Blaͤt⸗ ter, Bluͤte und Fruͤchte, daß man ſich billig verwundern muß, daß in einem kleinen Saͤmlein ſo ein groſſer Baum verborgen liegt, und ſo viel unzehliche Fruͤchte: Alſo iſt in dem gifftigen boͤſen Schlangen⸗Saamen, in dem Ungehorſam und eigener Liebe des Adams, ſo auf alle Nachkommen durch fleiſchliche Geburt geerbet, ſo ein gifftiger Baum verborgen, und fo unzehliche boͤſe Giftiger Früchte, daß in ihnen das ‘Bilde des Satans mit aller Vaum. bofen Unart und Bosheit erfeheinet. |

Denn fehet ein kleines Kind an, wie fich von Mutz terleibe an die böfe Unart in ihm reget, fonderlich aber der eigene Wille und —— und wenn es | $ ein

J

10 B. J. C. 2. Vom Sell Adams.

Früätedes ein wenig erwaͤchſet, bricht hervor die —7 ei⸗ giftigen gene Liebe, eigene Ehre, eigen Lob, eigene Rache, Luͤ⸗

gen und dergleichen: Bald bricht hervor Heft, Stoltz, Hychwuth Gomeslaͤſterung Fluchen, Schwoͤ⸗ ven, Boͤſes wuͤnſchen, Lügen und Truͤgen, Verach⸗ tung GOttes und feines Worts, Verachtung der &b tern, Obrigkeit. Es bricht hervor Zorn, Zanck Haß, Neid, Feindfchafft, Rachgierigkeit, Blutbergieſſen und

—— alle Greuel; ſonderlich wenn die aͤuſſerlichen Aerger⸗ die Unart niſſen darzu kommen, welche die Adamiſche fleiſchliche im Mens Unart im Menſchen erwecken: Denn dadurch gehet hervor die Unzucht, Umeinigkeit, huriſche Phanta⸗ ſeyen und ehebrecherifche Gedancken, ungüchtige Reden, ſchaͤndliche Geberden, Wort und Wercke, die Luſt zur Voͤllerey, Uberfluß in Speiß und Tranck, in Kleiz dung, Leichtfertigkeit, Uppigkeit, Feeſe en und Sauffen. Es gehet Geitz, Wucher,? Betrug, Vortheil, Naͤncke, Liſt, Spitzfindigkeit: und in Gumma, alle Schande und Lafter, alle Büberey und Schaldheit auf fo vielfältic ge unerhoͤrte mancherien Weiſe, Daß es nicht moͤglich zu zehlen, wie im Jerem. am 17. v. 9. ſtehet: ‚Wer kan des Menſchen Hertz ergruͤnden? ueun a, das noch mehr ift, fo die ketzeriſchen verführifchen je. Seifter darzu kommen, fo gehet beraus Derleugnung GOttes, Abgoͤtterey, Verfolgung der Wahrheit, die Suͤnde in den Heiligen Geiſt, die Derfalfebung des Glaubens, Verkehrung der Schrifft, und alle Ver⸗ fuͤhrung aufs allerſchrecklichſte. Das find alle Die Früchte des Schlangen-Saamens im Menfchen, und

das Bild des Satans. | kn Wer hatte nun anfänglich gemeynet, daß in einem In Den fo Eleinen, ſchwachen und blöden Kinde ein ſolcher (den. Wuſt aller Kafter , ein fo verzweifelt bofes Hertz, ein folcher greulicher Wurm: und Baſiliske verborgen gelegen wäre, wenn es der Menſch nicht ſelbſt hervor drückte mit feinem Leben und Wandel, mit feinem böfen Tichten und Trachten von jugend auf?

1. B. Moſ. 6. 0.5. C. 8. 0,21, Laß

Lowen⸗ Art? ft dein Neid und unerfättlicher Geis‘

Dom Sall Adams. IT

Laß mir nun das eine bofe Wurtzel feyn, daraus fo ein gifftiger Baum waͤchſet; einen bofen Schlan⸗ gen-Saamen, und Dftergegüchte, Daraus fo ein fcheußlich Bild hervor kommt; Denn das wachfet ja alles von innen heraus, und wird mehrentheils durch die aufferliche Aergerniß erwecket. Darum der Verum Her EHriftus die Aergerniffe der Jugend halben fo grgernis hart verboten, Dieweil der Schlangen» Saamen in boten, den Kindern verborgen ift, in welchen fo viel Schand Pat. 18. und Lafter heimlich verfteckt liegen und ruhen, als ein Gifft im Wurm.

Darum, o Menſch, lerne den Fall Ada und die Sbluͤnde Erb⸗ Suͤnde recht verſtehen; denn die Verderbung uht ars iſt nicht auszugruͤnden. Lerne dich ſelbſt erkennen, was du durch den Fall Adaͤ worden biſt: Aus GOt⸗ tes Bilde des Satans Bild, in welchen alle Unar⸗ ten, Sigenfihafften und Bosheit des Satans begrif- fen fen. Gleichwie in GOttes Bild alle Arten, Eigenfchafften und Tugenden GOttes begriffen was ten; und gleichwie vor dem Fall der Menfch trug Das Bild des Aimmlifehen, daß ift, er war gang

himmliſch, geiſtlich, Goͤttlich und Engliſch: So tra Si,

get er nun nach dem Fall das Bild des Irdiſchen; ?-Eor- ıs. Das ift, er ift inwendig gang. irdiſch, Reifchlich und” 9

beftialifch worden.

Denn fiehe, ift dein Zorn und Grimmigkeit nicht —5 nicht Hundes⸗ und Wolffes⸗Art? ft deine Unrei⸗ nigkeit, Unmaßigkeit nicht Säuifche Art? Sa du wirft in Dir felbft finden eine gantze Welt voller boͤ⸗ fer Thiere, auch in dem Eleinen Glied deiner Zungen allein, wie St. Jacobus C. 3. v. 6. ſagt; einen gantzen Pfuhl voller boͤſer Wuͤrme, eine Behauſung voller unreinen Geiſter, und voller unreinen Vogel, wie Eſaias E. 13. v. 21. und Offenb. Joh. C. 18.0. 2. jeugen; daß auch offt kein wild Thier fo grimmig iſt als ein Menſch, kein Hund fo neidiſch, kein Wolff fo reiſſend und gei⸗ sig, kein Fuchs fo liſtig, kein Baſiliske fo gifftig, a

Sau

ı2 B.l.E.2. Vom gall Adams.

BE ER is Gau fo unflätig. Um welcher thierifchen und viehi⸗ fehen Unart willen der HErr CHriftus Jerodem einen Fuchs nennet, Luc. 13.09.32. Die unreinen Aunde und Säue, welchen man das Heiligthum nicht ge- ben, noch die Perlen furwerffen foll, Matth. 7.0. 6,

Wenn fic) nun der Menfch von folcher Unart nicht befehret, und in Ehrifto nicht erneuret wird, fondern alſo ſtirbet, fo bleibet er ewiglich einer folchen hochmuͤ⸗ thigen, ſtoltzen, hoffartigen, Satanifchen Art, ein grim⸗ miger Löwe, ein neidiſcher Hund, ein reiffender Wolff,

a ein gifftiger Wurm und Bafıliske, Fan auch nimmerz

nöthig. Mehr von folchem Greuel erlediget werden, fondern

muß des Satans Bid ewig tragen und behalten in der ewigen Sinfterniß, zum Zeugniß, daß er nicht in EHrifto gelebet, und nad) dem Bilde GOttes erneuert worden , wie die Dffenbabhrung Johannis faget: Drauſſen find die Hunde, die Abgoͤttiſchen und Zauberer, und alle, die da lieb baben und thun die Kügen,zc. Cap. 21.0.8. E,.22.0. 15.

Gebet.

e on AR O Du groſſer und erſchrecklicher GOtt, zu dir ſchreye ich aus San der Tiefe, und flage dir meines Hertzens Jammer-Stand. 18. - Dubhatteft mich erfchaffen zu ſeyn einficht in dir,fo hat durch des Serem. 2. Satans Liſt und mein eigen Verfehen, Sinfterniß meinen Vers p. 27. ftand um und um bedecket: Sich vernehme von mir felbft nicht, 5 A. was des Geiſtes GOttes iſt; es iſt mir eine Thorheit, und kan es 1 Fuch Nicht erfennen: Daher ift feine wahre Furcht GOttes für meiz Mof.g.v, nen Augen. An ftattdaß ich dich, dag hoͤchſte Gut, lieben und ſu— eı. chen folte,Fehre ich dir den Mücken zu, und nicht dag Angeficht. Epheſ. 2. Ja ich bin aus fündlichem Saamen gezeuget, und meine Mutter uch Fu hat mich in Sünden empfangen: Co iſt auch. das Tichten und Trofis za. Trachten meines Hertzens nur boͤs von Jugend auf. Ich bin ein v5. Kind des Zorng, eine bofe, verkehrte abtrünnige Art, die des Efa. 1. v. 5. Abweichens nur immer mehr machet: und was das elendefte iſt, Pſolm 19. Fan ich mein Elend nicht genung erkennen noch ergründen. Alle Kraͤffte meiner Seelen ſind verderbet; ich liebe Finſterniß a 19. mehrdenn dag Licht: Auch wennich will bag Öute thun, fo finde Roͤm. 7. ich in mir cin Gefeg, daß mir dag Boͤſe anhaͤnget. Ich elender p. 21. 24: Menfch, wer will mich erretten von dem Leibe diefes Todeg ! Hiob 15. v. Mein GOtt, ich erfenne wohl, daß du, dag allerreinefte und alz *. lerheiligſte Weſen, nicht kanſt Gemeinſchafft haben mit einem,

der ſo ein Greuel und ſchnoͤde iſt; Derowegen mich wJ

o

Dom Sall Adams. 13

Noth, Kammer und Elend triffe: Fa, ich muͤſte in der Zeit und Ei. 64. Ewigkeit von dir gefchieden ſeyn in meinen Sünden ſeuffzen Bi und verfhmachten, wo deine Erbarmung nicht hätte ein Mit? —— tel zu meinem Heil erfunden, Guͤtiger GOtt, der du Dich er. barmeft aller deiner Wercfe, laß dag Gemächte deiner Hände

nicht vergehen, Deffne die Bande des Todes, darinnen ich verſtricket bin; gieb mir wahre Erfänntnig und Empfindlich

feit meines Elendes, laß folches in mir würden hergliche Des

mutb, inniglich Erbarmen und Mitleiden gegen meinen Näch-

ften, brünftig Gebet vor denfelben, Mißtrauen auf meine eige—

ne Kräffte, ängftliches Sehnen nach deiner Gnade und Hülffe.

Befreye mich auch, mein GOtt, daß diefe bufe fündlihe Unart Roͤm. 6. nicht länger berrfche in meinem fterblichen Leibe, mich gefanı 5; in a: gen zu nehmen nach ihren Lüften, fondern gieb mir Krafft und Kine Muth, zu creugigen mein Fleiſch mit allen Lüften und Begier: pfal, 142. den, aufdaß der fündliche Leib aufhore, und ich hinfort der w 8. Sünden nicht diene: und endlich führe meine Seele aug diefem

Kercker, hilff mir gaͤntzlich aus dieſem Tode, aufdaß ich lebe,

und deine Gnade und Treue verfündige ewiglich, mein GOtt,

mein Heil, durch ICſum EHriftum unfern HErrn, Amen.

Das III. Capitel,

Wie der Menſch in CHriſto zum ewigen Leben wieder erneuert wird. Gal.6. v. 1y. In Chriſto JEſu gilt weder Beſchnei⸗ dung noch Vorhaut , ſondern eine neue Creatur. Je neue Geburth iſt ein Werck GOttes des Heil. Was die Geiſtes, dadurch ein Menfch aus einem Kinde des parunıe > Zorns und Verdammniß ein Kind der Gnaden und Seligkeit wird; Aus einem Eünder ein Gerechter durch den Glauben, Abort und Sucrament: Dadurch auch unfer Hers, Sinn und Gemuth, Berftand, Wille und Affecten erneuert, erleuchtet, gebeiliget werden in und nach Chriſto JEſu, zu einer neuen Ereatur. Denn Derfeben die neue Geburth begreift zwey Haupt⸗Wohlthaten Zeduha⸗ in ſich, die Rechtfertigung und die Heiligung, oder rneuerung, Tit. 3. v. 5.

Es iſt zweyerley Geburth eines Ehriften-Menfchen ; Zwenerlen die alte fleiſchliche, fündliche, verdammte und vers Eeburtd. fluchte Geburt), fo aus Adam gehet , Dadurch der Schlangen⸗Saamen, des Satans Bilde, und die ir⸗ diſche viehifche Art des Menfchen fortgepfianget m ;

n

14 31. C. 3. Don der Erneuerung

Und die geifkliche, heilige, felige, gebenedeyte neue Ge⸗ burth, fo aus CHriſto gehet, dadurch der Saame GOt⸗ tes, das Bild GOttes, und der himmliſche Gott + fürs mige Menfch geiftlicher Weiſe wird fortgepflanger. Alſo hat ein ieder Ehriften-Menfch zweyerley Ge Alte und burths> Linien in ihm; die fleifchliche Linie Adams, bare und die geiftliche Linie CHriſti, fo aus dem Glauben gehet: Denn gleichwie Adams alte Geburth in ung ift, alfo muß EHrifti neue Geburth auch in uns feyn. Und das heift der alte und neue Menfeh, die alte und neue Geburth, der alte und neue Adam , das irdiſche und himmlische "Bilde, das alte und neue Jeruſalem. Fleiſch und Seift, Adam und EHriftus in uns, der ins wendige und aufferliche Menfch. Wie die Nun mercket, wie wir denn aus CHriſto neu geboh⸗ Te ren werden. Gleichwie die alte Geburth fleifchlicher föich, Xeife aus Adam fortgepflantzet wird: alſo iſt die neue Geburth geiftlicher Weiſe aus EHrifte : Lind das ges Saame ber ſchicht durchs Wort GOttes. Das Wort G&Dttes iſt Dur Der Saame der neuen Geburth, 1. Petr. 1.0.23. Ihr ſeyd wiederum gebobren, nicht aus vergüngli- chem, fondern aus unvergänglihem Saamen, nemlich aus dem lebendigen Wort GOttes, das da ewiglich bleiber. Und ac. am ı. v.ı8. Er bat uns geseuget durchs Wort der Wabrbeit, daß wirmwären Erſtlinge feiner Cresturen. Dip ort erwecket den Glauben, und der Glaube hält fich an diß Wort, und ergreifft im Wort JEſum CHriſtum Mittel der ſamt dem Heil, Geiſt: Und durch des Heiligen Geiſtes unbe Krafft und Wirckung wird der Menſch neusgebobren. Saoo geſchicht nun Die neue Geburth erftlich durch den Zeil: Beift, Joh, 3.0.5. Und das nennet der HErr aus dem Geift gebohren werden. Zumandern, durch den Glauben, 1. Joh. 5.0.1. Wer de glaͤubet, daß JEſus ſey CHriſtus, der iſt aus GOtt gebohren. Zum dritten, durch die H. Tauffe. Joh. 3.0.5. Es ſey denn, daß iemand neu⸗gebohren werde aus dem Waſſer und Geiſt. Davon mercket folgenden Nr us

in CHriſto. 15

Aus Adam und von Adam hat der Menſch erer⸗ Frähteher bet das hoͤchſte Ubel, als Suͤnde, Fluch, Zorn, Tod, neuen Ges Teuffel, Hoͤll und Verdammniß; das find Die Fruͤchte burib.

der alten Geburth: Aus C.riſto aber ererbet der

Renſch das hoͤchſte Guth Durch den Slauben, nemlich, Gerechtigkeit, Gnade, Seegen, Leben und Die eivige digkeit. Aus Adam hatder Menſch einen fleiſch⸗

lichen Geift, und des boͤſen Geiſtes Herrſchafft und Ty⸗

ranney ererbet: Aus CArifto aber den Heiligen Geiſt

mit feinen Gaben und troͤſtlicher Regierung. Denn Carter waſerley Geift der Menfch hat, ſolcherley Geburth, Art werten und Eigenſchafft hat er anfich, wie der HErr Luc. 9. En) und v. 55. fpricht: Wiſſet ihr nicht, welches Geiſtes 4 Rinder ihr ſeyd? Aus Adam hat der Menſch be kommen einen hoffartigen, ſtoltzen, hochmuͤthigen Geiſt ausChriko durch die fleiſchliche Geburth: Will er nun neu⸗geboh⸗ alles Gutes. ren und erneuert werden, ſo muß er aus CHriſto einen demuͤthigen, niedrigen, einfaͤltigen Geiſt bekommen

durch den Glauben. Aus Adam hat der Menſch geer⸗

bet einen unglaͤubigen, gotteslaͤſterlichen, undanckba⸗

ren Geiſt: Aus CHriſto muß er einen glaubigen, GOtt lobenden, danckbaren Geiſt befommen durch den Glau⸗

ben. AusAdam hat der Menfch befommen einen unz gehorfamen, Frechen, freveln Seit: Aus Chriſto aber

muß er bekommen einen gehorfamen, fittigen, freundli⸗

chen Geiſt Durd) den Glauben. Aus Adam hat der

Menſch geerbet einen zornigen, feindfeligen, rachgieri⸗

gen, mörderifchen Geift ducch die fündliche Geburth ; AuscHrifto muß er ererben einen liebreichen, ſanfft muͤ⸗ Wir Haben tigen, Langmüthigen Geift durch den Slauben. us SprN Adam hat der Menſch bekommen einen geisigen, uns 1. Cor. x, barmhertzigen, eigennüßigen, rauberifchen Geift: Aus" 16. EHrifto muß er erlangen einen barınbergigen, milden, hulffveichen Geift durch den Glauben. . Aus Adam

hat der Menſch ererbet einen ungüchtigen, unfaubern, unmaßigen Geiſt: Aus CHriſto einen reinen, keu⸗

fhen, mäßigen Geift. Aus Adam hat der Menfch

einen luͤgenhafften, falfchen, verleumderiſchen pr

r us

16 9.1.8.3. Von der Erneuerung

Aus EHrifto einen wahrhafftigen, beſtaͤndigen Geiſt. Aus Adam hat der Menſch einen viehiſchen, irdiſchen, thieriſchen Geiſt erlanget; aus CHriſto einen himmli⸗ ſchen, Goͤttlichen Geiſt. Darum hat CHriſtus muͤſſen Menſch werden, und vom Heiligen Geiſt empfangen werden, auch mit dem Eſa.u. v. 2. Heiligen Geiſt ohn alle Maaß geſalbet werden: Ja, darum ruhet auf ibm der Geiſt des SErrn, der Geift der Weisheit, des Derftandes, des Ratbs, der Stärde, der Erkänntniß,der Furcht GOttes, Durch auf daß in ihm und durch ihn Die menfihliche Natur Hrium erneuert werde, und wir in ihm, aus ihm, und Durch ihn Geik die neusgebohren, und eine neue Ereatur würden, auf daß menkhliche wir yon ihm den Geift der Weisheit und des Ders neuert. ſtandes ererben für den Geift der Thorheit, den Geift der Erkaͤnntniß für unfere angebohrne Blindheit, den Geiſt der Furcht GOttes für den Geift der Verach⸗ tung GOttes. Dasiftdasneue Leben, und die Frucht der neuen Geburth in ums, In CHrifto Denn gleichwie wir in Adam alle aeiftlich geffor- EDEN wir hen waren, und nichts thun Eunten, denn todte Wercke neiftiich le⸗ des Todes und Finſterniß: Alfo müffen wir in CHriſto bendig „, wieder lebendig werden, und thun die Wercke des Giauben- Lichts, ı.Cor.15.0.22. Und wie wir durch die fleifch- „Cor as liche Geburth Die Sünde aus Adam geerbet haben: *Alſo müffen wir durch den Glauben die Gerechtigkeit erben aus CHriſto. Und gleichwie uns durchs Fleiſch Adams Hoffart, Geis, Wolluſt und alle Unreinigkeit angebohren wird: Alſo muß durch den Heiligen Geift unfere Natur erneuert, gereiniget und geheiliget werden, undalle Hoffart, Geis, Wolluſt und Neid muß in uns fterben, und müffen aus CHriſto einen neuen Geiſt, ein neu Hers, Sinn und Muth befommen, gleichwie wir aus Adam das fündliche Fleifch empfangen haben. ale gute Und wegen folcher neuen Geburth wird CHriſtus möffen ang Unfer ewiger Dater genennet, Eſa.9. v. 6. Und alſo der neuen werden wir in EHrifto zum ewigen Leben wieder erneu⸗

a er, aus CHriſto neu⸗gebohren, und in CHriſto ee nen i

gehen. | Ins

in CArifto, 17 Creatur: Und alle unfere Wercke, Die SDtt gefallen follen, müffen aus der neuen Geburth gehen, aus CHri⸗ fto, aus dem Heiligen Geiſt, und aus dem Glauben. Alſſo leben wir in rn neuen Geburth, und die neue Beſchrei⸗ . Geburt) in uns; alfo leben wir in CHriſto, und CHri⸗ uns Der ſtus inuns, Salat. 2.0.20. Alſo leben wir im Geiſt, burch und und der Geift EHrifti in ung. Diefe neue Geburth Et und derfeiben Frucht heift St. Paulus Epheſ. 4.0.23. * erneuert werden im Geiftdes Bemütbs, den elten Menſchen auszieben, und den neuen anziehen; 2.Cor. 3. v. 18. indes Ebenbild GOttes verkläret werden; Col. 3. v. 10. verneuert werden zu der Erkaͤnntniß nach dem Ebenbilde deß, der uns ge⸗ ſchaffen hat; Tit. 3.0. 5. die Wiedergeburth und Erneuerung des Heiligen Geiſtes; Ezech. ı 1.0.19. das ſteinerne Hertz wegnehmen, und ein fleiſchern Hertz geben. Alſo entſpringet die neue Geburth aus der Menſchwerdung Criſti; denn weil der Menſch Durch. eigene Ehre, Hoffart und Ungehorſam fich von EDtt abgewandt, und gefallen war, fo Fonnte dieſer Neue Ge⸗ Fall nicht gebeſſert noch gebuͤſſet werden, denn durch die allertieffſte Demuth, Erniedrigung und Gehorſam des Sohnes GOttes. Und wie nun EHriftus feinen der müthigen Wandel auf Erden unter den Menfchen ges führer hat: Alſo muß er auch in dir leben, und das Bild ER GOttes in dir erneuern. | ieben. Da ſiehe nun an den liebreichen, demuͤthigen, ge⸗ ChrlſtiEe⸗ horſamen, gedultigen CHriſtum, und lerne von ihm, ne in das ift,lebeinihm, Matth.ı 1.0.29. Siebe! Zinmerzfers Lebens. fen, warum hat er alfo gelebet? Darum, daß er ein zu. a Spiegel und Regel waͤre deines Lebens. Eriftdierechte Regula vitæ, die Lebens⸗Regel. Nicht die Regel 8. Bene- dich iſt die Regel unſers Lebens, oder ander Menſchen⸗ Tand, ſondern CHriſti Exempel, darauf uns die Apoſtel weiſen. Zum andern, ſiehe auch an fein Leiden, Tod Frucht des und Auferſtehung; Warum hat er folches altes gelid⸗ Kuncne ten? Warum iftergeftorben und auferftanden? Dar- bunsCHrb

um, daß ar der Sünden mit n folt abfterben, a i n

18 31€ 3. Don der Erneuerung

in ihm, mit ihm, und durch ihn geiftlich wieder auferfte- hen, und in einen neuen Leben wandeln: Horn. 6,

v. 3. Beſiehe hiervon ferner das ı 1.und 3 1. Capitel. Neue Sr 2 Dersiwegen quillet und entfpringet aus dem Heyl⸗ Br brumnen des Leidens, Todes und Auferftehung CHriſti und Aufer die neue Geburth; 1. Petr. 1.0.3: Wir find neu ge» ER bobrei zu einer lebendigen Hoffnung duch die Auferſtehung Chriſti. Darum auch die heiligen Apostel allezeit zum Grund der Buſſe und des neuen Lebens legen das heilige Leiden CHriſti; als zu den 1.Yetr.r. Roͤm. 6. v. 3. und 1. Petr. 1.0.17.18. Fuͤhret einen v7 guten Wandel, ſo lange ihr bie wallet, und wij: fer, daß ihr nicht mit vergänglichen Silber oder Bold erlöfer ſeyd, fondern mit demtbeuren Blut Chriſti, als eines unfchuldigen unbefleckten Urſache des Laͤmmleins. Da feset St. Petrus v. 18. die Urſa⸗ kon. Le⸗ che, warum wir einen heiligen Wandel führen füllen, »nemlich darum, weil wir fo theuer erlöfer find. Und abermalfpricht er 1. Petr. 2.0.24. Chriſtus hat un⸗ fere Suͤnde felbft geopffert an feinem Keibe auf dem Holtze, auf daß wir der Sünden abgeftorben, der Berechtigkeit leben, durch welches Wunden ihr fepd beil worden. Go fpricht auch der Herr CHriſtus Lue. 24.0.47. Muſte nicht CAriftus ſol⸗ ches leiden, und am dritten Tage auferſtehen, und predigen laſſen in feinem Namen Buſſe und Ver⸗ gebung der Zuͤnden. Da hoͤren wir, daß der HErr ſelbſt beydes das Predigt-Amt und die Buſſe, als le⸗ bendige Stroͤmlein, heraus leitet aus dem Brunn⸗

quell ſeines Leidens, Todes und Auferſtehung.

enerlen So ift nun das Leiden CHriſti beydes; nemlich, Bruch des eine Bezahlung. aller unferer Sünde, und eine Er EHrifi. neuerung des Menfchen durch den Glauben: Und beydes gehöret zu des Menſchen Aßiederbringung. Denn das iftdie Frucht und Krafft des Leidens CHri⸗ Frucht der (fi, welches auch in uns wuͤrcket die Erneuerung und Zeiligung: 1. Cor. 1.0.30. Undalfo kommt die neue Geburth aus E-Hrifto in uns, dazu auch das Be der yeiligen

IIIIIE„EIIæIEI0IIDCOCOCCG,

In Seilender

2

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ÜRNERBAPEEIHNRAIN

Das Erſte Buch, Cap. V. pager9 Hier iſt ein Wochen⸗ Bette dabey zu ſehen eine Wiege, in

welcher ein neu⸗gebohrnes Kind lieget welches aus Liebe zu

feinem Beſten in Windeln eingewickelt, und mit einem and

oder Seil umwunden ift Alſo wird der neusgebohrne

u u feinem Heyl von GOtit indie Windeln des Gehorfams ande der Kiebe eingerichelt und eingebunden, welches

08 wol dem Sleifch ein bitter dem ——

ein ſanfftes Joch if,

Matth. It. * Mein Joch iſt ſanfft, meine Laſt iſt leicht.

So bald ein GOttes⸗Kind Durchs Wort und durch den Geiſt gebohren worden, Und Buͤrger⸗Recht in Iſrael gewinnt ,/ So tritt es indes Heilgen Geiſtes Orden: Es wird von ſeines lieben Vaters Hand In Windeln des Gehorſams eingewunden, Und durch ein fanfftes Liebes Band Zu feinem eignen Heyl gebunden, = Obgleich dem Fleiſch es ſchwer und bitter deucht, Dieweil es feine Freyheit kraͤncket; So iſt es doch dem neuen Menſchen leicht Und ſuͤß, dem GOtt hiedurch die wahre Frebheit ſchencket, Die darinn fteht, daß er der Sünden | Nicht untercbah, fich felbft beherrſcht, und feiner Luͤſte Und Begierden Meifter iſt. i | er wollte nun nicht fo fich lieber Laffen binden, Als unter dem gefärbten Steyheit-Schein Des Satans Sclave feyn? Ihr Menfchen, folgt dem treuen Rath Den euch der Heyland felbft gegeben hat, Und nehmt fein edles Joch auf euren Rücken, Folgt ihm in Sanfft- und Demuth nach, Verleugnet Eigen» Chr, Luft, Vortheil und Gernach, Sp wird er eure Seel in ſtoltzer Ruh erghicken =

in CArifto, 19

a TEE, GET BITTEN HERE er rer TEE TEE heiligen Tauffe geordnet ift, da wir in den Tod CHri- Röme.nz, fkigetauffet werden, daß wir mit EHriſto Der Suͤn⸗ den füllen abfterben durch Krafft feines Todes, und jederum von Sünden auferftehen Durch Krafft feiner

Auferftehung rc. | Ber, Gebet.

Permdersige, getreuer GOtt, dir dande ich von gantzem

I Herzen, daß du nach dem Abgrund deiner Liebe ein Mittel erfunden haft, ung fo tieff gefalienen Sundern aus unferm Ver:

derben durch. deinen eingebohrnen Sohn CHriſtum JEfum zu

heiffen. HErr, deine Güte ifi, fo groß der Himmelift, und deine Pſ. 36. b. 6, Wahrheit, fo weit die Wolcken gehen! O mildreicher GOtt und

Bater, laß num, was Satan und Sünde inmir verderbet, alleg

duch CHriſtum wieder zurecht gebracht werden! Sch bin durch

die Sünde indeine Ungnadegefallen, [aß den Tod Chriſti gültig Roͤm. 5. ſeyn vor dir, zu mieiner Verſoͤhnung. Weilich dem Zürfien der o. 18. Finſterniß gefolget, foift auch mein Verſtand verfinſtert, und bin Erbef 4 entfrembet von dem keben, das aus GDttift. Ach laß mich ab⸗ "gr, g gewaſchen, geheiliget und gerecht werden, durch den Namen yın des HErrn JEſu und durch den Seift unſers GOttes. Gatan

hat mich beraubet des ſchoͤnen Goͤttlichen Bildeg, und mit feiner ſcheußlichen Suͤnden⸗Larve abſcheulich gemacht; Du aber haft

mich durch CHriſtum errettet von der Obrigkeit der Finſterniß, Col. 1, 9,15, und verſetzet in das Reich deines eben Sohnes. Ach laß mich

nicht nur den Namen meines Erloͤſers im Munde führen, fon»

dern gieb mir auch in feinem Bilde verflärct zu werden von einer 2. Cor. 3, ‚Klarheit zur andern, alsvom Geiſt des HErrn! Gieb mirGna-. 18.

de umzukeheen, und zu werden wie ein Kind, ja eine neue Crea⸗ Matih, 15,

‚tur, damit das.alte in mir aufhöre, ich alles auffer CHriſto für Bil, 0.8 Drecfachte, in ihm aber erfunden, inihme babe die Gerechtige 1. Cor. 1, keit, Weisheit, Heiligung uud Erlöfung, in ihme durd) feinen v. 30, Geiſt gang erneuert, in ihme neussebohren lebe, allein von ſei⸗

| nem Seiftregierer, ein Erbe ſeyn moge deiner Gnaden bie inder

Zeit, und deiner Herrlichkeit in der Emwigfeit, durch CHriſtum

Sefum unfern HErrn! Amen.

| Das Iv. Capitel, |

Was wahre Bufle fey, und dag rechte Creutz und Joch Chriſti.

Gal. 5. v. 24. Die CHriſtum angehoͤren, die creutzi⸗ gen ihr Sleifch ſamt den Luͤſten und Begierden. Se Buſſe oder wahre Bekehrung iſt ein Wert GOttes des Heiligen Geiſtes dadurch der Menſch aus dem Geſetz ſeine Suͤnde erkennet, * ——* | und

26 BLE.4. Von wabrer Buſſe.

ein, und den Zorn GOttes wider Die Sünde, dadurch Neu

bat der ad Leid im Herhen erwecket wird AusdemEvange-

Bu. lio aber GOttes Gnade erfennet, und durch den Glaus

ben Vergebung der Stunde in LEriſto erlanget.

Duurch die Buſſe aber geſchicht die Todtung und Creu⸗

tzigung des Fleiſches und aller fleiſchlichen Luͤſte, und

boͤſen Unart des Hertzens, und die Lebendigmachung

des Geiſtes; dadurd) Adam, und alles, was feiner .

Der Bi Unart ift, in uns ſtirbet durch wahre Heu, und CArie at ſtus in uns lebet durch den Blauben, Sal. 2. d. 20.

vor forms Denn se hänget beydes aneinander: Auf die Todtung

nn des Fleiſches folget Die Lebendigmachung und Erneues

der alte rung des Geiſtes, und auf die Erneuerung des Geiſtes

Den Be die Toͤdtung des Fleiſches · Wenn der alte Menſch ges

todtet- wird, ſo wird der neue lebendig, und wenn deu

neue (ebendig wird, fo wird der alte getödtet, 2.Cor. 4.

v.16.©bunfer altermi enſch verwejet,fo wird doch

der inmerliche von Tag zu Tage erneuert. Col. 3.

v.5. Toͤdtet eure Glieder, ſo auf Erden ſeyn. Roͤm.

6.v. 11. Haltet euch dafuͤr, daß ihr der Sünde ge⸗ ſtorben feyd, und lebet GOtt in Chriſto JEſu.

Durch Warum aber die Toͤdtung des Fleiſches durch

Betr Bu wahre Buffe gefchehen müffe, fo mercket alfa: Air

Bleiich ge haben droben gehoͤret, daß der Menfch durch den Fall

de Hdams gank teuflifch, irdiſch, fleiſchlich, gottlos und

lieblos worden ift, das ift, ohne GOtt und ohne Liebe,

abgekehret von der Liebe GOttes zu der Liebe dieſer

Welt, und fürnemlich zu fish felbft, und zu feiner Eigen»

Liebe, alfo, daß er in allen Dingen fich felbft fuchet, lies

bet, ehret, und allen Fleiß anwendet, wie er hochgehal⸗

ten werde von iedermann. Das rühret alles her aus

dem Fall Adams, da er GOtt ſelbſt feyn wolte, welcher

Greuel allen Menfchen angebohren wird. Dieſe vers

kehrte boͤſe Unart des Menfchen muß nun geändert und

gebeſſert werden durch wahre Buffe, das iſt durch wahre

Göttliche Neue, und durch den Glauben, ſo Verge⸗

bung der Suͤnden ergreiffet, und durch die Toͤdtung

deiner Eigen⸗Liebe, Hoffart und Wolluſt des Shoe.

enn

Bl E.4. Don wahrer Buſſe. De

Denn Buffe * ift nicht allein, wenn man den groben ER Aufferliehen Sünden Urlaub giebt, und davon abläffet aus vem fondern wenn man in ſich ſelbſt gehet, Den innerjten Hersen ge Grund feines Hergens aͤndert und beffert, und ſich ab⸗ Niy, AD, wendet von feiner eigenen Kiebe zu GOttes Kicbe, von mern der Welt und allen weltlichen Lüften zum geiftlichen ge Ser himmlifchen Leben, und durch den Glauben Des Ver nens. dienftes CHriſti theilhaffiig wird. " “= Daraus folge, daß der Menfch ſich ſelbſt muß Wahre verleugnen, Luc 9.0.23. das ift, feinen eigenen Aßite DT era, Ten brechen, ſich GOttes Willen gan ergeben, fich nicht dopein . ſelbſt lieben, und ſich für den umvürdigiten, elendeften Denid, , Menfchen halten, abfagen alle dem, das er bat, und der - Luc. 14.0.26.das ift, die Welt verfehmähen mit ihrer TB Sn, Ehre und Herrlichkeit feine eigeneIßeisheit und VBermoz 9. v. 27. gen für nichts achten,fich aufnichts und auf keine Ereatur Sein vu - verlaffen, fondern bloß und allein auf GOtt: Sein ei= fen. con Keben baflen, das ift, die fleifchlichen Lüfte und Berk "Segierden (als Hoffart, Geis, Wolluſt, Zorıy Neid) * tödten, Eeinen Wohlgefallen an ihn felbft baden und alles fein. Thun für nichts achten, ſich Feines Dinges ruͤhmen, feinen Krafften nichts zufchreiben, ihme felbft nichts zueignen: fondern ihm felber mißfallen, der Melt Der Belt abfterben, das ift, der Augen-Luft, des Fleiſches Luft, Eds dem hoffartigen Xeben, der Welt gecreugiget wer: v. 16. den, Sal, 6.0. 14. Dasiftdie wahre Buſſe und Tod, Hd. tung des Fleiſches, ohne welche niemand fan EHrifti Juͤnger feyn. Das heiftdie wahre Bekehrung von der Belt, von ihm felbft, ja vom Teufel zu GOtt, ohne welche niemand Fan Vergebung der Sünden erlangen, noch felig werden. Apoft. Geſch. 26. 0.18.19.

Die Buffe und Bekehrung iſt die Verläugnung

DB3 fein

En Bu a a ET

* Er gedencfer hier beyder Theile der Buffe; (1) der Neue, die

er befchreibet durch die Ablaffung von äufferlichen Sünden, Gehung in fich felbft, oder fein felbft Erfännenif, Aenderung und Befferung des Grundes des Hergeng, und Ablegung ber Eigen Liebe. (2) des Glaubens, dadurd) der Menſch des Verdienſts CHeiſti theilhafftig werde.

BETT, B.. C. 4. Von wahrer Buſſe.

fein fe feibpt, * ur * und das iſt das vechte ** Ereuß, und das. Das Joch rechte Joch EHriff,davan der HErr Matth. 1.0.29. SE in fpricht: Nehmet auf A mein "och, und lernet or mir, denn ich bin mnfftmuͤrhig und von Her⸗ demäthig. Das iſt Durch hergliche, gründliche, | ein fi s innerliche Demuth ſolt du deine eigene Liebe und Ehre daͤmpffen, und ‚durch Sanfftmuth deinen eigenen Fu " Zorn und Rachgier. Welches zwar dem neuen Men | (cn ein, fanfftes och und eine leichte Laſt iſt, aber dem Fleiſch ein bitter Creutz: Denn das heiſt fein Lleiſch creutzigen ſamt den Lüften und Begler⸗ den, Gal. 5.9.24.

‚Qusredhte Itren Demnach Dieje nigen, die allein weltliche Teübs Es, fal und Abiberwärzigkeit für Creutz achten, und wiſſen richt, daß die innerfiche Buſſe und Todtung des Flei⸗ ſches Das rechte Cre us fen, das wir täglich Chriſto ſollen nachtragen das iſt, in groſſer Gedult unſere Feinde tra⸗ gen, in heiliger Sanfftmuth unſere Laͤſterer, in hertzlicher puren en Stoltz und Ubermun EHrißi Srüberw en: wie uns CHriſtus iſt vorgegangen mit empel. groſſer Sanfftmuth, hat der et und allem, was in

ber Welt und iſt der Welt abgeſtorben. os da DR Joch Criſti iſt unfer Creutz, das wir tragen Beufiet der follen, und Das heiſt der Welt abſterben. Welches nicht a iſt in cin Kloſte er Lauffen, fonderliche Drden und Regeln - annehmen, und doch gleichwol in feinem Hertzen nichts denn eitel Welt bleiben, voll gehfkticher Hoffart, Pha⸗ riſaͤiſcher Verachtung anderer 8 Ele, vol Wolluſt, voll heimiliches Haſſes und Neids. Denn das Abſterben der Welt *6* iſt die Toͤdtung des Sreifehes, und alles def, darzu das Fleifch Luft hat; Stetige, inwendige, verbor⸗ gene

* Das iſt eigenen ı fündlichen Willens und fleifchlicher

Luͤſte und Begierden: Tit. 2. v 12. Farem,

** Paulus ſelbſt beſchreibet die Buſſe durch die Creutzigung: Gal. 5. v. 29. Cap. 6. v. 14. Mom. 6.0.6. Parem.

** Solches geſchiehet durch hechliche Reu und Reid. Luch. Eine ſolche Rene, die der Suͤnden Luſt nicht toͤdtet, ſondern alſo gethan iſt, daß der Menſch lieber mehr ſandigte, wenn es frey waͤre/ iſt nur Heucheley. Faren,

B.IJ. C.4. Von wahrer Buſſe. 23

gene Reue und Leid, dadurch man ſich innerlich zu GoOtt von der Welt abwendet, und taͤglich im Hertzen der Welt abſtirbet, und in CHriſto lebet im Glauben, in berslicher Demuth und Sanfftmuth, und ſich der Gnade EHDttes in EHrifto tröfte. Zu dieſer Buffe hat uns EHriftus beruffen, nemlich su der rechten innerlichen berglichen Buſſe und Belehrung des Hersens won der Welt zu GOtt; Und alfo hat er uns * Vergebung der Sünden zugefaget, und Die Impurationem juftitix, die Zurechnung feiner Gerechtigkeit, und feines heiligen Gehorſams, in Krafft des Glaubens. Denn ohne folche innerliche Buſſe iſt a ChHriſtus dem Menfchen nichts nüse: das ift, er iſt F Men- nicht tbeilbafftig feiner Gnade und der Frucht feines ſcheu nichts Virdienſts, welches nit reuendem, zerbrochenem, buß- "WE" fertigem, glaubigem und demüthigem Hertzen muß erz | griffen werden. Denm as ift. die Frucht des Todes en EHifE in uns, daß wir durch. die Buſſe der Stunde abs Auferte’ fterben:. und das ift die Srucht ver Auferftehung Bun Chr EHI, daß CHriſtus in ung lebe, und wir in im, MIT Das beift denn eine neue Creatur in EHrifte,

und die neue Geburt, die allein vor GOtt gilt: 2. Cor. 9.0. 17. Sal. 6.0. 15. Beſiehe hiervon ferner das ıa. Eapitel.

Derowegen lerne die Buſſe recht verftehen; denn daran irren viel Leute, daß fie meynen, das fey rechte Buſſe, wenn fie von aufferlicher Abgötterey, Gotteslaͤ⸗

fterung, Todtſchlag, Ehebruch, Unzucht, Dieberey, und andern groben aufferlicyen Suͤnden abftehen. Und zwar das ift wol aufferliche Buſſe, Davon etliche Aeufferlk - Sprüche der Propheten lauten: Cha. 55. v. 7. Der a Gottloſe bekehre fih vom Srevel feiner Haͤnde. rehre Und Ezech. 18. verf. 27. und Eap. 33. verſ. 14. Aber die Propheten und Apoſtel haben viel tieffer gefehen, Ies ausdem nemlich ins Hertz hinein, uns eine viel hoͤ⸗ ges a 4 here

Er ſetzet hiermit nicht den Glauben vor die Buffe, fondern vor Die Zurechnung der Gerechtigkeit CHriſti, nicht der Zeit nach, fondern der Ordnung.

YInnerliche F au

24 B. l. C.4. Von wahrer Buſſe.

here innerliche Buſſe, da der Menſch abſterben ſoll

der Hoffart, dem Geitz, der Wolluſt; ſich ſelbſt ver⸗ laͤugnen, haſſen, der Welt abſagen, und alle dem, das der Menfch hat; ſich GOtt ergeben, ſein Fleiſch ereu⸗

DL. 520.19. zigen, taͤglich GOtt das rechte Opffer bringen, ein

Rechte mahre Yuffe.

- Matth, 7. ‚v2, Welche

Chriſtus nicht fär

zerbrochen, zerfchlagen und erſchrocken Aertz und weis nende Seele im Leibetragen. Wie inden Buß⸗Pſal⸗ men folche innigliche Hertzens⸗Buſſe befchrieben ift.

Darum ift dis die rechte Buffe, wenn das Hertz innerlich Durch Reu und Leid zerbrochen, zuriffen, zus fehlagen, und durch den Glauben und Vergebung der Suͤnden geheiler, getroͤſtet, gereiniget, geändert und gebeffert wird, darauf auch die Aufferlihe Befferung des Lebens folget, 2

Nenn nun gleich ein Menfd) von auffen Buſſe thut, und ablaͤſſet von den groben Laftern aus Furcht der Strafe, bleibt aber im Hertzen unverandert, und fähet nicht das innere neue Leben in CHriſto an, fo mag er gleichwel verdammt werden, und wird ihm fein HErr! Here! ſchreyen nicht helffen; fondern das nefcio vos, Ich kenne euer nicht, wird Darauf fol gen. Dennnichtalle, Ote da fagen: HErr! HErr! werden ins Aunmelveich kommen, ſondern die den Millen tbun meines Daters im Himmel. Hierins nen iind alle Standes Perfonen, Gelehrte und Unge⸗

tie Eeinen Lehrte begriffen, denn die in ihrem Hersen nicht wahre

erkennet.

Roͤm. 6, t.6,

Buſſe thun und eine neue Ereatüt in CHriſto werden, die wird CHriſtus nicht für die Seinen erfennen.

Gebet. *

Wiger G—tt und Vater, der du Hertzen und Nieren pruͤfeſt,

für dir bekenne ich meinen Abfall und Verderben, welches dir beſſer als mir bekannt ift: Du allem weiſt auch, D HErr!der dus alles weift, was für eine ſchwere Laſt es mir ift, den Leib der Suͤn⸗ den fo umzutragen, und den Schlangen; Gifft in mirzu empfins den. Gerechter GOtt! du koͤnteſt billig die Seele, die dich zuerſt per. ffen, verwerffen von deinem Angeficht, und von aller Hof: nung der Gnaden; Aber du offenbareft dich in deinem guadigen Worte, als ein Vater: Darum femme ich zu dir, und bitte dich in CHeiſto JEſu/ lag meine Seele etwas gelten indeinen u

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Das Erſte Buch, Cap, V. | pre. 25

‚Hier iſt zu fehen ein Brenn, Gloß, durch melches die

. Sonne fcheinet, und das gegen über liegende Hol anzindet

und anbrennet. Diefem Brenn-Elaß it gleich der wahre

Glaube, weicher mit der Sonnen der Gerechtigkeit vereiniget,

durd) Die Krafft von oben das Hertz des Menfchen erleuch- tet, und in ihm das Feuer der herglichen Liebe anzundet.

Bas“ Ephef. 'x. verf. 19.

Es iſt eine überfehwenglicye Gröffe feiner Krafft an uns, die wir glauben nach der Würdung

feiner mächtigen Stärde,

Di Sonne der Gerechtigkeit, Die in dem Gnaden-Worte ſtrahlet, Wird iederman ohn Untericheid Vor Augen zwar gemahlet; Doch, ſoll ihr heller Schein Ein rohes Hertz durchdringen Und zum Gehorſam bringen, So muß der Glaub allhier das Mittel ſeyn. Der muß den Gnaden⸗Ausfluß faſſen; Den muͤſſen wir durd) die in ihm vereinte Brafft Der wahren Chriſten Eigenſchafft In unſrer Seelen wuͤrcken laſſen. Durch ihn wird im Verſtand Ein Licht uns angezuͤndet; Er knuͤpfft und ſchnuͤret zu das edle Band, | Das uns und unſern GOtt in ſuͤſſer Huld verbindet. | Er iſt kein todtes Ding, das einen Schein nur giebet, | k Damit ihr die betrogne Welt Selbſt fehmeichelt und ihr wohlgefaͤllt; Er iſt ein Weſen, das die Tugend über, | Die es gefaßt, und durch die Liebe thätig if, Drum forfche dich, o m und fich, ob auch dein | aube

Geſund und rechter Art, Damit des Satans Fit Dich nicht betrug und Deine Erone ranbe,

\

B.I. C.5. Was der wabre Blaube fey? 25

Gieb du mir Gnade zur wahren Umkehrung: Laß mich nicht durch Jerem. 35. eine Heuchel-Buffe miine Seele betrügen, ſondern bekehre dud. 18. mich recht, daß ich bekehret werde: hilff du mir, fo iſt mir geholf:

- fen. Laß meine Gerechtigkeit beffer feyn, als der Schrifftgelehr-Matth. 5. ten und Pharifder ; Laß nicht allein meine Lippen und aͤuſſereb 20. Glieder fich zu deinem Dienft begeben, fondern erneure auch den

Grund des Herkeng, damit ich der Sünden abgeftorben, dir a, Röm. & lein lebe in CHriſto IEſu meinem HErrn ; deffen Joch freudig!» 13. auf mich nehme, und von feinen Fußtapffen nicht weiche, weder

gur Rechten noch zur Lincfen. Du, mein GOtt, muftdiß in mie wuͤrcken, und wenn du ung führeft, fo lauffen wir. Ach führe, lei⸗

te, treibe mich, mein GOtt, und laß mich nicht, biß du mich vol;

lig zu dir befehret, von meiner Suͤnden⸗Schuld durch das Blut

SEſu wereiniget, mit dir auf ewig vereiniget haft, durch CHri⸗

fum JEſum unſern HErin! Amen.

Das V. Capitel. Was der wahre Glaube ſey?

r. Joh. 5. v. 1. Wer da glaͤubet, daß JEſus ſey CHriſtus, der iſt aus GOtt gebohren.

Er Glaube iſt eine hertzliche Zuverſicht und unge⸗ Beſchrei⸗ eg sweifeltes Vertrauen auf GOttes Gnade in utße I EHrifto verheiffen, von Vergebung der Sünde i

und ewigem Leben, durch das Wort GOttes und den Heiligen Geiſt angezuͤndet. Durch dieſen Glauben er⸗ langen wir Vergebung der Sünden, lauter umſonſt, ohn allen unſern Verdienſt, aus lauter Gnade, Eph. 2 v. 8. um des Verdienſts CHriſti willen,auf daß unſer Glaube einen gewiſſen Grund habe und nicht wancke. Und dieſe Vecrgebung der Suͤnden iſt unſere Gerechtigkeit, die wahrhafftig, beſtaͤndig und ewig iſt vor GOtt; denn es iſt nicht eines Engels Gerechtigkeit, ſondern des Gehor⸗ ſams, Verdienſtes und Blutes EHE, und wird unſer eigen durch den Glauben. Ob nun dig wol in groſſer

Schwachheit zugehet, und wir noch mit vielen übrigen Suͤnden behafftet feyn, dennoch werden diefelben zuge⸗ Decker, aus Gnaden um EHrifti willen, Pf. 32.0. 2.

Durch diefe hersliche Zuverficht und herhliches Art und Vertrauen giebt dev Menſch GOTT fein Herz gantz ak | N ER und

26 B. J. C.5. Vom wahren Blauben.

Be und gar, ruhet allein in GOtt, laͤſt ich ihm, hanget ihm alles deß, was GOttes und EHrifti iſt, wird ein Geiſt mit GOtt, empfähet aus ihm neue Kräfte, neues Leben, neuen Troſt, Sriedeund Freude, Ruhe der Seelen, Ger rechtigEeit und Heiligkeit, und alfo wird der Menſch aus GoOtt durch den Glauben neu gebohren. Denn wo der wahre Glaube ift, da iſt CHriſtus mit aller feiner Gerechtigkeit, Heiligkeit, Exlöfung, Derdienft, Gnade, Vergebung der Sünde, Kindſchafft GDttes, Erbe des

neue E ewigen Lebens. Das ift die neue Geburt, Die da koͤmmt aus dem Glauben an EAriftum. Daher die Epiftel an die Hebr. am ı 1. verf. 1. den Glauben eine Subftanz nennet, oder eine ungesweifelte wahrhaffz tige Zuverſicht derer Dinge, die man boffet, und eine Uberzeugung deß, ſo man nicht ſiehet. ‘Denn der Troſt des lebendigen Glaubens wird dermaflen im

Kraft des Herken Eräfftig, daß er das Hertz überzeuget, indem

u man das hinnnlifhe Gut empfindet in der Seelen,

Röm.s.vı.nemlich Rube und Sriede in GOtt, fo gewiß und wahrhaftig, daß man aud) darauf fierben Fan mit freudigen Hergen. Das iſt die Starcke im Geiſt an dem inwendigen Menfchen, und die Freudigkeit des Glaubens, oder Parchefia, Epheſ. 3.0. ı 2. Phil. 1.0.4 1. Joh. 2.0, 28.und Cap. 3.0.21. Das iſt die Freu⸗ digkeit in GOtt, 1. Theſſ. 2. v. 2. und die Plerophoria,

die gang ungegweifelte Gewißheit, 1. Theſſ. 1. v. 5.

Glaubens Wborauf ich nun ſterben foll, das muß mic) in

Gemipbeit- meiner Seelen ftarcen, und muß mich von * itinen

a den Heiligen Geiſt verfichern, das muß ** ein ins nerer

* Damit werben nicht ausgefchloffen die äufferlichen Mittel, welche zur Wurdung jenes innerlichen verordnet find. “rm Hersen muß GOtt⸗s Wort leben, tröften, und feine Kraffı erzeigen, und folches durch den Grit GOttes, der im Hertzen iſt. Die denfelbeu un We Meifler haben, denen iſt mit feinem Schribn,e ehren, Vermahnen, Ant⸗ worten nimmermehr zu helffen Lucb6. Alſo werben wir von innen durch dag Wort, dag wir ins Hertz gefaßt haben, ge⸗ tiöftet. Karen,

allein an, vereiniget ſich mit GOtt, wird theilhafftig

B1.E,5. Vom wahren Blauben. 27

nerer lebendiger, ewiger Troſt ſeyn, das muß mich auch als eine uͤbernatuͤrliche, Goͤttliche, himmliſche Krafft ſtaͤr⸗ cken und erhalten, in mir den Tod und die Welt uͤber⸗ winden; und muß eine ſolche Verſicherung und Verei⸗ nigung mit CHriſto feyn, die weder Tod noch Leben feheiden kan: Rom. 8.0.38. Darum Gt. Johan⸗ nes 1. Joh. 5. v. 4. fpricht: Alles, woas aus GOtt gebohren iff, überwindet die Welt, ©. Aus GOtt gebobren ſeyn, ift warlich Fein Aus Bor Schatten Werck fondern ein vecht Lebens⸗Werck, Aline GOtt wird nicht eine todte Frucht, ein lebloſes und lebendiges " Hrafftlofes Werck gebähren; fondern aus dem leben⸗ Te: , digen GOtt muß ja ein lebendiger neuer Menſch gern. 9. bohren werden, And unſer Blaube ifE der Sieg, €w-5-%.4 der die Welt uͤberwindet. Was nun überwinden ſoll, das muß eine maͤchtige Krafft ſeyn: Soll derviva et & Glaube der Sieg ſeyn über die Belt, fo muß er einehaie a, lebendige obfiegende , thatige, wuͤrckliche, Göttliche ndes, Krafft ſeyn: Ja CHriſtus muß alles thun Durch den Der Blau Glauben. Durch Diefe Krafft GOttes werden wwirdie, um wiederum in GOtt gegogen, zu GOtt geneiget, GOtt verſetzet und eingepfiantzt, aus Adam, als aus bihrhaß einem verfluchten Weinſtock, in CHriſtum den geſeg⸗tis iR. neten und lebendigen Weinſtock, Joh. 15. v. EN Alſo, daß wir in Chriſto befigen alle feine Güter, und in ihm gerecht werden. | Gleichwie ein Dfropff- Retslein in einem guten Shin . Stamm eingepfropfjet, in Demfelben grünet, bluͤhet Gleichniß und Frucht bringet; auſſer Demfelben aber verdorret: Alſo ein Menſch auffer EHrifto iſt nichts, denn ein ver⸗ fluchtee Weinſtock, und alle feine Wercke find Suͤnde; Was ein 5: B.Mof. 32.0.32.33. Ihre Trauben find Ball, Fb fie haben bittere Beere, ihr Wein ift Drachen: in CHrifio Gifft. In EHrifto aber ift er gerecht und felig. f- Darum St. Paulus 2. Cor. 5. v. 21. fpricht: GOtt bat den, der von keiner Sünde wuſte, für uns zur Blinde gemacht, auf daß wir würden in ihme die Gerechtigkeit, die für GOtt gilt. | | Daraus

28 B.1. C. 5. Vom wabren Glauben.

Aue den Daraus ſieheſt du nun, daß dich die Wercke Hamnd nicht koͤnnen gerecht machen; denn du muſt zuvor in —— CHriſtum verſetzet ſeyn durch den Glauben, und in

sechtigkeis, ihm gerecht feyn, ehe du ein einig gut Werck thun an | und fieheft ja, Daß deine Gerechtigfeit GOttes Gnade.

und Gabe ift, Die allen deinem Derdienft zuvors koͤmmt. Wie Fan ein todter Menſch gehen, ftehen, und etwas Gutes thun, wenn man ihn nicht zuvor les bendig machet? Alſo weil du in Suͤnden todt, und GOtt abgeftorben bift, Fan ja Fein GOtt mohlgefällig Merck von dir gefchehen, wenn du zuvor in CHriſto Binfee ‚De nicht wirft febendig gemacht. Alfo Fommt die Ge⸗ ale aus vechtigteit allein aus CHriſto durch den Glauben: EHrito. Denn der Glaube it im Menfchen als ein neugebohr- nes, Eleineg, nackendes und bloffes Kind, das ftehet da a bloß vor feinem Erlöfer und Seligmacher, unbeklei⸗ det, und empfaͤhet alies von dem, der es gebohren hat, neimlich Die Gerechtigkeit, Die Frömmigkeit, die Heili⸗ gung, die Gnade und den Heiligen Geiſt. Alſo wird dis nackende bloſſe Kindlein mit GOt⸗ tes Barmhertzigleit bekleidet, hebet beyde Hände auf, Bo aber und empfaͤhet alles von GOtt, die Gnade ſamt aller nis, Seligfeit und Frömmigkeit. Dis Empfahen mas keit? chet fromm, heilig und felig. zemaun: Darum Eommt die Gerechtigkeit allein aus dem Sünde, Glauben, und nicht aus den Wercken; jader Glaube Zodund empfaͤhet EHriftum gar, und macht denfelben ihm

9 gar zu eigen, mit alle dem, was er iſt und hat: Da ben find muß weichen Suͤnde, Tod,‘ Teufel und Holle. Und ale anter wenn du auch gleich aller Welt Sünde allem auf die . EHrifo, hätteft, kan fie dir nicht ſchaden; fo ſtarck, maͤchtig u la und lebendig it EHriftus in Die mit feinem Verdienſt ben. durch den Glauben.

De ar Und weil nun CHriſtus durch den Glauben in EHrifum dir wohnet und Lebet, fo iſt ja ſeine Einwohnung nicht a ein todtes Werck, ſondern ein lebendiges Werck. Das her kommt die Erneuerung aus Chriſto durch den rn Glauben; denn der Glaube thut in Dir zwey D ——

ger d ; Denen. vſt⸗

B.LE.s. Vom wahren Glauben 29

———— ———— ———— Erſtlich verſetzet er dich in CHriſtum, und machet dir ihn zueigen. Zum andern erneuert er dich in CHriſto, daß du inihm grüngft, bluͤheſt und lebeſt. Denn was fol das Pfropff- Neißlein in Stamm, wenns nicht will grünen und Frucht bringen? Und gleichwie zus vor durch den Fall Adams, durch die Verführung und Betrug des Teuffels, in den Menfchen gefaet it ‚der Schlangen» Saame, das iſt, Die böfe Satanifche Art, daraus fo eine bofe giftige Frucht gewachſen: Alſo wird durch GOttes Wort und den Heiligen Geijt Glaube der Glaube in Menfehen geſaͤet, als ein Saame GDt- Coma tes, in welchen alle Göttliche Tugenden, Arten ud Cr genſchafften verborgener Weiſe begriffen feyn, und heraus wachfen zu einem fchonen und neuen Bilde GOttes, zu einem fehonen neuen Baum, darauf die rüchte feyn, Liebe, Gedult, Demuth, Sanfftmuth, Friede, Keufchheit, Gerechtigkeit, der neue Menfch, und das ganke Reich GOttes. “Denn der wahre Des wad⸗ feligmacbende Glaube erneuert den gangen Men Kin Ar, fehen, veiniget das Herb, vereiniget mit GOtt, ma⸗ dung. chet das Hertz frey von irdiſchen Dingen, hungert und duͤrſtet nach der Gerechtigkeit, wuͤrcket die Liebe, giebt Friede, Freude, Gedult, Troſt in allem Creutz, uͤber⸗ windet die Welt, macht GOttes Kinder und Erben ‚aller himmliſchen ewigen Güter, und Mit-Erben Chriſti. Befindet aber iemand die Freudigkeit des Glaubens nicht , fondern ift ſchwachglaͤubig und troſt⸗ los, der verzage darum nicht, fondern tröfte fich der verheiffenen Gnade in CHriſto; denn diefelbige bleibet ‚allegeit feit, gewiß und ewig. Und ob wir gleich aus Die Schwachheit fallen und ftraucheln, fo fallet doch GOt⸗ en ‚tes Gnade nicht hin, wenn wirnur durch wahre Buſſe wieder aufſtehen. EHrijtus bleibet auch immer CHri⸗ ſtus und ein Seligmacher, er werde mit ſchwachem doder ſtarckem Glauben ergriffen. Es hat auch der chwache Glaube fo viel an ChHriſto, als der ſtarcke, enn ein ieder, er ſey ſchwach⸗ oder ſtarck⸗ glaͤubig, hat Coriſtum gantz zu eigen. Die verheiſſene Gnade Be il

so B1.E6 Wie GOttes Wort

iſt allen Chriſten gemein, und iſt ewig, darauf muß der Glaube ruhen, er ſey ſchwach oder ſtarck. GOtt wird dir zu ſeiner Zeit den empfindlichen freudenreichen Troſt wohl wiederfahren laſſen, ob ers gleich in deinem Her⸗ Ken eine Zeitlang verbirget: Pf. 37.0. 24. und Pf. 77. 0.8,9,. 10, 11. Davon im 2. Buche.

Gebet.

>) allerliebſter himmliſcher Vater, ich bitte dich hertzlich, res giere mich boch mit deinem Heiligen Geift, und "nd durch Denfelben den rechten, wahren, lebendigen Glauben an deinen allerliebften Sehn IJEſum Ehriftum in mir an, daß ich denfelben möge recht erkennen, und betrachten, wie groffe Liebe er mir er; tiefen, damit ich mit ihm möge vereiniget werden, und aus ihm neue Krafft, neues Reben, neuen Troft, Friede und Freude em⸗ pfinden, und alfodurch den Glauben neu gebohren werden. So erde ich denn als ein Wiedergebehrner immerdar in deinen Geboten einher gehen: Laß meine Seele hungern und türfien nad) deiner Gerechtigfeit, die da wuͤrcket Liebe, Friede, Freude, Gedult, Troft in allem Ereuß. Achmein Vater! Laß mich in ſolcher Erkaͤnntniß und Glauben an meinen allerliebften Heyland und Seligmacher CHriſtum JEſum zugleich wachſen und zuneh⸗ men, ſo will ich dir nicht nur hier dancken in der Zeit, ſondern auch dort in alle Ewigkeit! Amen.

Das VI. Capitel. Wie GOttes Wort muͤſſe in Menſchen durch den Glauben ſeine Krafft erzeigen, und lebendig * werden. | £uc.17.0.21, Sebet, dus Reich GOttes ift in- wendig in euch.

Dergange N Jeweil alles an der Wiedergeburtb und Er⸗ Menfch neuerung des Menſchen gelegen, fo hat mirdin der GOtt alles das, was im Menſchen geiftlich

Schrift im G ͤſſe, in Die aͤuſſerli fi 2 A „. im Glauben geſchehen uff, in die aufferliche Sen

# Luther. Diejenigen, die GOttes Wort nicht im Herten ſchme⸗ chen, fühlen und empfinden, die bangen noch mit den Ohren ander Menſchen Mund oder Feder,fie faffen das Wort GOt⸗ tes nur Aufferlich allein init dem Buchftaben. Hutter. Do- ctrina eriamEvangelii per feitanude accepra& confiderata, niſi aliud accelat, tantum annunciat, fidem in Chritum &

r vitam

im Menfcben erfüllee werde ° 31

verfaffet, und Darinn den gantzen neuen Menſchen abges bildet. , Denn dieweil GOttes Wort der Saame EHDttes in uns ift, ſo muß er ie wachfen ineine geiftliche Fracht, und muß das dargus werden durch den Glau⸗ ben, was die Schrifft aufferlich zeuget und lehret, oder es if eintodter* Saame und todte Geburth, Ich muß im Geift und Glauben rröftlich einpfinden, daß dem alſo ift, wie die Schrift ſaget. | - 68 bar auch GOTT die heilige Schrift nicht SDttes

darum offenbaret, daß fie auswendig auf dem

pier als ein todter ** Buchſtabe fol ſtehen bleiben; bendis wer⸗ | | fondern den

etz e —⸗ñe vitam pollicerur credentibus, & præterea nihil efficit; quia ficnude tantum ratione doctrinæ & prædicationis ne- que fidem largitur, neque vitam: Alioquin omnes, qui au- diunt Evangelium, reciperent fidem, & per fidem vitam æternam. Das iſt: Auch die Lehre des Evangelii an und vor ſich ſelbſt alſo bloßhin genommen und betrachtet, wo nicht noch etwas anders dazu koͤmmt, verkuͤndiget nur den Glau⸗ ben an Chriſtum, und verheiſſet das Leben den Glaͤubigen, und uͤber dieſes thut ſie nichts mehr, weil ſie alſo bloß, ſo ferne fie nur eine Lehre und Predigt iſt, weder den Glauben noch das Leben giebet. Denn fonften empfiengen alle, die das Evangelium hören, den Glauben, und durd) den Glau⸗ ben dag ewige Leben. Cchlüffelb. Non eft dubium, quin Scriptura, nifi per Spiritum $. inteiligatur, parum fir uti- lis, & magis occidat, quam vivificet, Das iſt: Es iftfein Zweifel, daß, wo die Heil. Schrift durch den Heiligen Geiſt nicht verftanden werde, wenig nüße, und mehr tödte, als

lebendigmache. Varen. Siehe auch drunten Eap. 36. *Die Schrifft iſt allezeit in ſich ſelbſt lebendig, aber fie wird ein todter Saame, wo fie auf einen Acker fällt, der ungläus big ift, und dem Heil. Geifte winerftrebet.

#* Brent, Omis:s hominum doctrinæ mortua litera funt, nifi Chriftus fua cœleſti voce eam vivificantem reddat. Das iſt: Alle Menfchen Lehren (verftehe, fo ferne fie von Menſchen gelchret und geprediget werden,) find ein todter Buchftabe, wo nicht Chriſtus diefelbige mit feiner himmliſchen Stimme lebendig machet. D. Adenarius, Ohne des Heiligen Geiſtes Gnade und innerliche Erleuchtung ift dag Wort ein todter Buchſtabe, und Fein Nuß, hat auch feine Krofft nod) Leben. Arndis Meynung iſt: Die Schrift ift nicht von GOTT darum geoffenbaret, daß fie auswendig auf dem Papier als

au

32 BLEs Wie GoOttes Wort |

fondern fie foll-in ung lebendig werden im Geift und Glauben, und foll ein gang innerlicher neuer Menſch daraus werden, oder die Schrifft iſt uns nichts nuße, 1.8. Mof. Es muß alles im Menfchen gefchehen durch E-Hriftum le der at, im Geiſt und Glauben, was die Schrift * auffer-

‚teundneuelich Iehret., Als zum Exempel, befiche die Hifterie

Dee in Cain ** und Abels, fo wirft du in ihren Arten und vorgebilder Eigenſchafften finden dasjenige, was in dir ift, nem⸗ ee fi) den alten und neuen Menſchen mit allen ihren indie. Werken. Diefe beyde find in dir wider einander; denn Cain will immer den Abel unterdiicken und erwurgen: Was ift das anders, denn der Streit zwiſchen dem Fleiſch und Geift, und die Feindfchafft - des Schlangen» Saamens und Weibes⸗Saamens? 1.8.Mof. Die Suͤndfluth muß in dir gefchehen, und die boͤſe 7.92 Unart des Fleiſches erfauffen: Der glaͤubige Noah muß in dir erhalten werden. GOtt muß einen neuen 1.B. Moſ. Bund mit dir machen, und du mit ihm. Das ver- Bram worrene Babel muß in dir miht aufgcbauet werden Babel im in feiner Pracht. Du muft mit Abraham ausge= Menſchen. hen von aller deiner Sreundfebafft, alles laflen, - aauch dein Keib und Leben, und allein in dem Wil⸗ 1.3. Moſ. len GOttes wandeln, auf daß du den Gegen erlan⸗ Matıh, 10, gef, ins gelobte Land und ins Reich GOttes koͤmmſt. 0.37... Was ift dasanders, denn dasder HErr Tuc. 14.0. 26. Bein fagt: Wernichtverläßt Vater, Mutter, Rinder,

Sarpf .. Schwefter, Haus, Aecker, Güter, ja fein Keben, and Sıreit | der

ein todter Buchftabe, das ift, als wäre es ein todter Buchs ftabe, vergeblich ohne Ubungfteben bleiben folle. Yaren.

* Dasift: Es muß die Schrift mit gläubigen und geiftlich« - gefinnten Hergen angenommen durch des Heiligen Geifteg kraͤfftige Würcfung und des Glaubens lebendige Ubung in

ung erfüllet, und in unſer Leben verwandelt werden. Nicht aber muß alles von ung geiftlich veritanden werden, Ein anders ift, der heiligen Schrift gerftliche Bedeutung und Berftand, ein anders, der geiftliche Gebrauch, Ubung und

. Erfüllung der Schrift. Haren. } j

xx Leuhber. Ein ieglicher Abel hat feinen Cain, der ihm wider

die Seele ſtreitet. Farem,

im Menſchen erfüller werde, 33

der kan nicht mein Juͤnger ſeyn: Das ift, che er des @einss

Chriſtum wolte/ verleugnen? Du muft mit Abra- 1" le

ham ftreiten wider die fünff Könige, die in Dir Schlacht

* nemlich Fleiſch, Welt, Tod, Teuffel und Suͤnde. vorgebüdet,

Du mußt mit Loth aus Sodom und Gomorrha, net ausgeben: Das iſt, das ungöttliche Keben der Welt E. 19. v. perleugnen, und mit Loths Weibe nicht zurücke fe- @aaı ben, wie der HErr Luc, 17.0, 32: fpricht: Summa: Sodoma GHDtt hat die gange heilige Schrift in den Geiſt innen und Slauben gelegt, und muß alles in dir geiftlich * Borbitde geſchehen. Daher gehören. alle Kriege der Sfraeliten ale wider die Heydnifchen Voͤlcker. Was iſt dasanders, erfüller

denn der Streit zwifchen dem Fleiſch und Geiſt? Da⸗ EB. hof her gehöret des gange Mofaifche aufferlicye Prieſter⸗ 17.0.8.

thum mit dem Tabernackel, mit der Lade des Bundes,

mit dem Gnaden-Gtuhl: Das muß alles in dir geiſt⸗

lich feyn, durch den Glauben mit dem Opffern, Raus

chern, Beten. Dein Herr EHriftus muß das alles.

indir ſeyn; Er hats alles zufammen gefaffet in dem

neuen Menfchen, und in dem Geift, und wird alles in

dem Slauben vollbracht, ja offt in einem Seuffzen:

Denn die gange Bibel fleuft zufammen in ein Centrum

oder Mittel Punct in dem Menſchen, gleichtvie auch

die ganke Natur. ED i

Alſo, was ift das, Neue Teftament dem Buchſta⸗ Gang Neu

ben nach anders, denn ein aͤuſſerlich Zeugniß, Daß zenament

es alles im Menfchen alfo muß ** im Glauben ges neuen

+1Cheil, - | A, ſchehen?

*Die Meynung iſt nicht, daft deßwegen alles muͤſte geiſtlich verſtanden werden; denn auch die klaren hellen Sprüche muͤſ⸗ fen in ung geiftlich erfülfer werden; Das iſt, in unfern geiftlis chen Nutzen, Gebrauch und Ubung gebracht werden, und zie⸗ ben doch feinen geiftlichen Verſtand an,fendern bleiben in ‘ihrem buchftäblichen Berftande, wie fie lauten. Yaren. Alle klare helle Sprüche des Neuen Teſtaments, die in ihrem buchſtaͤblichen Verſtande bleiben, müffen doch imung geiſt⸗ lich im Glauben gefihehen und erfüllet werden. Die Ges fhichte des Neuen 555* belangend, koͤnnen dieſelben auch beydes nach dem buchſtaͤblichen Verſtand und nach —* Beilichen Deutung in ung gefchehen oder erfüllet wer⸗ ein Faren, \

34 B.1.€.6. Wie GOttes More

“Menfehen fehchen? Denn das ganse Neue Teſtament Auß gank erfüllt und garin ung ſeyn, und dringet auch mit Gewalt. Zue.170.21. dahin, weil das Reich GOttes in uns ift. Denn "wie EHriftus it durd) den Heiligen Geiſt im Glau⸗ ben von Maria empfangen und gebohren, alfo muß EHrifi Le: er in mir geiſtlich empfangen und gebohten werden; „ber muns Gy * muß im mir geiſtlich wachſen und gunchimen. _ muß Und weil ich aus CHriſto bin eine neue Ereatur ges fchaffen, ſo muß ich auch in ihm leben und wandeln; Ich muß mit ihm und in ihm im Extlio und Elend ſeyn; Ich muß mit ihm in Demuth und Verſchmaͤ⸗ hung der Welt, in Gedult und Sanfftmuth, in der, Liebe wandeln. Ach muß mit ihm meinen Feinden vergeben, barınhergig feyn, Die Feinde tieben, den Wil⸗ Ion des Vaters thun: Sch muß mit ihm vom Satan _ verſucht werden, und auch überwinden: Sch muß mit“ - ihm um der Wahrheit roillen, Die in mir iſt verfpottet, verathtet, verhönet, angefeindet werden, und ſo es feyn foll, auch den Tod um feiner willen leiden, wie alie feine Heiligen, um -Zeugniß vor ihn und allen Auserwehl⸗ fen, daB er in mir, und ich in ihm geweſen und gelebet babe durch den Glauben. Wie men Das heiſt recht dem Bilde Coᷣriſti aͤhnlich wer⸗ DR BD den, nemlich mit ihm und in ihm gebohren werden, ui Cetiſtum recht anziehen, mit ihm und in ihm wachfen wid und zunehmen, mit ihm im Elend walten, mit feiner Tauffe getaufft werden , mit ihm verfpotiet werden, mit ihm gecreugiget werden, mit ihm fterben und aufs erftehen, mit ihm auch herefchen und regieren, und. daſſelbe nicht allein durchs heilige Creutz, fondern auch Durch tägliche Buſſe und innerliche Neu und Leid über die Sünde. Ro a Da

mh —— x Lucher. ad Gal.4.v.19. Non dixit, donec in Chriſtum for- { memini, fed formetur Chriftus in vobis, quia vita Chriftia- ni non eft ipfius, fed Chrifti in eo viventis, Gal, 2. v.20,

Das ift: Er ſaget nicht, daß fie in EHriftum mögen gebildee werden, fondern daß Chriſtus felbft in ihnen mochte gebildee werden: Denn eines Ehriften Leben ift nicht fein eigen Leben,

fondern EHrifti,der in ihm lebet. Faren. % pP:

im Menſchen erfüllee werde, 35 Da muft du räglich mit CHriſto ſterben, und CHritus bein Sleife) creusigen, Nom.6. v.5.6. Galat. sn dir v. 24. oder du Fanft mir CHriſto, als deinem Haupt, nichtvereiniget bleiben; Du haft ihn auch ſonſt nicht in.

Dir, fondern auffer div; auſſer Deinem Stauden, "Ders und Seit. Und da wird er dir nicht. helffen ſondern in die will er lebendig feyn, tröften und felig machen.

Siehe, das thut dev Glaube * alles, Der machet Im Glau⸗ das heilige Wort GOttes in, dir ** lebendig, und iſt el in die ein lebendiges Zeugniß alles deſſen, Davon die ſeyn. Schrifft zeuget. Und das heift, der Glaube iſt eine Subltanz und Weſen, Eor.ı1.d. 1,

Alſo tft hieraus genugfam offenbar, wie alle Pre⸗ Bigten und Neden, fo aus EHrifti, dev Propheten und

Apoſtel Munde sangen, und die gantze heilige Schrifft, Ale —* gerichtet eyn auf den Menſchen, und auf einen —32 jeden unter uns! Alle Parabolen CHriſti gehen auf Wenſchen. mich, und auf einen ieden inſonderheit, ſamt allen Wunder⸗Wercken.

Und darum iſts auch geſchrieben, daß es in ung Coriſti geiſtlich geſchehe. Denn CHriſtus bat andern ge —— holffen; er muß mir auch helffen: Denn er iſt in mir, geitti in er lebt in mir; Er bat Blinde fehend gemacht; ich En bin auch geiftlich blind 5 darum muß er mich auch fe en an hend machen: Und alfo mit allen Wunder⸗Wercken.

De, eg, Da

* J *

* Inh, Wer nicht glaͤubet, wäre beſſer, daß derſelbe nichts in

der Vibel wuͤſte, oder ſtudirete: Denn er verfuͤhret ſich und

iedermann mit feinem irrigen Licht, welches er meynet, es ſey der Schrifft Licht, welche ſich doch nicht laͤſſet verſtehen ohne dem rechten Glauben.

*unſer Glaube giebt nicht erſt GOttes Wort dag Leben oder Zeugniß, ſondern GOttes Wort machet den Anfang, zeuget von GOttes Willen, Gnade und Liebe: Dee Glaube, der aus dem Wort wächfet, ergreiffets, und bringet das Aufferli« ‚he Gezeugniß ins Hers, und fchöpffet lebendigen Troft herz aus, und wird alfoein innerlich Gezeugniß daraus, und da ea dann eine liebliche Harmonie des innerlichen und ‚Aufferlichen Gezeugniſſes, wenn wir es im Hertzen alfo em

‚pfinden, wie die Schrift Äufferlich zeuget und lehret, Farem,

36 B1.E.6. Wie GOttes Wort B are |

Da erkenne dich für einen ‘Blinden, Lahmen, Krüppel, Tauben, Auffasigen, ſo wird er dir heiffen. Er hat Todte lebendig gemacht: ich bin auch todt m Suͤnden: Er muß mid) in ihme lebendig machen, auf daß ich Theil habe an der erſten Auferſtehung.

Aeuſſerli · Summa: Der Glaube thut diß alles im Men⸗ der Bud fchen, was die Schrifft von auſſen zeuget. Sie bes A ſchreibet das Bild GSttes von auffen; das muß in mugim mir feyn durch den Glauben. ie befchreibet das ei er Reich GOttes aufferlich im Buchftaben; das muß. in mir feyn durch den Glauben. Cie befchreibet CHriſtum von auffen: Cr muß in mir feyn duch den Glauben. Die Schrift befihreibet den Adam, feinen Fall und Wiederbringung; es muß alles in mir feyn. Die Schrift befchreibet Das neue Ferufaz lem; das muß in mir * feyn, und ich muß es ſelbſt Offenb. ſeyn. * Die Schrift zeuget von auffen von der Job. 2% neuen Geburth, von der neuen Erearur ; das muß alles in mir feyn, * und ich muß es felbft feyn durch > den Glauben, oder die Schrift iſt mir nichts nuse, Das iftalles der Glaube, und des Glaubens Werck in uns, ja GOttes Werck, und das Reich GOttes in unferm Hertzen ıc,

* Gebet.

* Wir muͤſſen durch den Heiligen Geiſt von innen unſers Glaubens verſichert werden; es muß ein inniger Troſt ſeyn: Denn der Geiſt GOttes ung in der letzten Noch nicht von auffen, daß er drauffen bleibe, fondern inwendig im Hergen troͤſtet, ftarcker und freudig machet, daß wir durch dem ‚Glauben, der auch im Hergen ift, alles überwinden, Wels | - cher Glaube aber nicht fan ohne GOttes Wort feyn, daran ſich der Glaube allein halten muß, und durchs Wort auch geftärcher werden, Darm. x DVerfiche, was das Wort Ichret, daß ich foll gläubig, geduls tig, getroft, gottfelig feyn. Varen. xxx Solche Wiedergeburth, welche die Schrifft beſchreibet, muß freylich in dem Menſchen ſelbſten ſeyn, ob ſie wol nicht von ihm ſelbſt iſt.

im Menſchen erfüllet werde. 57

O Her JEſu CHrifte, du ewiges Wort des Vaters, der du Joh-r. v 13. . unsdein heiliges Evangelium aus dem Schooß und Herz

gen deines himmliſchen Vaters herfür bracht undgeoffenbaret

haft, ich klage und befenne dir von Hertzen daß ich dein Wort offt

‚gering ee ungern gehöret, unfleißig gelernet, nicht von

Hergen betrachtet, nicht rechtfchaffene Luft und Liebe dazu ge⸗

habt, fondern vielmehr die weltliche Eitelkeit demfelben vorge: '

sogen ; da Doch dein Wort ein theures werthes Wort ift, der edel⸗ HeSchat, die höchfte Weisheit, welche auch die Engel gelüftet

anzufhauen. Ach vergieb mir folche meine Unachtſamkeit und ı. Petr. r. . Verachtung deines ſelſgmachenden Worts, wende bon mir ab v- I. "die ſchwere Straffe, die du draueft: Weil du mein Wort verz

worffen haſt, will ich dich wieder verwerffen. Zuͤnde aber in mir" * an ein heiliges Verlangen zincn hitzigen Hunger nach dem Brod

des Lebens, ald.nach der edlen Geelen-Speife; einen heiligen feurigenDurft mach dem Brunnen undWaffer desLebens: Denn bey die ift die lebendige Duelle, und in deinem Richt ſehen wir Df.36. v. io.

das Licht. Lak dieſen edlen himmliſchen Saamen auf dem guten Luc. 8. d.8-

Acker meines Hettzens hundertfaͤltige Fruͤchte bringen/ an Weis⸗

heit, an Erleuchtung, an Troſt. Ach befeuchte das duͤrre Erd. reich meines Hertzens mit dem göttlichen Thau und Regen dei⸗ nes H. Geiſtes, daß dein Wort in meinen Hertzen bekleibe, und

nicht leer wieder zu dir bkomme; ſondern mein Hertz gruͤnend und Zef.sg.d.1r-

bluͤhend mache in deiner Liebe, in deiner Furcht, in deinem Er; fänntniß, in allen Ehrifilichen Tugenden, und alles augrichte, dazu du es gefandt haft, daß eg, als dein gotklicher und unver⸗ weslicher Saame, mich zum Neugebehrnen GOttes mache, daß

- du, o GAtt Vater, Sohn und H. Geift, durch dein Wort zu mir Joh. 14,

- kommieft, und Wohnung bey mir macheft. Ach gieb, daß ich aus v. 23. deinem Wort dich und mich recht erkenne, mein Elend und deine Barmhertzigkeit, meine Suͤnde und deine Gnade, meine Armuth und deinen Reichthum, meine Schwachheit und deine Staͤrcke, meine Thorheit und deine Weisheit, meine Finſterniß und dein

"Licht. Ach erleuchte die Finſterniß meines Hertzens mit dem Glantz deines göttlichen Lichts; Erleuchte du meine Leuchte, HErr mein GOtt, mache meine Sinfternifilicht. Ach fchreibe

dein Wort durch den Finger deines 9. Geiſtes in die Tafel mei; nes Hergeng, auch deine Erkaͤnntniß, deine Liebe, Deine Furcht, daß ich dein nimmermehr vergeffe, noch aus meinem Hertzen vers liehte. Ah HErr JEſu, niein Präceptor; mein Doctor, mein Prophet, laß mich das befte Theil erwehlen, und mit Maria zu ?uc. 10. deinen Füffen figen, dein Wort lernen, den höchften Schaf in b. 4?

ben Schrein meines Hertzens faffen, ſammlen und einfchlichen,

daß ichs ewiglich bewahre, und Frucht bringe in Gedult. Ach Krim €3 wohl

38 DLE,6. Wie GOttes Wort

B. \ HI 1 ne —— Pſ. z4. v. 5. wohl den Menfchen, die in deinem Haufe wohnen, die loben dich immerdar! Wohl dem, den du erwehleſt, und zu dir läffeft, daß Pſ. 65.0.5. er wohne in deinen Höfen, ber hat reichen Troft von deinem hei⸗ \‚ ligen Tempel. Gieb daß ich veinetheure Verheiffang möge bes denken: Wer mein Wort wird halten, ber wird den Tod nicht Joh. 8.0.5. fehen ewiglich. Meine Schaafe hören meine Stimme ; Forſchet 5 10. 0.27, in der Schrift, denn ihr meynet, ihr habet das ewige Leben dar⸗ 2 2 ge ‚Innen, und fie iſts, die von mir zeuget: Wir haben ein feſtes Pros, v.19. . . pbetifihesißort,dag da ſcheinet als ein L.cht imSinfterniß. Mein Röm.r, Wort follnicht-Ieer wieder zu mir fommen. Es iſt eine Krafft v.16..° Gttes ſelig zu machen, diedrangläuben. Wohl dem der kuft 1 a hat am Gefe des HErrn, und davon rede Tag und Nacht. Gieb gig. fog, Mir, HErr,doß ich mich deines Wortes freue überallerkepReich» 7 thum. Eröffne mir die Augen, daß ich fehe die Wunder an deis nemGefeg. Sieb mir Luft zu deinen Ziugniffen, und laß fie meine Rathsleute feyn. Zeige mir, HErr, den Weg deiner Rechten, daß ich fie bewahre biß ans Ende. Neige mein Herg zudeinen Zeuguiffen, und nicht zum Geiß. Wende meine Augen ab, daß fie.nicht fehen nach unnüger Lehre, fondern erquiche mich auf Deinen Wegen, und nimnı ja nicht von mir das Wort der Wahr⸗ heit. Das iſt mein Troſt in meinem Elende, dein Wort erquicket mich. Laß das mein Schatz feyn, daß ich deinen Befehl halte. Laß das mein Erbe feyn, daß ich deinen Weg halte, Lehre mich beilfame Sitten und Erfänntnig. Laß das Gefeß deines Muns des mir lieber feyn, denn viel tanfend Stück Geldes und Eils berg. Wenn dein Gefeß nicht wäre mein Troft gemefen, fo twäre ich vergangen in meinem Elende, Sch habe alles Dinges ein Endegefehin, aber dein Gebot währet erviglich. Laß dein Wort ‚meinem Munde füfer fenn,denn Honig und Honigfeint. Laß deis N ne Zeugniß mein ewiges Erbe fenn,denn fie find meines Hertzens Troſt. Erhalte mich durch dein Wort, daß ich lebe, und laß mich nicht zu ſchanden werden uͤber meiner Hoffnung. Laß ſich meine Augen ſehnen nach deinem Heil, und nach dem Wort deiner Ge⸗ rechtigkeit. Handele mit deinem Knecht nach deiner Gnade, und lehre mich deine Rechte. Ich bin dein Knecht, unterweiſe mich, "daß ich erkenne deine Zeugniß. Laß mir dein Wort offenbar wer⸗ den, daß es mich erfreue und flug mache, Wende dich zu mir,und fen mir gnadia-toie du pflegeft zu thun denen, die deinen Namen * lieben. Die Gerechtigkeit deiner Zeugniß ift ewig > Untermweife mich, folcbe ich.» Dein Heil ift ferne von den Sottlofen ; denn fie achten deiner Nechten nicht. Groffen Frieden haben die, fo dein. Gefeg lichen, und werden nicht ſtraucheln. O HErr, bein Geſetz iſt ohne Wandel, und erquichet die Seele. O HErr,dein Zeugniß ift gewiß, und machst die Altern weiſe. HErr,deine Befehle find richtig, und erfreuen das Hertz. HErr,deine Gebote find lauter, . und erleuchten die Yugen HErr, deine Furcht iſt rein, und 02 t

im Menſchen erfuͤllet werde. 39 bet ewiglich. Die Rechte des HErrn ſind wahrhafftig, altefam! recht, fie find koſtlicher denn Gold, und viel feines Goldes, fie find füffer deun Honig und Honigfein, auch wird dein Knecht durch fie erfreust, und wer fie halt, hat groffen Lohn. Ey? Des VII. Capitel. ; Wie das Geſetz GOttes ın aller Men⸗ ſchen Hertzen geſchrieben ſey, welches fie übers zeuget, auf daß fie an jenem Tage keine Entſchul⸗ N; digung haben. ST, £ 3 Kom. 2.v.14.15 Indem die Heyden des Geſetzes Wercke thun, beweifen fie, daß das Gefeg in ‚ihrem Hertzen gefehrieben fep. dig | | Ls GOtt der AKrrdentfienfhennachfeinem: 3. Hof. Bilde fehuff, in vollkommener Gerechtigkeit wu 26.27 undNeiligkeit,und ihn mit ho hen Goͤttlichen Tu⸗ genden und Gaben zierete und ſchmuͤckete, und als ein vollkommenes ſchoͤnes Meiſterſtuͤck ausarbeitete, als ein hoͤchſtes und edelſtes Werck und Kunſtſtuͤck, hat er drey fuͤrnehme Kigenſchafften den menſchlichen Drey Ei⸗ Gepwiſſen ſo tieff eingepflantzet, daß fie nimmermehr, denkbar Be nicht Eonnen ausgetilgei werden: Zum 1..Seeien ein das natůrliche Zeugniß, daß ein GOtt iſt. Zum 2. Lepflautzet. das Zeugniß des juͤngſten Gerichts, Nom. 2. v. 5. Zum 3. das Geſetz der Natur, oder natuͤrliche Ges rechtigkeit, dadurch Ehre und Schande unterſchieden, Sreudeoder Traurigkeit empfunden wird. . Denn es it. nie ein Dolch fo wild und barba⸗ riſch geweſen das da verläugnet hätte, daß ein GOtt ‚wäre; denn die Natur hat fie inwendig und auswen⸗ ‚Dig überzeuget. Ja ſie haben aus ihrem Gewiſſen em⸗ pfunden, daß nicht allein ein GOtt fep, fondern- er auch müfle ein gerechter GOtt feyn, der dag Boͤſe ftrafe, und das Gute belohne, weil fie in ihrem Gewiſſen entweder Schrecken oder Freude empfuns den. Daraus haben fie ferner geſchloſſen, daß .Die Liebe der Seele müffe unfterblich feyn; wie Plato davon gewal⸗ Natue. tig diſputirt; And legtlich haben fie aus dem Geſetz der Natur, Das ift, aus der angebohrnen natürlichen C4 Liebe

40 B.l. C.7. Wie das Geſetz GOttes

Liebe wohl geſehen, daß GOtt ein Urſprung alles Guten ſey in der Natur: Daher ferner fie geſchloſ⸗ fen, daß demfelben müffe mit der Tugend und reis nem Hergen gedienet’ werden. Darum fie in die Tugend Das höchfte Gut gefeet haben. Daher die ' Tugend⸗ Schulen des Sorraris und anderer. weifen Fündtein Philoſophen entftanden feyn. Daraus ſehen wir Tepen nun, wie GOtt ein Fuͤncklein des natürlichen Lichts, Pänutnifes oder cine Spur und Merckmai, auch nach dem Fall, 96 laſſen übrig bleiben, auf daß der Mienfeh feinen Urz 17.0.28. fprung foll erkennen lernen, woher er kommen, und demſelbigen nachgehen. "Wie auch etliche der Hey⸗ ddoen ſolches gemercket, als der Poet Ararus bejeuget, welchen St. Paulus anfuͤhrt, Apoſt. Geſch. ı 7. v. 28. Wir ſind GOttes Geſchlecht. Und Manilius: An du- bium eſt, habitare DEum ſub pectore noſtro, in cœ- lumque redire animas, cœloque venire? Das iſt: Es iſt kein Zweifel, es wohnet GOtt unter unſerm Her⸗ Gen, und die Seelen kommen wieder in Himmel und

vom Himmek a; Heyden ha· Heil nun die Heyden das natürliche Zeuaniß a, GOttes wider ihr Gewiſſen verachtet, und alfo den sun. chöpffer felbit, werden fte durch ihre eigene Schuld | verdammet werden, und Feine Entfchuldigung haben; len ı Denn fo fihleuft Br. Paulus: Mer da weiß, daß 9 ein OOtt iſt, und fraget nicht danach, oder ach- | tet nicht, wie er ihn recht erkennen, und ihm die⸗ nen möge, der wird am Tage des Gerichts Feine Entſchuldigung baben,Köm.1.0:19.20. Und fehleuft ferner: [Weil die Heyden GOttes Gerechtigkeit erkannt baben, indem fie von Natur gewuft, daß, die Boͤſes thun, des Todes werth fepn, haben aber das Böfe nicht allein gethan, fondern auch - Gefallen dran gebabt, ſo baben fie fich ſelbſt ver- Km. 2. urtheile v. 32. Item Rom. 2.0.15. Ihre Gedan⸗ * F "den, die ſich ſelbſt unter einander verklagen oder R entfehuldigen, haben fie überzeuget des zukuͤnfftigen Gerichts. So nun die Heyden Feine ——— 1 m,

in die Hertzen geſchrieben. 4

haben, die nicht allein von Natur wiſſen, daß ein

GOtt iſt, ſondern auch wider ihr Gewiſſen GOtt

nicht geſucht haben; vielweniger werden, Die Ent- Eprifien

fehuldigung haben, weldyen GHOtt fein Wort geoffen⸗ Penn a

baret hat, und fie durch IEſum EHriflum feinen lie⸗ Euiſchut⸗

ben Sohn: hat laffen zur Buſſe ruffen, das ift, von zn,

Sünden abzuftehen, fi) von dem gottlofen Weſen Heyden.

abzuwenden, auf Baß fie durch den Glauben Des Ders

dienſtes EHrifti mochten. fahig und theilhafftig, und

ewig felig werden. > J | ‚Darum wird ein ider Menfeh, der CHriſti Na⸗ Job. 12.

men Eennet, und fich nicht befehret hat, an jenem Tage Zukenzen

zwey gelvaltige Zeugen wider fich haben; Zum 1. gen, fo ade

ſein eigen erg, Bewiffen, und Das Gefeg der Dias nanskr,

tue: Zum 2. GOttes geoffenbartes Wort, wel⸗ dammen

ches ihn richten wird an jenem Tage. Darum auch werden.

ein ſchreckliches Urtheil und Verdammniß Darauf er⸗

folgen wird, wie ver Herr ſpricht: Daß es Sodoma

und Gomorra an jenem Tage ertröglicher wird -

ergeben, und die Königin von Mittage wird aufe

ſtehen, und dis Gefhlecht verdammen. Matth.

2.0. 24.0.1329, 42. |. |

. > Und daher wird die ewige Guaal und Pein ents Woher die

ftehen, weil GOtt die Seele unfterblich erfchaffen, und Cyan, der

in der Seelen das Gewiſſen, Das. immer und ewig

GOttes eingedenck ift, und kan doch nimmermehr zu

GOtt kommen; welches ift die gröfte und ewige Pein

der Seelen. | " EN.

Und ſolche innere ewigwährende Seelen Pein Woher die

wird fo viel deſto gröffer feyn, fo viel immer mehr und un, der

‚mehr durch Unbußfertigkeit GOttes Zorn gehaͤuffet Dein.

wird, Mom. 2.0.5. auf den Tag des Gerichts.

Denn gleichwie GOtt der Herr nach feinem ge⸗

rechten Gerichte die Heyden in einen verkehrten Sinn

gegeben, weil fie das innere Gefeg der Natur

und eigen Gewiffen, ad GOTTES Geredtig-

keit in ihr Her gefchrieben, verworfen, und nichts

geachtet, fondern demfelben als GOtt felbft wider⸗

&.5: ſtrebet;

*

42 B. IJ. C.7. Wie das Geſetz GOttes ſtrebet; durch welche Verblendung ihrer Sinne ſie in greuliche abſcheuliche Suͤnden und Greuel gera⸗ then ſeyn, dadurch fie GOttes gerechten Zorn achaufs

Woher es fet haben: Alſo, weil, die, fo Ehriften feyn voollen,

ta beyde das innere und aufferliche Wort und Zeugniß

Ehrifen GOttes verwerffen, und nicht allein nicht wollen

ef sräffere Buſſe then ſondern Dem Heiligen Geiſt widerſtreben,

geicheben, und GOtt laͤſtern, giebt fie GStt dahin i in einen vers

nn Eehrten Sinn, daß fie Arger werden, denn Die Deyden

a und Tuͤrcken; fendet- ihnen Eräfftige Irrthum, daß fie den Aigen glauben, auf daR geſtraft

werden alle, ſo Auft baben an der Ungerch-

tigkeit, 2. Theſſ. 2.0. 11. ı2.

Abſcheuli⸗ Daher ſolche abſcheuliche Laſter bey den Chri⸗

rd fien im Schwange gehen, die nie erhöret ſeyn; ſolche

Ba leuteliſche Hoffart und Pracht, fo uneufäktlicher Geit, fehändliche Woluſt, viehiſche Unzucht, und unmenfch-

liche Thaten, welche alle aus Verblendung und Ver⸗

ſtockung eines verkehrten Sinnes geſchehen. Denn

weil die Chriſten nicht wollen in ihrem Leben folgen

‘Dem niedrigen, arınen, fonfftmüthigen und demuͤthi⸗

gen Criſto, ſondern ärgern ſich an ihm, ſchaͤmen ſich

feines heiligen Lebens, da ihnen doch GOTT. den⸗

ſelbigen zum Licht der Welt hat vorgeſtellt, daß

Wer En fie ſollen nachfolgen feinen Fußſtapffen, Joh. 8.

fonichtfo , 12. fo giebt ſie GOtt dahin, daß fie dem Satan

gen will, muß den folgen, und * teufeliſch Leben annehmen durch aller⸗

er ſol⸗ ey Greuel, Zügen und Unharmhertzigkeit, zu vollbrin⸗ gen die Wercke der Sinfternig, weil man nicht will im Picht wandeln, ald der HERR Johann. am ı2, v. 35. richt: Kieben Binder, wandelt im Kichte, teil ibrs auf daß euch die Finſterniß

| nicht überfalle,

Gott if Und legtlich, weil GOTT die Heyden mit ſo

ſchrecklicher Blindheit und verkehrten Sinn geſtra⸗

nes Mei: fet, weil fie dem kleinen innerlichen Lichtlein, fo in ih⸗

* ers nen von Natur iſt, und ihrem eigenen Gewiſſen, und

* Geſetz der Natur nicht haben Folge * *

in die Hertzen gefehrieben. Re

wie Et, Paulus redet, Nom. 1. v. 28. nicht geachtet haben, daß fie GOtt erkennen, alſo, daß fe durch ihre eigene Schuld verluftig worden ſeyn der ewigen Se⸗ ligkeitz wie vielmehe werden Die der ewigen Seligkeit beraubet werden, welchen nicht allein von Natur, ſon⸗ ‚dern Durchs geoffenbarte Wort GOttes und Durch den neuen Bund, GOttes Wort ins Hertz geſchrie⸗ Der neue ben, und achten doc) dieſer groſſen Gnade und Ser Sup ins ligkeit nicht, Davon Ser. 31. v. 33. ſtehet: Das ſoll järieden. der nette Bund feyn: ch will mein Gefer in ihr Hertz geben, und in ihren Sinn führeiben, und ſoll keiner den andern lebren, und fagen: Erlenne den Errn; fondern fie follen mich alle kennen, groß und Bein, fpricht der HErr: denn ich will ihnen ihre Miſſethat vergeben, und ih⸗ rer Sünden nimmermebr gedenden.

So wir num, ſpricht die Epiftel an die Hebraer Hebr. 18. am 10. v. 26. muthwillig fündigen, nachdem wir" 26.

die Erkaͤnntniß der Wabrbeit empfangen, ba>

ben wir förder Eein ander Opffer mehr für die

Binde, fondern ein fehredlich Warten des Be- Schrediih richts und des deuer Eifers, der die Widerwaͤr⸗ nkahfen

tigen verzehren wird, Denn fo iemand das Be-tigkeit, feg Miofis bricht, der muß fterben ohne Barm⸗ berzigkeit, durch zwey oder drep Zeugen; Wie

viel ärgere Strafe wird der verdienen, der den

Sohn GOttes mit Süflen tritt, und das Blut

des